Rezensionen 2021

"Ein Schultag mit Coco" (Winterwork, 2021, Herausgeber Peter Hoffmann)

ist ein Buch, dass ich vielen Erwachsenen ans Herz legen möchte. Lesen Sie das Leben mit Kinderaugen! Dank sei der Partnerschaft für Demokratie "Kreis der Vielfalt" Anhalt Bitterfeld im Rahmen des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gesagt. Durch den den Pelikan e.V. (Förderverein für Literatur und neue Schule) Sachsen-Anhalt wurde das Buch begleitet


Lieber Peter,



gestern habe ich Euer Buch "Ein Schultag mit Coco" zu Ende gelesen. Da hast Du wieder etwas ganz Besonderes aufgelegt. Die Texte abgestimmt auf die Fotos und Kinderzeichnungen machen das Buch nicht nur optisch zu einem Glanzstück, sondern lockern auch das reine Lesen auf. Mit jeder Seite wuchs in mir der Entdeckerdrang. Außergewöhnlich gut hat mir gefallen, wie auch die Kleinsten (1., 2. Klasse) sich inhaltlich ausdrücken können. Eine neue Welt tut sich vor mir auf, vor allem weil meine Enkelin fast 6 Jahre alt ist und dieses Jahr in die Schule kommt. Ja, es stimmt, wir müssen dieser Generation gut zuhören. Sie werden nicht nur einmal unser Altenheim aussuchen, wie spaßhaft der Volksmund sagt, sondern was wir ihr heute mitgeben, wird ihren Kindern wiederum im Gedächtnis bleiben. So weit voraus müssen wir denken.



"Kinder an die Macht" war lange Zeit eines meiner Lieblingslieder. Nicht nur wegen der eingängigen Melodie, sondern weil in der "Friday for Future"-Bewegung unserer Kinder und Jugendlichen etwas hervorbgebracht wurde, was den Inhalt dieses Liedes zu bestätigen scheint: Liebe zur Heimat, große Sorge, in welchem Land sie einmal leben werden und weil alles Politische über ihre Köpfe hinweg entschieden wird. Dabei werden Politiker aller Parteien nicht müde, zu versichern, Kinder sind unsere Zukunft und wir müssen ihnen ein Land hinterlassen, in welchem sie gern leben möchten. Erst seitdem sich die Kinder in die politischen Prozesse einmischen, werden sie ernster genommen. Zurück zum Buch.



Die Titelgeschichte hat eine 7-jährige, ein Kind von 35, die an der Anthologie mitgewirkt haben, geschrieben. Coco ist ihr Lieblingshuhn, und sie möchte am liebsten den ganzen Tag mit ihm verbringen. Also nimmt sie es in ihrer Phantasie mit in die Schule und das Huhn darf sogar einen Badeanzug tragen, wenn Leah Melina Naumann beim Schwimmenlernen ist. Abends darf das Huhn natürlich mit zum Kuscheln ins Bett. So etwas gibt es in der Phantasie wirklich nur auf dem Land. Die 13 Ortschaftsteile der Gemeinde Muldestausee bieten den Kindern und ihren Familien einen lebenswerten Raum, um sich zu entfalten. Manches Kind liebt sein Pferd oder Pony und andere schwingen sich auf ihr Mountainbike und fahren Rennen.



Fast jede Familie hat Tiere: Katzen, Hunde, Meerschweinchen, Kaninchen und Hasen. Im Einklang leben mit der Natur gelingt natürlich am besten auf dem Land. Hinzu kommt, dass die einzelnen Ortsteile viel für die Jüngsten tun. Manche Schule ist neu renoviert, es gibt Kinderspielplätze, Kindergärten. Das Buch ist in mehrfacher Hinsicht exellent gegliedert. Die Ortsteile von Muldestausee werden alphabetisch mit den Kindertexten vorgestellt: Was gefällt mir am besten in meinem Dorf? Wieso lebe ich so gern hier?



Fragen, die genau beantwortet werden. Hervorheben möchte ich die Geschichten von Otto Herrmann. Er ist 11 Jahre alt und schreibt nicht nur erstaunlich dicht sondern inhaltlich spannend. Dabei spüre ich sein Leben, was ihn freut und ärgert - immer geht es um Gefühle, um sich und anderen Freude zu bereiten. Ein starker Familienzusammenhalt wird hier beim Angeln dargestellt. Otto macht den Angelschein. Seine Großeltern melden ihn an, seine Mutter brät die gefangenen Fische. Wird er wirklich auch einmal einen Fisch fangen?



Die letzte Geschichte im Buch ist lang, aber keinesfalls langatmig. Ein Kinderkrimi für Erwachsene. Es gilt einen Einbrecher zu fangen, der in der Kirche in Mühlbeck sein Unwesen treibt. Polizei, der Organist, die Eltern und natürlich Marlene, die den Einbrecher entdeckt hat - alle sind auf den Beinen, um dem Spuk ein Ende zu bereiten. Das überraschende Ende bringt Marlene nicht nur einen neuen Freund sondern diesem eine neue Perspektive im Leben. Was haben die Erwachsenen zum Buch zu sagen?



Im Nachwort bringt es der Schriftsteller Peter Hoffmann, der nicht nur die Idee für dieses Buchprojekt hatte, sondern sich auch bis zur Auslieferung an jedes Kind federführend um die Umsetzung in schwieigen Coronazeiten mit enormen Fleiß, beißender Hartnäckigkeit und Geduld gekümmert hat, auf den Punkt:



"Es geht u.a. darum, gerade in dieser schweren Zeit, in der viele Dinge hintenangestellt werden müssen, erst recht etwas für die Kinder zu tun. Und eine Veröffentlichung in einem richtigen Buch kann Wertvorstellungen für ein ganzes Leben mit prägen, die beteiligten Kinder stärken und fördern, sie zu einer Meinungsbildung ermutigen. Ihnen wird die Möglichkeit geboten, ihr Lebensgefühl für andere sichtbar zu machen, zu einem zeitgeschichtlichen Dokument beizutragen. Welches verantwortungsbewusste Elternteil will sich solchen Dingen verschließen?" (S. 146/147)



Leseeindruck zu „… und dann kamen die Gedanken – gezeichnet ist der Augenblick“

Halle, den 30.1.2021


Liebe Sigrid, liebes Lindenblättchen,


wenn einem jemand ein Buch schenkt, in dem er selbst Texte veröffentlicht hat, erwartet derjenige möglicherweise, dass man sich in einer gewählten Form dazu äußert.

Du hast mir zum Weihnachtsfest das Buch „… und dann kamen die Gedanken – gezeichnet ist der Augenblick“ geschenkt. Kaum zu glauben, dass die Jerichower Schreibrunde schon ihr 25. Jubiläum feiert.

Erinnere ich mich an den Beginn, fällt mir Folgendes ein:


Damals ging Dorothea Iser einfach so auf den damaligen Chefarzt Joachim Müller zu und überzeugte ihn, eine Schreibwerkstatt im Jerichower Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychosomatik für Patienten zu gründen. Sie selbst übernahm für viele Jahre die Leitung der monatlichen Treffen. Bald erschien das erste Buch „Fluchtwege“. Die Runde wuchs, und auch längst entlassene Patienten und Patientinnen kamen wieder.

Dann fand der erste Workshop in Wendgräben statt.


Die Jerichower Schreibrunde öffnete sich. Ich erinnere mich gern an die knapp 50 Teilnehmer und Teilnehmerinnen, die sich im Malen, Tanzen, Theaterspielen und Schreiben in den drei Tagen ausprobieren konnten. Am letzten Tag fanden die Präsentationen statt. Erstmals las ich vor Publikum einen heiteren Text von mir. Er kam an und das gab mir viel Selbstvertrauen.

In den Folgejahren fanden jedes Jahr diese Workshoptage statt. Ich lernte viele Mitglieder der Jerichower Schreibrunde persönlich kennen. Joachim Müller spielte in der Theatergruppe mit. Wenn ein Chefarzt so lachen kann, dann werden die Patienten sicherlich bald gesünder, dachte ich öfter.


Nachdem Dorothea Iser die Schreibrunde an Diana Enders übergeben hatte, übernahmen sie drei Jahre später Marion Krüger und Lutz Sehmisch. Ihnen beiden ist es zu danken, dass die Idee zu diesem Buch Realität wurde.

Diana Enders schreibt im Vorwort: „Es erwartet sie eine Fülle von Texten, die, ausgehend vom Motto des Schreibprojekts, das Wirrwarr in unseren Köpfen und Herzen in allen Facetten widerspiegeln … Sie haben in ihren Beiträgen die Masken abgelegt. Sie gehen wie in einem Labyrinth in nahen und fernen Kreisen immer dichter an sich selbst heran. … Das Schreiben lässt einen Schreiber verwandelt zurück … So ergeht es aber auch beim lesen.“


Ich hatte das Buch von hinten angefangen zu lesen. Weil ich natürlich erst einmal Deine Texte gefunden hatte, liebe Sigrid. Wir beide haben uns über das Schreiben in dem halleschen Selbsthilfeprojekt Schreibgruppe REGENBOGEN kennen gelernt. Ich freue mich sehr für Dich, dass Du in der vorliegenden Anthologie mit solch unterschiedlichen Texten vertreten bist. Besonders tief berührt haben mich Deine Gedichte: „Mein Kind – meine Tochter“ und „Altersfalten“.Beide Texte zeigen deine gelungene Balance zwischen Drama und Humor.


Im Autorenverzeichnis gibt es kurze biografische Angaben und einen Satz darüber, was jedem dass Schreiben bedeutet. Von den 16 Mitgliedern der Jerichower Schreibrunde kenne ich 11 persönlich. Deswegen ist das Buch eine Lesebegegnung der besonderen Art für mich. Der Untertitel des Buches „ - gezeichnet ist der Augenblick“ wird zum organisatorischen Programm, denn die gemalten und gezeichneten Bilder sind absolut gelungene Beiträge. Jedes Bild erzählt zusätzlich eine eigene Geschichte.


Einzelne Texte aus diesem Gesamtkunstwerk hervorzuheben, fällt mir schwer. Aber sehr tief angerührt hat mich das Therapietagebuch „Zwei Tafeln Schokolade – Protokoll einer Therapie“ von Heike Lüdeke. (S.91 bis S. 104)

Jeder Text ist es wert, herauszuragen. In jedem steckt diese gewisse Individualität, die ein Buch zum Erlebnis werden lassen, wenn ich mich darauf einstelle. Die Autoren und Autorinnen lassen sich in die Seele schauen. Ich merke den einzelnen Gedichten, Sequenzen, Geschichten, Limericks und therapeutisch geschriebenen Beiträgen an, welche Höhen und Tiefen vorher erklommen und durchschritten wurden, bevor sie den Weg aufs Papier fanden.


Es ist ein Buch, dass sich sicherlich nicht beim ersten Lesen völlig erschließt. Ich nehme es gern öfter zur Hand, um immer wieder neu zu entdecken. Auch Dich, meine liebe Freundin Sigrid.

Ich danke Dir, dass ich diese Nachricht der Jerichower Schreibrunde in meinem Bücherschrank weiß.

Möget ihr weiterhin schreiben, Euch begegnen und vertrauen. Diese Nähe ist es, die solcherart Literatur möglich macht.


Ich grüße Dich herzlich, wünsche weiterhin ein gutes Schreibhändchen, Deine Anne



Annegret Winkel- Schmelz


Gleich hinterm Deich

dokumentatrisch- literarischer Streifzug durch Niegripp

dorise- Verlag, Erfurt, 2020

Herausgegeberin Dorothea Iser

mit Portätfotos von Rolf Winkler


Halle, den 03. 01. 2021

Liebe Thea,



noch schreibt sich dieses neue 2021 ungewohnt, geht nicht so schnell von der Hand. Jedoch hoffe ich, meine Worte und Sätze zu Deinem außergewöhnlichen Werk „Gleich hinterm Deich“ finden zu dir.

Du hast mit Walter Deinen Heimatort ergründet. Doch ist es kein reines Heimatbuch geworden.

Was mir beim Lesen besonders gefiel, waren Deine eingefügten Gedichte und die Kapitelüberschriften durch jeweils ein Schulschreiberkind.



Die Porträts der Menschen lese ich mit Herzenswärme und dokumentarisch-literarischer Professionalität. Inhaltlich ist mir aufgefallen, dass Du/Ihr selbst teilweise aus allen Wolken fallt, was es zu entdecken gilt und fast beschämt feststellt: Das haben wir nicht gewusst.

Bei den Frauenbiografien gefällt mir die historische Tiefe, die leise Annäherung und der Respekt gegenüber den zu interviewenden Menschen. Wenn ich die DDR-Biografien lese, merke ich: Fast alle haben studiert, sind voll arbeiten gegangen – egal, auch wenn sie fünf Kinder haben.



Kannte ich von Niegripp bisher nur das Cafe „Freundschaft, die Hauptstraße 8 (Dein Zuhause) und die Bushaltestelle, bin ich als heimlicher Niegripp-Fan doch umfassender informiert. Das Buch hinterlässt in mir den Eindruck einer Ortschaft, die, geprägt durch das aktive Miteinander fast jeder Profession, sich ständig weiter entwickelt und dem Dorfleben ein veränderbares Gesicht gibt.



Gerade mir als ausgesprochenem Stadtmenschen konnte ein Lebensentwurf vorgelegt werden, der lebendig, wechselbar und liebevoll beschrieben wird. Kathrin Wöhlers Porträts unterscheiden sich von Deinem Herangehen, brechen dieses jedoch nicht, sondern bereichern. Rolf Winklers Fotos sind eine, wieder einmal, Meisterleistung. Dass Petra Taubert ihren Teil einfügen kann, freut mich für sie.



Und Du selbst bleibst Deinem Schreibstil treu: Ein echter Iser, ein Buch, dass ich in drei Tagen gelesen hatte. Weil ich erstens Biografien am liebsten lese, die Du vor mir ausbreitest. Für mich liest sich das spannender als jeder Krimi, weil jedes Leben einzigartig ist. Wie Dein Credo es verspricht auf Seite 273, machst Du Dich auf die Suche nach Deinen unmittelbaren Mitmenschen und fügst Dich selbst unaufdringlich stets mit ein. So entsteht ein Wir-Gefühl mit den Dorfbewohnern.



Ich hoffe, das Buch findet auch weit über Niegripp hinaus seine Leser und Leserinnen. Mich hat es ergriffen und mitgenommen in eine andere Welt – weg von der Saale hin zur Elbe.

Du willst wissen, was Niegripp „im Innersten zusammenhält“. Das ist Dir voll gut gelungen. Es war riesig viel Arbeit, das kann ich nachfühlen. Die Gestaltung des Layouts ist wunderschön, farbenfroh und macht das Lesen leicht. Auf fast jeder Seite gibt es Neues zu entdecken.



Dein Buch hat mich begeistert und ich kann Petra Taubert gut verstehen, dass sie sich bei Dir, in Niegripp, wohl fühlt und dort ihr Kleinod entdeckt hat. (Was für uns Motzen ist, ist für sie Niegripp.) Du selbst bist eine der wichtigsten Menschen in ihrem Leben. Sie hat mir das Buch geschenkt. Eine prima Idee. Ich gebe es weiter zum Borgen, wenn es jemand lesen möchte.



Wir, Torsten und ich, wünschen Euch ein frohes, gesundes neues Jahr.

Seid beide herzlich umarmt und gegrüßt von uns beiden.



Annegret Winkel- Schmelz



„magische zeit mit dir“

ein Buch über die Liebe



von Peter Hoffmann



Der „König aus dem Harz“ und das „Hexchen“ werden sie im Vorwort genannt: Der Quedlinburger Denkmalfreund Torsten Schmelz und die Autorin Annegret Winkel-Schmelz aus Halle haben einander gefunden und gemeinsam ein Buch herausgebracht.

Ihr Miteinander bezeichnen sie im Vorwort als „Ehe mit wärmender Nähe und Freiraum, künstlerische Interessengemeinschaft“. Auf 125 Seiten halten sie in „magische zeit mit dir“ mittels Bild und Wort fest, was sie bewegt und wie sie die Welt wahrnehmen.

Sichtweisen, die beim Leser bzw. Betrachter Vertrautes aufsteigen oder ihn Neues entdecken lassen. So heißt es bei „mann und frau“: „manchmal weinen sie/vor glück und trauer/splittern sich“.



Bereits als dreizehnjährige hat sich die Autorin schreibend aus einer schwierigen Realität heraus geträumt. Sie wurde nach ihrem gesundheitsbedingten Ausscheiden aus dem Berufsleben ausgebildete „Kursleiterin für literarische Werkstätten in Poesie- und Bibliotherapie“, leitete über Jahre ehrenamtlich die hallesche Schreibgruppe „REGENBOGEN“.

Über das künstlerische Miteinander mit Torsten Schmelz schreibt sie: „Seine Zeichnungen bewirken, dass ich Worte, Sätze und Texte finde, die unsere Verbundenheit beschreiben.“



Und er, der diplomierte Baumensch, seit Jahren auf dem Gebiet der Stadtsanierung in Quedlinburg tätig, sagt über seinen Anspruch an das eigene Schaffen, was ihm dabei wichtig ist: „Den Moment festhalten und auf Papier bannen, dabei Helligkeit, Entfernung sowie das Farbspiel des Objektes in eine bleibende Zeichnung zu übersetzen.“ Das Rüstzeug dazu erwarb er sich in Freizeit und Studium. Dort gehörten perspektivische Darstellungen zum erlernenden Handwerk.



„König“ und „Hexchen“ besuchten einst gemeinsam die Schule, lernten sich bei einem Klassentreffen nach zwanzig Jahren neu kennen und lieben. Als gereifte Menschen leben sie nun bereits seit mehr als fünfzehn Jahren miteinander in Nähe und Distanz.

Gemeinsam erkunden sie an den Wochenenden jene Welt, in die der andere hineingewachsen ist. Für Torsten Schmelz boten sich dabei Burg Giebichenstein, Marktkirche, Moritzburg, Saline, Wasserturm Halle-Süd und Hansering als Motive an.

Ehefrau Annegret lässt sich im Gegenzug von Eindrücken aus Quedlinburg zu Texten anregen. Sie empfindet nach, mit welchen Augen ihr Torsten Motive wie die Villa Gut St. Wipertii, die Kirche St. Nikolai oder einfach nur eine Weggabelung südlich seiner Heimatstadt sieht.

Aber auch die Mark Brandenburg und die Ostsee fanden nach dem gemeinsamen Erleben ihren Niederschlag im Buch.

Wärmende Nähe und Freiraum: Wer sich sein eigenes Bild zu diesen Begriffen machen möchte, der lasse sich durch dieses kürzlich im dorise-Verlag erschienene sehr persönliche und dennoch in seiner Bedeutung über das Private hinausreichende Buch anregen: u.a. mit Versen wie: „in deiner zauberhand/liegt mein lebensland/wandre gern mit dir darin/weil ich bei mir selber bin.“





Annegret Winkel-Schmelz und Torsten Schmelz: „magische zeit mit dir“, dorsie-Verlag, ISBN: 978-3-946219-50-7, 125 Seiten, 12,90€





Ein Buch gegen das Vergessen



Halle, den 29.11. 2021

Liebe Frau Dr. Ingrid Ursula Stockmann,



mit Dankbarkeit nahm ich das Buch „Annis gestohlenes Kindheitsglück“, geschrieben von Ihrer Mutter Anni Margot Skorupa und Ihnen aus meinem Briefkasten.

Erschienen ist es im Stockwärter Verlag, den ihr Sohn Bernd Stockmann leitet. Über book on demand, Norderstedt, wurde es gedruckt.

Auf dem Cover sehe ich ein Foto von Anni Margot. Im Klappentext hinten stehen Sätze, die auf den Inhalt hinweisen:

„Eines der vergessenen Kinderschicksale: Margot Skorupa ist Jahrgang 1928. Sie schreibt über ihre Kindheit bis zum Abschluss der Volksschule 1942 … die Eltern mussten als Widerstandskämpfer am Ende des Krieges ihr Leben lassen. Sie hinterließen sechs Kriegsvollwaisen, die als Kinderfamilie weiterlebten.“

Gemäß meiner Angewohnheit, Bücher von hinten anzufangen, finde ich ein dreiseitiges Inhalts - ebenso ein Abbildungsverzeichnis. Den Texten, und biografischen Leseabschnitten, Zeitdokumenten sowie Malereien von Anni Margot ist ein Gedicht von 1965 vorangestellt.

Und schon bin ich mitten im Lebenslauf. Elly und Otto Jäger wurden drei Mädchen und nacheinander drei Jungen geboren. Otto führte einen „Tante Emma Laden“ und ein Wandergewerbe.

In diesem Geschäft trafen sich die Genossen der KPD. Denn er engagierte sich als Propaganda- und Kulturleiter einer Ortsgruppe in Tangermünde.

„… der junge Vater wurde 1924 aus politischen Gründen erstmals inhaftiert.“ (S. 8)

Anni Margot beschreibt das Alltagsleben einer kinderreichen Familie und ihre frühesten Kindheitserlebnisse. Kaum zu glauben, dass sie schon als Baby im zarten Alter von einigen Monaten bewusste Erinnerungen abgespeichert hatte. Dies gibt es nur bei hochbegabten Menschen.

Auf S. 19/20 finde ich eine hommage auf Elly, ihre „… liebe, schöne Mutter.“

Besonders beachtenswert finde ich, dass diese Frau ihre Kinder nicht ausschimpfte oder bestrafte, wenn sie scheinbar Unfug gemacht hatten. Sie blieb sanft und versuchte zu ergründen, warum ihre Kinder so handelten. In einer Zeit, in der die Prügelstrafe in der Schule noch nicht angeschafft war und gängige Praxis in anderen Familien, konnten sie ihre Kinder Zuhause davor schützen.

Die kurzen Kapitel-Leseabschnitte lockern das Buch auf, lassen detailgenau Anteil nehmen am Schicksal des politisch aktiven Widerstandes des Vaters und der Mutter gegen das aufkommende Hitlerregime. Seine Haftzeiten sind genau dokumentiert. Er war davon überzeugt: Wer Hitler wählt, wählt Krieg.“

Anni Margot, die kleinere und jüngere Schwester der zwei Erstgeborenen, musste so manchen Drangsal ihrer älteren Geschwister über sich ergehen lassen. Diese wollten mit anderen Kindern spielen, Anni Margot war ihnen eine Last. Jede Beleidigung nahm sie ernst und litt Zeit ihres Lebens darunter.

„Die Angst vor Hundebissen verlor ich erst, als ich schon ein Pflichtjahr-Mädel war.“(S. 23/24)

Auf S. 37 gab es „Familienglück“ „Man kann sagen, uns ging es finanziell sehr gut ... Am Sonntag hatte die Familie Zeit und war vereint. Meine Mutter arbeitete in jungen Jahren als Köchin und Bäckerin ...“

Ein Erlebnis musste Anni Margot schwer erschütter haben. Nachbarn überfielen abends in der Dunkelheit mit Brutalität die Eltern: „Die Nachbarin wurde von ihrem Mann unterstützt, indem er einen Spaten hervorholte und meinem Vater mit der Schnittstelle ins Gesicht schlug … er hatte eine tiefe Verletzung im Gesicht und blutete stark … Meine Eltern wussten nicht, dass ich Zeugin dieser Freveltat war … Danach fing für uns die Hölle an… Gleich nach Hitlers Machtergreifung kam mein Vater ins Konzentrationslager.“ (S. 40)

„ … wurde er im Moorlager Emsland bei Papenburg (Börgermoor) inhaftiert.“ (S. 44)

„Wir vermissten den Papa und oft auch die Mama. Ohne Geldquelle musste sie arbeiten, denn das Leben musste ohne den Ernährer weitergehen.“ (S. 45)

„Die Entlassung aus dem KZ erfolgte im Sommer 1934. Zu Haus wurde heimlich das Lied „Wir sind die Moorsoldaten…“ gesungen. Damals wusste ich nicht, dass die kommunistischen Häftlinge dort den Text und die Melodie mit dem Schauspieler Langhoff selbst erschaffen hatten.“ (S. 49).

An dieser Stelle des Buches begann ich zu weinen. Denn ich kenne das Lied, wir sangen es im Musikunterricht. Ich fühlte durch die dichte und nahegehende Schreibweise der Autorin alles nach.

„ … eines nachts … zwei Beamte forderten meine Mutter auf: „Ziehen sie ihre Kinder schnell an … sie sind verhaftet.“ Wir wurden von der Mutter getrennt. Sie weigerte sich, den Hetzbrief (gegen Hitler) abzuschreiben. Unsere Mutter wurde misshandelt und schrie entsetzlich. Diese Schreie vergaß ich nie, und damit war meine Kindheit beendet.“ (S. 50/51)

„Mein Vater wurde Anfang 1937 aus dem KZ Sachsenhausen entlassen.“ (S. 57)

Im „Nachwort“ heißt es: „Beinahe hätten unsere Eltern 1945 den Frieden miterleben können. Unserem Vater fehlte ein viertel Jahr und unserer Mutter zehn Tage … Seit Ende 1945 galt meine Mutter als vermisst … Die Wahrscheinlichkeit ihrer Ermordung durch einen jugendlichen `Wehrwolf`

ist sehr hoch … „ (S. 97)

„Meine Eltern wurden totgeschwiegen. Damit soll jetzt Schluss sein.“ (S. 98)

Dieses Buch hat mich erschüttert. Es ist unmöglich für mich, mich dem zu entziehen. Was ich mich jedoch gefragt hatte:

Warum konnten in der DDR, einem Staat, der den Antifaschismus als Staatsdoktrin inne hatte, diese Leben als Widerstandskämpfer keinerlei Beachtung finden? Aufkeimenden Faschismus gibt es in der Gegenwart zur Genüge. Gab es auch in der DDR. Genau aus diesem Grund muss das Buch eine weite Verbreitung finden. In Halle sollte es einen Straßennamen „Elly und Otto Jäger Straße“ geben. Das wäre späte Gerechtigkeit.

Anni Margot verstarb im Alter von 90 Jahren. Ihnen als ihre Tochter ist es zu danken, dass sie das Leben ihrer Großeltern und Mutter in ehrendem Gedenken wach halten und mit diesem Buch der Öffentlichkeit nahebringen.

In dankbarer Verehrung und Hochachtung verbleibe ich mit herzlichsten Grüßen,


ihre Leserin Annegret Winkel-Schmelz




Motiviert studiert


Dr. Daniel Hunold



Es ist der dritte Advent 2021 und ich sitze entspannt am Couchtisch. Meine Katze flegelt sich auf der Rückenlehne meines Sofas und schaut mehr oder weniger interessiert auf mich herab.


Die Kerze brennt auf dem Tisch, die 90 Minuten auf dem Küchentimer laufen und ich habe schon eine Tasse Kaffee getrunken zur Einstimmung auf die vor mir liegende Arbeit. In anderthalb Stunden will ich die Fassung für eine Rezension eines Buches fertigstellen, das hat mich wie kein zweites inspiriert.


Es heißt: „Motiviert studiert – Dein Weg zu weniger Stress, mehr Freizeit und besseren Noten“. Es wurde von Dr. Daniel Hunold geschrieben. Er konnte seine Lernstrategien an sich selbst ausprobieren. Seine Karriere verlief vom schlechtesten Zensurendurchschnitt in der Schulklasse über Jahrgangsbester im Abitur zum Studium und dann zum Doktortitel.


In seiner Familie war er der erste, der ein Studium absolviert und promoviert hat. Es war für ihn ein steiniger Weg bis zum Doktortitel. Sein Lernerfolg begann, als er durch seine Mutter darauf aufmerksam gemacht wurde, dass nur er für seinen Erfolg oder Misserfolg verantwortlich sei. Er begann dann zu recherchieren und verbesserte seine Noten zum genannten Ergebnis.


Er hat mit seinem Youtube – Kanal „Motiviert studiert“ viele andere Menschen erreicht. Seine Videos sind anschaulich erklärt, einfach zu verstehen und einprägsam. Er ist einer der gefragtesten Dozenten auf seinem Gebiet.


Über seinen Youtube - Kanal bin ich im Internet auf ihn aufmerksam geworden. Ich habe mir nach reiflicher Überlegung von einer Stunde und nach dem abendlichen Füttern der Katzen das Buch „Motiviert Studiert“ am Dienstag bestellt. Es kam am Donnerstagnachmittag an und es hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen.


Vier Unholde – wie der Autor sie nennt – führen durch das Buch. Der innere Schweinehund, das Dramalama, das Chaoswiesel und der Fiffifuchs.


Der innere Schweinehund ist wohl jedem bekannt. Zumeist wird er negativ gesehen. Dass er aber mich schützt vor Überforderung und falschen Zielen, war mir neu.


Ich sehe meine faulenzende Katze auf dem Sofa an. Haben Katzen einen inneren Schweinehund, der sie vor Überforderung schützt?, blitzt mir kurzzeitig in mein Bewusstsein. Aber ich verwerfe diese Frage auch schon wieder und wende mich dem Kapitel „Das Geheimnis der Motivation!“zu, das dem inneren Schweinehund gewidmet ist.


Mir ist jedenfalls in Erinnerung geblieben, dass man sich lang-, mittel- und kurzfristige Ziele setzen sollte, die sich nicht einander widersprechen. Um die Prokrastination – zu deutsch: das Aufschieben – zu überwinden, kann man ein Anfangsritual etablieren. Bei mir ist es die brennende Kerze auf dem Couchtisch und die Tasse Kaffee, die ich kurz zuvor gebrüht habe.


Ich habe mir fest vorgenommen, den Vorschlag zu beherzigen, einen Vertrag mit mir abzuschließen. Damit kann ich kurzfristig viel erreichen. Zum Beispiel kann ich ein Buch innerhalb von 14 Tagen auslesen und eine Rezension dazu schreiben. Durch ein Erfolgsjournal kann ich dann Abend für Abend meine Fortschritte dokumentieren.


Dem Dramalama oder „Wie deine Überzeugungen deinen Lernerfolg ausbremsen“ entnehme ich, dass negative Erlebnisse auch gut sein können, weil man daraus lernen kann, wie es nicht läuft.


Ganz entscheidend und auch etwas befremdlich war die Einsicht, dass ich (und nur ich!) die Verantwortung für meinen Erfolg oder Misserfolg trage und unbedingt danach handeln sollte.


Um mich selbst zu überzeugen, dass ich etwas schaffen kann, benutze ich einen weiteren Vertragsschluss mit mir: Ich will spätestens um neun Uhr in den nächsten zwei Wochen aufgestanden und fertig sein, damit ich in den Tag starten kann. Außerdem will mein Katze morgens nicht zu spät frühstücken und lärmt sowieso schon ab sieben Uhr herum.


Eine sehr gute Unterstützung zum Erreichen meiner Ziele war das dritte Kapitel mit dem Chaoswiesel. Ich schaffe es meistens nicht, mir meinen Tag so zu strukturieren, dass ich alles erledige, was auf meiner Todo-Liste steht. Zu chaotisch ist meine Planung.


Wochenplanung ist zwar besser als die tägliche Planerstellung – so der Autor. Aber um erfolgreich meinen Zielen näher zu kommen, muss ich Prioritäten setzen und meine Aufgaben überblicken können.


Die Eisenhower-Matrix ist kein Actionfilm. Sie hilft mir, eine Reihenfolge meiner Ziele nach Wichtigkeit und Dringlichkeit festzulegen. Währenddessen bietet mir das Kanban-Board eine Übersicht über die verschiedenen Aufgabenstellungen, zu denen ich mich selber verpflichtet habe. Kanban ist japanisch und bedeutet Karte oder Wegweiser. Es dient in vielen Betrieben der effektiven Aufgabenverteilung unter den Mitarbeitern.



Aus dem dritten Kapitel ist mir die Pomodoro Technik geläufig. Ihr Erfinder hat mit seinem Küchenwecker, der eine Tomatenform (Italienisch Pomodoro) hatte, die Lernzeit in bestimmte Abschnitte eingeteilt.


Mein Küchenwecker sieht zwar nicht aus wie eine Tomate, erfüllt aber vollkommen seinen Zweck. Ich kann mir gut vorstellen , dass ich je 25 Minuten lerne, dann fünf Minuten Pause einlege. Dies wiederhole ich dann zweimal. Beim dritten Mal lege ich eine 30 minütige Pause ein. Solange die Katzen nicht gerade dann spielen wollen, ist es einen Versuch wert.


Zu guter Letzt führt der Fiffifuchs durch die Lernstrategien, die dabei helfen, das Gehirn zu aktivieren, um sich vor dem Lesen eines neuen Textes oder neuen Lernabschnitts des eigenen Wissens bewusst zu werden und sich das Abspeichern von Informationen zu erleichtern. Richtig lesen will gelernt sein – genauso wie gute Recherche zum Thema.


Wichtig ist für mich die Erkenntnis, dass ich schon bevor ich den neuen Text lese, mich fragen soll, was ich vom Text wissen möchte. So sind auch gut erstellte Lernmaterialien, wie eine Mindmap, eine Art Baumdiagramm, oder eine kurze Zusammenfassung mit eigenen Worten, viel effektiver im Gestalten Lernprozess als das ständige Durchlesen des Textes.


Meine Kerze ist um fast einen Zentimeter geschrumpft. Ich puste sie aus. Mein Timer zeigt noch ungefähr zwei Minuten an und meine Katze ist auf dem Sofa eingeschlafen. Ich jedoch bin hellwach. Denn ich freue mich auf die vor mir liegende Zeit zum Lesen, Ausarbeiten und Lernen. Ich möchte schon heute loslegen.


Alles in allem nehme ich neuen Schwung aus diesem Buch mit. Mir ist klar, welche Ziele ich verfolgen möchte. Ich habe mein Kanban-Board schon in einer Lesepause ausgefüllt. Ich weiß aber, dass ich nichts überstürzen sollte. Also schließe ich das Buch und bereite mich zum abendlichen Lesen vor. Das Buch „Percy Jackson – im Bann des Zyklopen“ lese ich gerade zur Entspannung.


Gerade als ich von der Couch aufstehen will, klingelt der Timer. Der Text ist fertig. „Ein guter Start in ein neues Arbeiten“, denke ich. Ich freue mich schon riesig auf das, was ich in der nächsten Zeit schaffen werde.


Die Katze jedenfalls ist wieder wach und hat jetzt Hunger.


Susanne Händel