Rezensionen 2021

"Ein Schultag mit Coco" (Winterwork, 2021, Herausgeber Peter Hoffmann)

ist ein Buch, dass ich vielen Erwachsenen ans Herz legen möchte. Lesen Sie das Leben mit Kinderaugen! Dank sei der Partnerschaft für Demokratie "Kreis der Vielfalt" Anhalt Bitterfeld im Rahmen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gesagt. Durch den den Pelikan e.V. (Förderverein für Literatur und neue Schule) Sachsen-Anhalt wurde das Buch begleitet



Lieber Peter,


gestern habe ich Euer Buch "Ein Schultag mit Coco" zu Ende gelesen. Da hast Du wieder etwas ganz Besonderes aufgelegt. Die Texte abgestimmt auf die Fotos und Kinderzeichnungen machen das Buch nicht nur optisch zu einem Glanzstück, sondern lockern auch das reine Lesen auf. Mit jeder Seite wuchs in mir der Entdeckerdrang. Außergewöhnlich gut hat mir gefallen, wie auch die Kleinsten (1., 2. Klasse) sich inhaltlich ausdrücken können. Eine neue Welt tut sich vor mir auf, vor allem weil meine Enkelin fast 6 Jahre alt ist und dieses Jahr in die Schule kommt. Ja, es stimmt, wir müssen dieser Generation gut zuhören. Sie werden nicht nur einmal unser Altenheim aussuchen, wie spaßhaft der Volksmund sagt, sondern was wir ihr heute mitgeben, wird ihren Kindern wiederum im Gedächtnis bleiben. So weit voraus müssen wir denken.


"Kinder an die Macht" war lange Zeit eines meiner Lieblingslieder. Nicht nur wegen der eingängigen Melodie, sondern weil in der "Friday for Future"-Bewegung unserer Kinder und Jugendlichen etwas hervorbgebracht wurde, was den Inhalt dieses Liedes zu bestätigen scheint: Liebe zur Heimat, große Sorge, in welchem Land sie einmal leben werden und weil alles Politische über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Dabei werden Politiker aller Parteien nicht müde, zu versichern, Kinder sind unsere Zukunft und wir müssen ihnen ein Land hinterlassen, in welchem sie gern leben möchten. Erst seitdem sich die Kinder in die politischen Prozesse einmischen, werden sie ernster genommen. Zurück zum Buch.


Die Titelgeschichte hat eine 7-jährige, ein Kind von 35, die an der Anthologie mitgewirkt haben, geschrieben. Coco ist ihr Lieblingshuhn, und sie möchte am liebsten den ganzen Tag mit ihm verbringen. Also nimmt sie es in ihrer Phantasie mit in die Schule und das Huhn darf sogar einen Badeanzug tragen, wenn Leah Melina Naumann beim Schwimmenlernen ist. Abends darf das Huhn natürlich mit zum Kuscheln ins Bett. So etwas gibt es in der Phantasie wirklich nur auf dem Land. Die 13 Ortschaftsteile der Gemeinde Muldestausee bieten den Kindern und ihren Familien einen lebenswerten Raum, um sich zu entfalten. Manches Kind liebt sein Pferd oder Pony und andere schwingen sich auf ihr Mountainbike und fahren Rennen.


Fast jede Familie hat Tiere: Katzen, Hunde, Meerschweinchen, Kaninchen und Hasen. Im Einklang leben mit der Natur gelingt natürlich am besten auf dem Land. Hinzu kommt, dass die einzelnen Ortsteile viel für die Jüngsten tun. Manche Schule ist neu renoviert, es gibt Kinderspielplätze, Kindergärten. Das Buch ist in mehrfacher Hinsicht exellent gegliedert. Die Ortsteile von Muldestausee werden alphabetisch mit den Kindertexten vorgestellt: Was gefällt mir am besten in meinem Dorf? Wieso lebe ich so gern hier?


Fragen, die genau beantwortet werden. Hervorheben möchte ich die Geschichten von Otto Herrmann. Er ist 11 Jahre alt und schreibt nicht nur erstaunlich dicht sondern inhaltlich spannend. Dabei spüre ich sein Leben, was ihn freut und ärgert - immer geht es um Gefühle, um sich und anderen Freude zu bereiten. Ein starker Familienzusammenhalt wird hier beim Angeln dargestellt. Otto macht den Angelschein. Seine Großeltern melden ihn an, seine Mutter brät die gefangenen Fische. Wird er wirklich auch einmal einen Fisch fangen?


Die letzte Geschichte im Buch ist lang, aber keinesfalls langatmig. Ein Kinderkrimi für Erwachsene. Es gilt einen Einbrecher zu fangen, der in der Kirche in Mühlbeck sein Unwesen treibt. Polizei, der Organist, die Eltern und natürlich Marlene, die den Einbrecher entdeckt hat - alle sind auf den Beinen, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Das überraschende Ende bringt Marlene nicht nur einen neuen Freund sondern diesem eine neue Perspektive im Leben. Was haben die Erwachsenen zum Buch zu sagen?


Im Nachwort bringt es der Schriftsteller Peter Hoffmann, der nicht nur die Idee für dieses Buchprojekt hatte, sondern sich auch bis zur Auslieferung an jedes Kind federführend um die Umsetzung in schwieigen Coronazeiten mit enormen Fleiß, beißender Hartnäckigkeit und Geduld gekümmert hat, auf den Punkt:


"Es geht u.a. darum, gerade in dieser schweren Zeit, in der viele Dinge hintenangestellt werden müssen, erst recht etwas für die Kinder zu tun. Und eine Veröffentlichung in einem richtigen Buch kann Wertvorstellungen für ein ganzes Leben mit prägen, die beteiligten Kinder stärken und fördern, sie zu einer Meinungsbildung ermutigen. Ihnen wird die Möglichkeit geboten, ihr Lebensgefühl für andere sichtbar zu machen, zu einem zeitgeschichtlichen Dokument beizutragen. Welches verantwortungsbewusste Elternteil will sich solchen Dingen verschließen?" (S. 146/147)


Annegret Winkel- Schmelz



Gleich hinterm Deich

dokumentatrisch- literarischer Streifzug durch Niegripp

dorise- Verlag, Erfurt, 2020

Herausgegeberin Dorothea Iser

mit Portätfotos von Rolf Winkler



Halle, den 03. 01. 2021

Liebe Thea,


noch schreibt sich dieses neue 2021 ungewohnt, geht nicht so schnell von der Hand. Jedoch hoffe ich, meine Worte und Sätze zu Deinem außergewöhnlichen Werk „Gleich hinterm Deich“ finden zu dir.

Du hast mit Walter Deinen Heimatort ergründet. Doch ist es kein reines Heimatbuch geworden.

Was mir beim Lesen besonders gefiel, waren Deine eingefügten Gedichte und die Kapitelüberschriften durch jeweils ein Schulschreiberkind.


Die Porträts der Menschen lese ich mit Herzenswärme und dokumentarisch-literarischer Professionalität. Inhaltlich ist mir aufgefallen, dass Du/Ihr selbst teilweise aus allen Wolken fallt, was es zu entdecken gilt und fast beschämt feststellt: Das haben wir nicht gewusst.

Bei den Frauenbiografien gefällt mir die historische Tiefe, die leise Annäherung und der Respekt gegenüber den zu interviewenden Menschen. Wenn ich die DDR-Biografien lese, merke ich: Fast alle haben studiert, sind voll arbeiten gegangen – egal, auch wenn sie fünf Kinder haben.


Kannte ich von Niegripp bisher nur das Cafe „Freundschaft, die Hauptstraße 8 (Dein Zuhause) und die Bushaltestelle, bin ich als heimlicher Niegripp-Fan doch umfassender informiert. Das Buch hinterlässt in mir den Eindruck einer Ortschaft, die, geprägt durch das aktive Miteinander fast jeder Profession, sich ständig weiter entwickelt und dem Dorfleben ein veränderbares Gesicht gibt.


Gerade mir als ausgesprochenem Stadtmenschen konnte ein Lebensentwurf vorgelegt werden, der lebendig, wechselbar und liebevoll beschrieben wird. Kathrin Wöhlers Porträts unterscheiden sich von Deinem Herangehen, brechen dieses jedoch nicht, sondern bereichern. Rolf Winklers Fotos sind eine, wieder einmal, Meisterleistung. Dass Petra Taubert ihren Teil einfügen kann, freut mich für sie.


Und Du selbst bleibst Deinem Schreibstil treu: Ein echter Iser, ein Buch, dass ich in drei Tagen gelesen hatte. Weil ich erstens Biografien am liebsten lese, die Du vor mir ausbreitest. Für mich liest sich das spannender als jeder Krimi, weil jedes Leben einzigartig ist. Wie Dein Credo es verspricht auf Seite 273, machst Du Dich auf die Suche nach Deinen unmittelbaren Mitmenschen und fügst Dich selbst unaufdringlich stets mit ein. So entsteht ein Wir-Gefühl mit den Dorfbewohnern.


Ich hoffe, das Buch findet auch weit über Niegripp hinaus seine Leser und Leserinnen. Mich hat es ergriffen und mitgenommen in eine andere Welt – weg von der Saale hin zur Elbe.

Du willst wissen, was Niegripp „im Innersten zusammenhält“. Das ist Dir voll gut gelungen. Es war riesig viel Arbeit, das kann ich nachfühlen. Die Gestaltung des Layouts ist wunderschön, farbenfroh und macht das Lesen leicht. Auf fast jeder Seite gibt es Neues zu entdecken.


Dein Buch hat mich begeistert und ich kann Petra Taubert gut verstehen, dass sie sich bei Dir, in Niegripp, wohl fühlt und dort ihr Kleinod entdeckt hat. (Was für uns Motzen ist, ist für sie Niegripp.) Du selbst bist eine der wichtigsten Menschen in ihrem Leben. Sie hat mir das Buch geschenkt. Eine prima Idee. Ich gebe es weiter zum Borgen, wenn es jemand lesen möchte.


Wir, Torsten und ich, wünschen Euch ein frohes, gesundes neues Jahr.

Seid beide herzlich umarmt und gegrüßt von uns beiden.


Annegret Winkel- Schmelz



„magische zeit mit dir“


ein Buch über die Liebe


von Peter Hoffmann


Der „König aus dem Harz“ und das „Hexchen“ werden sie im Vorwort genannt: Der Quedlinburger Denkmalfreund Torsten Schmelz und die Autorin Annegret Winkel-Schmelz aus Halle haben einander gefunden und gemeinsam ein Buch herausgebracht.

Ihr Miteinander bezeichnen sie im Vorwort als „Ehe mit wärmender Nähe und Freiraum, künstlerische Interessengemeinschaft“. Auf 125 Seiten halten sie in „magische zeit mit dir“ mittels Bild und Wort fest, was sie bewegt und wie sie die Welt wahrnehmen.

Sichtweisen, die beim Leser bzw. Betrachter Vertrautes aufsteigen oder ihn Neues entdecken lassen. So heißt es bei „mann und frau“: „manchmal weinen sie/vor glück und trauer/splittern sich“.


Bereits als dreizehnjährige hat sich die Autorin schreibend aus einer schwierigen Realität heraus geträumt. Sie wurde nach ihrem gesundheitsbedingten Ausscheiden aus dem Berufsleben ausgebildete „Kursleiterin für literarische Werkstätten in Poesie- und Bibliotherapie“, leitete über Jahre ehrenamtlich die hallesche Schreibgruppe „REGENBOGEN“.

Über das künstlerische Miteinander mit Torsten Schmelz schreibt sie: „Seine Zeichnungen bewirken, dass ich Worte, Sätze und Texte finde, die unsere Verbundenheit beschreiben.“


Und er, der diplomierte Baumensch, seit Jahren auf dem Gebiet der Stadtsanierung in Quedlinburg tätig, sagt über seinen Anspruch an das eigene Schaffen, was ihm dabei wichtig ist: „Den Moment festhalten und auf Papier bannen, dabei Helligkeit, Entfernung sowie das Farbspiel des Objektes in eine bleibende Zeichnung zu übersetzen.“ Das Rüstzeug dazu erwarb er sich in Freizeit und Studium. Dort gehörten perspektivische Darstellungen zum erlernenden Handwerk.


„König“ und „Hexchen“ besuchten einst gemeinsam die Schule, lernten sich bei einem Klassentreffen nach zwanzig Jahren neu kennen und lieben. Als gereifte Menschen leben sie nun bereits seit mehr als fünfzehn Jahren miteinander in Nähe und Distanz.

Gemeinsam erkunden sie an den Wochenenden jene Welt, in die der andere hineingewachsen ist. Für Torsten Schmelz boten sich dabei Burg Giebichenstein, Marktkirche, Moritzburg, Saline, Wasserturm Halle-Süd und Hansering als Motive an.

Ehefrau Annegret lässt sich im Gegenzug von Eindrücken aus Quedlinburg zu Texten anregen. Sie empfindet nach, mit welchen Augen ihr Torsten Motive wie die Villa Gut St. Wipertii, die Kirche St. Nikolai oder einfach nur eine Weggabelung südlich seiner Heimatstadt sieht.

Aber auch die Mark Brandenburg und die Ostsee fanden nach dem gemeinsamen Erleben ihren Niederschlag im Buch.

Wärmende Nähe und Freiraum: Wer sich sein eigenes Bild zu diesen Begriffen machen möchte, der lasse sich durch dieses kürzlich im dorise-Verlag erschienene sehr persönliche und dennoch in seiner Bedeutung über das Private hinausreichende Buch anregen: u.a. mit Versen wie: „in deiner zauberhand/liegt mein lebensland/wandre gern mit dir darin/weil ich bei mir selber bin.“



Annegret Winkel-Schmelz und Torsten Schmelz: „magische zeit mit dir“, dorsie-Verlag, ISBN: 978-3-946219-50-7, 125 Seiten, 12,90€