Grüße zum Fest

Sigrid Lindenblatt

Weihnachten 2019

  1. Dezember 2019

 

 

Die Zeit - die Zeit …

Sie rennt … meine Zeit …

Wo ist sie wieder geblieben …

Rückblickend war es für mich ein gutes Jahr …

Ich habe mir viele Wünsche erfüllen können,

die meisten materieller Art, aber lang ersehnte Träume.

Manche waren notwendig geworden …

Und so eilte das Jahr mit seinen Tagen, Wochen und Monaten dahin.

Oft hatte ich das Gefühl, die Zeit festhalten zu müssen,

aber das gelang mir nicht.

Mitte November begann ich mich gedanklich auf Weihnachten vor zu bereiten.

Es gab noch so viele Termine und dann die massenhafte Weihnachtspost.

Ich spürte, wie mir das täglich mehr Kraft kostete.

Aber es sollte alles perfekt sein und ich freute mich auf die Adventszeit,

in der vor allem so nach und nach die Termine abnahmen und ich träumte von einer besinnlichen Zeit bei Kerzenschein.

Dann wurde mein Arbeitseifer durch Schnupfen und Husten ausgebremst.

Einige Tage verbrachte ich nur noch mit schlafen, aber es half nichts.

Als sich dann durch den Husten auch noch Herzschmerzen einstellten, beschloss ich in die Notaufnahme zu gehen.

Innerhalb von zwei Stunden befand ich mich auf Station im EKH.

Mein Herz war zum Glück ohne Befund und ich fühlte mich erst mal behütet.

Am nächsten Tag wurden weitere Untersuchungen durchgeführt. Auch die Lunge war in Ordnung und so wurde ich am dritten Tag wieder entlassen.

Meine Erkältung musste ich nun zu Hause weiter auskurieren.

Weihnachten konnte ich zu Hause verbringen, aber da ich mich immer noch schwach fühlte, verbrachte ich die meiste Zeit auf der Couch und vor dem Fernseher.

Mein Gewissen plagt mich, weil nun wiederum so vieles liegen geblieben ist, was mit ins neue Jahr muss.

 

 

Neues Leben erweckt

 

Was für ein Gefühl

Kraft kehrt zurück

Fließt durch den Körper

 

Ein neues Lebensgefühl

für 2020,

verbunden mit guten Wünschen für alle, die auf diese Seite schauen.

Ingrid Gäde

Katharina Pallas

Epilog- Prolog

oderVorsätze, Nachsätze, Gedanken zum Jahreswechsel 2019/ 2020

 

Der Januar ist als erster Monat des Jahres nach Janus, dem römischen Gott der Türen und des Anfangs benannt. In bildlichen Darstellungen blickt der Januskopf mit zwei Gesichtern in entgegengesetzte Richtungen und steht damit als Symbol für Zwiespältiges, scheinbar Widersprüchliches (Duden, Deutsches Universalwörterbuch, 2. Auflage, Dudenverlag Mannheim Wien Zürich, 1989).

 

Diese Doppelgesichtigkeit ist mir selten so bewusst geworden wie beim jetzigen Jahreswechsel. Die beiden, nur auf den ersten Blick gegensätzlich erscheinenden Seiten, ergänzen sich erst zu einem sinngebenden Ganzen, wie These und Antithese in der Synthese.

 

Alte Türen schließen sich, neue Türen gehen auf. Die Ruhe und Besinnlichkeit der kürzesten Tage und längsten Nächte, naturgegeben im Jahresverlauf, lässt des Gewesene verinnerlichen, reflektieren, Bilanz ziehen. Aber auch das Kommende wird überdacht, Zukünftiges ausgemalt und projiziert. Und wie in jedem Jahr ist jetzt die Zeit für gute Vorsätze in der Hoffnung, man könne auf das Schicksal Einfluss nehmen, wenn man sich, gleich welcher Art „selbstoptimiert“. Darin spiegelt sich das zutiefst menschliche Verlangen nach Ermächtigung wider, der Wunsch, sich gegen die kosmischen Gewalten, Prometheus gleich zu behaupten und seine Geschicke selbst in die Hand zu nehmen. - Aber liegt es denn in unserer Hand? Die derzeitigen gesellschaftlichen Verhältnisse ordnen der Vorsätzlichkeit eine reale Verantwortung zu; ist eine Straftat vorsätzlich begangen, wird oft eine besonders schwere Schuld zugesprochen. - Oder ist jede Einflussnahme durch willentliche menschliche Entscheidung nur Illusion?

 

Der Jahreswechsel - nur ein von Menschen gesetztes Datum, eine beliebige Markierung im Zeitenlauf? - Oder Ausdruck unabdingbarer höherer kosmischer Gesetzmäßigkeiten, denen wir alle unterliegen, deren maßgeblichen Einfluss wir aber nur zu gerne ausblenden, wenn wir uns mit unseren alltäglichen, sehr perönlichen Problemen und Sichtweisen auseinandersetzen?

 

Das alte Jahr schließt seine Türen. Die Aufwirbelung der Ereignisse, des Erlebten, setzt sich allmählich, wohlgeordnet geschichtet nach dem spezifischen Gewicht, der Dichte. Wie auch in der Physik wiegt im menschlichen Bewusstsein Besonderes, nachhaltig Prägendes schwerer, setzt sich in die tiefsten Schichten ab, die sicher verwahrt lange erhalten bleiben und als solider „Bodensatz“ grundlegend unser Denken und Handeln bestimmen, und das oft in einer Weise, die uns selbst unbewusst bleibt.

 

Im letzten Jahr habe ich eine Freundin verloren, die mir seit der dritten Klasse eine enge Wegbegleiterin war. Sie wurde schon seit längerem aufgrund ihrer Krebserkrankung palliativ versorgt. Wir haben wertvolle Zeit miteinander verbracht, gute Gespräche geführt. Ich konnte vieles für mich klären. Carolin war eine authentische Zeugin meiner Kindheit und Jugend. Durch ihrer Betrachtungsweise der Dinge konnte ich Erlebtes einordnen, aber auch einige entscheidende Perspektivwechsel vornehmen; so wurde manch Biografisches in einem anderen Licht sichtbar und scheinbar unumstößlich „Festgefahrenes“ dadurch relativiert.

 

Ich bin sehr dankbar für diese Stunden mit Carolin, obwohl ich manchmal an meine Grenzen geführt wurde. Diese Stunden wirken nach, sind mir präsent, helfen mir.

 

Letztendlich haben mich die Erfahrungen mit Carolin veranlasst, mich neu zu positionieren. Im Bewusstsein meiner eigenen Endlichkeit, habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie ich künftig leben möchte, wo ich Prioritäten setzen werde und was mir wirklich wichtig ist.

 

Und sehr wichtig scheint mir dabei, dass ich mir regelmäßig Auszeiten nehme, um mich zurückzuziehen, quasi in Klausur zu gehen. Etwas Ähnliches praktiziere ich schon seit langen während meiner psychotischen Akutphasen, in denen ich meinen Aktionsradius minimiere – und das ist nicht nur örtlich zu verstehen. Ich bleibe weitestgehend in meiner Wohnung, durchlaufe eine Katharsis, meine Alltagstätigkeiten sind auf das Notwendigste beschränkt - „es“ arbeitet in mir. Befreit vom blinden, oft sinnlosen Aktionismus ist es mir dann möglich, Bestandsaufnahmen, aber auch Vorhaben und Neuorientierung zu erarbeiten und so im Ergebnis Klärung zu finden. Diesen Prozess erlebe ich als sehr chaotisch. Fast unerträglich „bombardieren“ mich erlebte Eindrücke, okkupieren mich Zukunftsszenarien. Beides immer wieder neu ausgemalt bis ins letzte Detail.

 

Jüngst erhielt ich via Internet eine Meldung über sogenanntes „Dopaminfasten“, einen neuen Trend aus den Staaten, entwickelt von einem Psychologieprofessor aus San Francisco und im breiteren Maßstab erprobt im Silicon – Valley. Dabei wird für eine bestimmte Zeit eine totale Reizabschirmung angestrebt. - Nun, man kann es übertreiben, modisch betiteln und ins Extrem führen. - Das wäre wohl kein ernst gemeinter Vorsatz für 2020!

 

Einkehr und Besinnung in Form von Fasten findet sich als festes Ritual in fast allen Weltkulturen in den verschiedensten Facetten. Wir haben uns nur zu gut eingerichtet in unserer modernen Zivilisation mit ihren allgegenwärtigen Bequemlichkeiten, die uns einerseits liebgeworden, die andererseits auch die Gefahr mit sich bringen, uns Menschen schrittweise und kaum merklich zu entmachten. Bewusster Verzicht auf diese überbordenden Gelegenheiten, oder zumindest eine begrenzte zweckfokussierte Begrenzung all des Machbaren führe daher vordergründig zum Innehalten – und letztlich zur Reife und echtem Gewinn.