Mai Neues in Bild und Text

Rolf Winkler

Flugunwesen


Das Flugwesen, es entwickelt sich. Das ist bei Michael Soschtschenko zu lesen, ist zu hören, von Manfred Krug vorgetragen.

Es entwickelt sich hin zum Stillstand. Die Umstände sind halt so.

Und doch, gestern Abend sehe ich gleich hinterm Wald etwas aufsteigen, der untergehenden Sonne entgegen, riesig, elegant. Eine Concorde? Die ist bereits vor zwanzig Jahren aus dem Verkehr gezogen worden. Und nun steigt sie dahinten auf, lautlos, direkt vor meinen Augen?

Ich glaube es nicht. Ich nehme die Kamera. Soll ich der glauben?

Rolf Winkler

Höllenhunde


„Du musst nicht an einem Tag fertig werden“, versuchst du mich zu trösten.

Der Kompost muss umgesetzt werden. Eine Aufgabe für das Frühjahr. Jedes Jahr neu. Der fertige kommt nach draußen, der halbfertige in die nunmehr leere Kammer, das in der letzten Periode angesammelte in die mittlere. Eine lästige Arbeit, schiebe ich immer wieder vor mich hin. Vom Januar in den Februar, vom März in den April. Der Nachbar ist schon lange fertig. Präsentiert hinterm Zaun einen großen Haufen gesiebten Kompost.

Jetzt muss es sein. Ich fange an. Der Kompost lässt sich leicht mit der Schaufel bewegen. Ein Kinderspiel. Dann Widerstand. Die Walnuss hatte ihre Wurzeln zum Kompost geleitet. Hatte genügend Zeit dafür. Ich muss mit dem Spaten nachhelfen. Später geht es nur noch mit der Forke.

Ach, hätte ich doch im Februar begonnen! Da schien die Sonne noch nicht so heiß. Erschöpft stelle ich die Forke zur Seite, schließe die Augen. Da sehe ich sie. Vor mir stehen zwei Höllenhunde. Mahnen mich. Still, geduldig, unerbittlich. Sie treiben mich nicht an. Stehen einfach nur da. Nicht unfreundlich.

Du bringst mir ein Glas Brennnesseltee.