Interkulturelle Woche

Weltsichten - Klangwelten

Jeder Mensch trägt in sich eine Welt, die sich aus allem zusammensetzt, was er gesehen und geliebt hat, und in die er immer wieder zurückkehrt, selbst wenn er eine fremde Welt durchstreift." - NapoléonIII.

Petra Taubert

Workshop zu Klangwelten/ Weltklang

25. September 2019 in der Stadtbibliothek "Brigitte Reimann" Burg

 

Dorothea Iser und Steffi Obieglo eröffneten den Begegnungsworkshop zu unterschiedlichen Sichten gemeinsam, eine Projektveranstaltung zur interkulturellen Woche. Mit Zitaten, die ihre Anregungen untermalten, stimmte Dorothea Iser auf die kommenden Stunden ein. Unter anderem das Zitat: Wer möchte, dass die Welt so bleibt wie sie ist, möchte nicht, dass sie bleibt. Veränderung der Welt muss nicht im Fluch enden, kann unsere Chance sein.

Sie sprach über die Verbundenheit des Menschen mit seinem Inneren und seiner Umgebung, sowie dem Universum. Weltsichten und Weltbilder sind so unterschiedlich wie wir Menschen.

Das erste Lesetrio, die Jugendlichen aus Afghanistan, wurde vorgestellt.

Zuerst spielte Ehsan Yavari Dambora. Nach dem kurzen Musikstück las Ahmad Akrami : Ein Gedanke ist kein Wesen oder. Dorothea Iser untermalte mit einem Zitat von Platon: Denken ist nichts als lautloses Sprechen.

Hussain Saberi las seine Geschichte über den hungrigen Bauch. Edel Schimansky setzte die Veranstaltung mit rapartigem Kanon-Versuch fort. Sie schaffte es, alle zum Mittun zu bewegen. Die Teilnehmer bekamen unterschiedliche Texte und sollten sich nicht von den gerufenen/ gerappten Texten der anderen irritieren lassen. Eine erfrischende Aufgabe für Geist und Körper. Sie und Thurid Winkler hatten vorher kleine Percussion-Instrumente, teils selbst gebaut, verteilt. Die Worte sollten rhythmisch begleitet werden und es machte sichtlich allen Spaß.

Nach diesen Einblicken in eine andere Welt führten uns die von Lutz Sehmisch gelesenen Texte in eine andere Zeit. Ergriffen hörten alle Teilnehmer seinen Ausführungen über Erfahrungen mit der Staatssicherheit zu. Am schlimmsten war, als er nach der Wende erfuhr, dass seine eigene Frau ihn bespitzelte. In seinem Buch "Hölle ohne Himmel" hat Lutz diese schlimmen Kapitel seines Lebens verarbeitet.

Rolf Winker, der eigentlich kurze Texte mag, las eine Prosabetrachtung über die Inflation in der Fotografie, die mit dem eigentlich künstlerischen Vorgang, dem Erspüren des besonderen Augenblicks nicht mehr viel zu tun hat.

In der Pause könnten sich die Workshop-Teilnehmer bei einem kleinen Imbiss stärken. Viele kamen miteinander ins Gespräch.

Die Podiumsdiskussion begann im Anschluss mit den drei Jugendlichen aus Afghanistan. Das war sehr berührend. Hussain schilderte, dass er in Afghanistan ein super Abitur geschafft hat, es knickt ihn, dass er hier so schlechte Noten hat. Ehsan sagte, dass es ums blanke Überleben geht, nicht mal mehr um Grundbedürfnisse wie Wohnung und Kleidung. Dort ist das Leben ständig in Gefahr. Es gibt viele Kriegsparteien. Keiner weiß, wer vor wem sicher ist. Schließlich können auch die Schutzmächte mal eine Situation falsch einschätzen oder die Terroristen. Auch Ahmad sieht sich als Kriegskind. Das waren heftige Bekenntnisse. Am meisten Hilfe braucht wohl Hussain, der von Alpträumen und Schuldgefühlen gequält wird. Ehsan berichtete, dass er  malt und Ausstellungen im Umkreis von Burg hat. Als Abschluss, sangen alle drei Lieder aus ihrer Heimat. Am textsichersten war Hussain und überraschte alle mit seinen bisher unbekannten Fähigkeiten. Ahmad war der Rapper; diesmal ohne Beatbox. Es klang auch so gut. Ehsan sagte bei der Verabschiedung er hoffe, es war nicht die letzte Begegnung hier. Es war ein Nachmittag voller Spannung und Emotionen, der hoffnungsvoll stimmte.


Ahmad Akrami, Hussain Saberi, Eshan Yavari, Lutz Sehmisch, Edel Schimansky und Rolf Winkler(v. l. n. r.)