Meinungen zu Texten 2022

Liebe Dorothea Iser,



Deine Worte erfassen den Kriegs- Schrecken und die Ohnmacht, den Willen trotz der Bedrohung, auch für uns, dem Leben jeden Augenblick abzuringen, so lange es geht. Mir geben die Gedichte den Mut, nicht zu verzagen und mich zu verkriechen und dieses einzigartige Geschenk, auf der Welt zu sein, zu l e b e n, so lange es eben möglich ist..

Hier stehen die bearbeiteten Versionen Deiner Gedichte nach dem Burger Autorenkreis am 7. 3. 2022 im Benvivo in Burg. Von den Hinweisen aus der Runde sind einige aufgenommen worden, andere nicht.. Zarte Frühlingsahnungen, von Nachtkälte umwoben lenken den Blick auf die alltäglichen kleinen Wunder.



Schöne Grüße von Petra Taubert





Lieber Herbert Beesten,



Dein Text ist bereits der dritte zum Thema und jede Version beleuchtet einen anderen Punkt tiefer als in der vorher geschriebenen. Das Konstante ist das Zwiegespräch mit der Enkelin. In diesem Text finde ich die Bezeichnung ES sehr treffend. ES kann Krieg bedeuten, aber auch Hass, Spannung, Unmenschlichkeit, das sich erheben über andere Menschen (Stichwort Kolonialismus)...

Krieg ist nicht nur da, wo Bomben fallen. Nur einen Tag nach dem 24. 2. 2022 forderte ein Mann bei einem Gespräch in einer Hallenser Apotheke, dass alle Russen aus Deutschland rauszuschmeißen sind und aus den osteuropäischen Ländern auch. Wie schnell doch der Hass wieder da ist oder war er nie weg? Übergriffe gab es auch schon, selbst in meiner Heimatstadt auf ein russisch- ukrainisches Paar.

ES kann aber auch das Unbewusste bedeuten, all das Unverarbeitete, Verdrängte nach den sogenannten Urkatastrophen des 20. Jahrhunderts, im eigenen Leben, in den Leben unserer Eltern und Großeltern, das sich von Generation zu Genration überträgt, wenn es nicht wirklich verarbeitet wird. Deine Zeilen regen sehr zum Nachdenken an und zum Erspüren, wie traurig und sinnlos es ist, das ES nie aufgehört hat anzufangen.

Vor dem Hinweis auf Wikipedia würde ich schreiben:

Du findest ES im Internet oder Du kannst ES googeln unter...



Herzlich grüßt Petra Taubert





Liebe Katharina Pallas,



Deine Wasserknospe lenkt den Blick auf das Kleine im Großem und das Große im Kleinen, die Ahnung des Wachstums im natürlichen Sinne mit dem Blick auf die Vergänglichkeit des Augenblicks, die Schwerkraft wird den Tropfen nach unten ziehen und auf dem Boden zerspringen lassen. Der Text könnte noch ein wenig gestrafft werden und verlöre nicht an Tiefe, wenn wissenschaftliche Begrifflichkeit sparsamer eingesetzt würde. Von der Idee und grundlegenden Betrachtung her sagte dein Text Ralf und mir zu.



Liebe Grüße von Ralf Margraf und Petra Taubert

Meinungen zu Texten von Christa Beau



Gedanken von Annegret Winkel- Schmelz zu "Krieg" und Haiku "Bomben..."



Liebe Christa, deine Texte zur Ukraine und dem Angriffskrieg haben mich berührt. Deine bildhafte Sprache weckt Mitgefühl und Empörung. Ein Tagebuch, das wir nie hätten schreiben wollen. Deine Sätze wirken ehrlich, nah am Geschehen und heben jede Distanz auf. Ich denke, im Angesicht des Todes verbieten sich ellenlange Resonanzen. Die Texte stehen für sich. Danke.

Grüße von Anne



Petra Tauberts Gedanken zu Christa Beaus Texten 22. 4. 2022



Liebe Christa



Tief bewegt las ich in deinem Tagebuch und erfuhr vom Engangement deiner Familie sowie deinem eigenen Beitrag zur Linderung des Leids, dass jeder, so auch dieser Krieg über den Einzelnen eines Volkes bringt. Auch Ralf und mich wühlen die Nachrichten über den Krieg in der Ukraine auf, die wir nur dosiert an uns heran lassen können. Leider bringt der Angriffskrieg der russischen Armee auf ihr Nachbarland Ukraine auch immensen Hass hervor gegen alles, was russisch ist.

Gestern entfernte ich einen Aufkleber von einem Laternenpfahl, auf dem der rote Turm mit dem Stern in Moskau zu sehen war, der von Raketen oder Schwertern (so genau ist das nicht zu erkennen) getroffen, zerbricht.

Eine schwarz grau weiß Zeichnung auf grauem Grund. Darauf stand: stop any cultural cooperation with russia culture isn´t apolitical (Stoppt jede kulturelle Zusammenarbeit mit Russland. Kultur ist nicht unpolitisch.) So nicht!, dachte ich. Nein, so nicht.

Das Schüren und Nähren des Hasses hält die Kriege der Welt am Laufen, so auch den im Februar 2022 von Putin befohlenen Krieg in der Ukraine, der hoffentlich nicht zum Weltbrand wird (und es doch schon ist, betrachtet man die an den Waffenlieferungen in der Ukraine Beteiligten und die auf beiden Seiten aus unterschiedlichen Nationen Kämpfenden zum Teil freiwilligen Söldner). Ja, Kriegsverbrecher gehören auf die Anklagebank, so auch dieser.

Völkerrecht muss allerdings für alle gelten, so auch für Kriegsverbrecher aller ungerechtfertigten vökerrechtswidrigen Bombardements früherer Jahre, von denen einige auch in den USA zu finden sind. Ich fürchte, das wird so nie geschehen. Jeder Tag Krieg ist einer zu viel und kostet Menschenleben überall auf der Welt. Im Schatten des Ukraine- Krieges gibt es Drohnenangriffe  der Türkei auf Kurden in Syrien, die auch Christen und viele andere treffen. Zivilisten und Kinder werden verletzt wie in der Ukraine. Es gibt keinen sauberen Krieg, auch wenn Drohnen oder ein Wort wie "Spezialoperation" das suggerieren sollen.

Anschaulich wird das Leid des Einzelnen, das entwurzelt werden durch deine Zeilen über die ukrainischen Flüchtlinge, die bei deinem Neffen und dir Obdach und Menschlichkeit fanden. Deine ersten Tagebuchzeilen zum offiziellen Ausbruch des Krieges, der schon acht Jahre schwelte, lassen eigene Gedanken zum 24. 4. 2022 und nachfolgender Tage nach oben kommen. Da waren Verunsicherung, Todesangst, Ohnmacht, Ausgeliefert sein und erstmal Sprachlosigkeit.

Die Bedrohung durch Vernichtungs- Waffenarsenale war ja nie weg, nur gut verdrängt aus den alltäglichen Befindlichkeiten. Die bestehenden Atommächte (Russland, USA, Indien, Pakistan, China, Nordkorea, Israel) rüsteteten nicht weiter ab. Die Anzahl der Atomsprengköpfe weltweit und selbst nur einer Atommacht reicht zum mehrfachen Auslöschen der Menschheit. Zur Sprache, auch zur schriftlichen fand ich wieder.

So versuchen Ralf und ich unseren Alltag so gut wie möglich zu gestalten und nicht ständig daran zu denken, was passieren könnte, um überhaupt weiter leben trotz der Bedrohung, schreiben, ja auch manchmal lachen zu können, um die Kräfte nicht zu verlieren, mitfühlen zu können und handlungfähig zu bleiben.



Dein Text regte mich neben Erfahrungsberichten ukrainischer Frauen aus Dokumentarfilmen zu folgenden Zeilen an:





Nach dem Angriff



Zwischen Trümmern und Trauer

suchen nach etwas zum Essen oder Trinken,

die Tränen schlucken, damit die Kinder denken,

es ist nur ein Abenteuer im U- Bahn- Tunnel.

Weiter hoffen - gefangen im jetzt,

wurzellos und ohne Flügel.



Kein Krieg war jemals gerecht

und sauber schon gar nicht.

Präzises Zielen, das Wehrlose trifft,

auf der Straße oder im Schutzraum,

der auch zur Falle werden kann.

Mütter und Ehefrauen, Großmütter

in Angst um ihre Lieben

und ihr Leben.



Keine Gnade kennen Eroberer.

Das erlaubte Morden

von Soldaten des Gegners,

das permanente Raketen

und Bomben werfen, das Schießen

weckt die Bestie in Kriegern,
deren Menschsein fällt

auf dem Altar des Schlachtfelds

moderner Technik zum Töten.



P.T. 22. 04 2022



Viel kürzer, als mit meinen vielen Worten, bringt dein Haiku, der mit "Bomben" beginnt, das Grauen des Krieges auf den Punkt.

"Die Zeit in eine Socke stricken" empfinde ich als tolles Bild positiv genutzter Wartezeit beim Arzt oder in einem Amt. Lachen musste ich über den genialen Einfall des Kurztextes über den Mann, der mit seinem Hut um die Wette rennt, ein passendes Bild für die erlebten Frühlingsstürme.

Froh stimmen mich die Märchen, in denen du dich findest. Die Zeilen erinnern mich an unsere Sommer- Haiku- Runde im Garten von Thea Philipps, als ich das Werk im Entstehungsprozess sah und an deine Geschichte mit dem Fisch, der anders war, erst von anderen Fischen verlacht und dann besonders, gar zum Retter, wurde für seinen Fischschwarm. Im ersten Corona- Jahr stand das Märchen auf einer der Pelikan- Textseiten. Schreiben kann helfen, ungeahnte Seiten an sich zu entdecken. Vielen Dank für deine Texte, liebe Christa und schöne Grüße von Ralf und Petra