Neue Texte Sommer 2021

Christa Beau


Knolls Hütte


Es ist ein warmer Sommertag im August.

Vom Hubertusplatz aus wandere ich durch die Dölauer Heide, eines der größten Waldgebiete in der Umgebung von Halle, bis zu dem Ort, wo sich einst Knolls Hütte befand.

Ich blicke auf Betonklötze mit Etagen- und Dachgeschosswohnungen für Familien mit und ohne Kinder. Dazwischen junge Bäume, Büsche und grüne Wiesen. Auch ein Kinderspielplatz wurde angelegt.

Wehmütig schaue ich auf kleine Mädchen und Jungen, die beim Schaukeln herzhaft lachen.

Jetzt werde ich wieder zum Kind von acht/neun Jahren.

Mit meinen Eltern und Geschwistern bin ich im Biergarten Knolls Hütte. Viele Male in den Sommermonaten spazierten wir dorthin.

Manchmal war es nicht leicht, für unsere große Familie einen Tisch zu finden, obwohl das Lokal fast 700 Personen Platz bot.

Schon Tage davor freute ich mich auf Fassbrause und Bockwurst mit Kartoffelsalat, die wir hier jedes Mal bekamen.

Zog einmal ein Regenschauer über uns hinweg, flüchteten wir in das Gebäude, das abends als Tanzsaal genutzt wurde.

Am schönsten aber war es auf dem Spielplatz, der zum Lokal gehörte. Schaukeln für ein Kind oder mehrere, sogar solche, die sich in der Luft überschlugen, Karussells, Klettergerüste, Wippen, Balancierstangen sorgten dafür, dass die Zeit schnell verging.

Unsere Eltern erfreuten sich unterdessen am Bier und der frischen Luft.

Es wird gesagt, dass man einmal an einem Herrentag 86 Fässer Bier ausgeschenkt habe.

Vater und Mutter hatten ihre Not, uns am frühen Abend zum Aufbruch zu bewegen.

Zwischenzeitlich wurde aus dem Ausflugsziel ein ungarisches Spezialitätenrestaurant mit dem Namen „Veczprem“. Mit Freunden und Freundinnen feierte ich hier am 8. März den Frauentag.

Nach der Wende ließ das Interesse der Hallenser an Spaziergängen durch die Heide und die Einkehr in Knolls Hütte nach.

Mit unseren Enkelkindern sind mein Mann und ich durch die Heide spaziert, haben Eicheln, Kastanien gesammelt und daraus Ketten gefädelt.

Wir kehrten in der ehemaligen Lokalität Knolls Hütte ein. Alles, selbst der Tanzsaal, war sehr marode. Nur wenigen Gästen sind wir begegnet, aber die Kastanienbäume standen noch.

Eine Windhose stürzte die morschen, vom Alter geschädigten Bäume wenig später um.

Alles wurde abgerissen, der Ort zur Baustelle.

Nach 112 Jahren ging die Ära von Knolls Hütte gänzlich zu Ende.

Keiner denkt mehr daran, dass der Kaufmann Otto Knoll 1904 auf einem Kartoffelacker diese Lokalität errichten ließ.

Für mich ist Knolls Hütte wichtiger Bestandteil meiner Kindheit, eine Erinnerung an unvergessliche, unbeschwerte Kindertage!

Haiku


Petra Taubert


antriebslos

aufgefangen

vom Abendrot


bis zum Horizont

dunkle Wolken

regenschwer


Strelitzienblüte

in orange und blau

ich lächle


selbst genäht

Stich für Stich

das neue Kleid


Brettspiel

das Smartphone

in der Tasche


Spannung

reizen, denken, stechen

beim Skatspiel


Zocker

gefesselt vom Spiel

verliert er sich