Das besondere Foto

Das besondere Foto

Fotograf: Rolf Winkler

Wer versucht, einen Text zu finden, der die Stimmung des Fotos trifft? Ihr kennt das Spiel.

Rolf Winkler

Ankunft in der Nacht

 

Du wolltest mich abholen,

hattest Zug und Zeit ausgewählt.

Wie dich finden in der fremden Stadt?

Kenne nur deinen Kosenamen

und die braunen Augen,

die mich aufgesaugt.

Ich warte,

warte auf den Zug,

der mich zurückbringt

in meine Einsamkeit.

Ulrich Nockur

Dornenkrone

 

lch sehe eine „Dornenkrone“, ein Bild, das in die Passionszeit passt. In einem Lied, was ich kenne, heißt es in einer Strophe: „Schon bald führt ein Gebot, dich zur Not und zum bitteren

Kreuzestod. Darum schlafe, noch ist Frieden Himmelssohn,

schlafe Du im Stall hienieden.“

 

Wir sind bis heute aufdiese Vergebung angewiesen. Was unser Herr Jesus Christus da an Not, Schmerzen, Spott und Beschimpfungen auf sich genommen hat, um uns von unserer

Last zu befreien, ist für uns schwer vorstellbar. Ich erinnere mich:

 

1999 machten wir eine Reise nach Jerusalem. Wir standen vor dem Hügel Golgatha, dem See Genezareth, dem Ort Gethsemane, wo Christus am Abend vor seiner Kreuzigung betete, bevor ihn Judas lskariot verriet und standen vor seinem Felsengrab. Mit vielen Besichtigungen war es eine Reise in die Geschichte des Christentums, von der wir lange beeindruckt waren.

 

Einfach ein Bild, so viel Erinnerungen hat es in mir ausgelöst.

 

Danke!

Steffi Obieglo

Am Bahnsteig


Züge rauschen vorbei

wie die Zeit.

Manche halten

kurz

die Zeit

nicht!

 

 

 

Warten

Ich bin zu spät,

mein Zug ist abgefahren.

Immer wieder

streift mich

ein kalter Wind, 

der mich

aufs Neue

frösteln lässt.

Christa Beau

Haiku


endlich
aus der letzten bahn
steigt dein Lächeln

Sigrid Lindenblatt

Zerstreutheit

 

Ich stehe da …

und weiß nicht

was ich

hier wollte.

 

Ruck zuck …

die Nummer eins?

Die muss ich nicht

mehr sein!

 

Ordne

meine Gedanken

und gehe

meinen Weg.

Petra Taubert


Zug schon abgefahren

Alles für die Katz und Mann

warten am Bahnsteig

Brigitte Pagendamm

Assoziation


Am Bahnhof der Möglichkeiten

warte ich

nicht länger

auf den richtigen Zug.

 

Den Rucksack geschultert

verlasse ich

den Bahnhof der Möglichkeiten

und gehe meinen Weg

doch besser zu Fuß.

Kristin Rös


März


Graffiti machen

meine Stadt und

Lichter und

ich:

auf dem Weg.

Lutz Sehmisch

Zwischenstopp

      

Mein Weg durchs Leben

oft verschwommen.

Weiß nicht woher und wohin,

kein Fahrplan,

höre auf mein Herz

… und weiter geht`s.

Annegret Winkel-Schmelz

rushhour  


  

immer eile

ohne weile

 

keine zeit

für zweisamkeit

 

rauscht vorbei

wie einerlei

 

bin zerrissen

und aufgerissen

 

komm zurück

mein glück

 

eine pause

zu hause

 

wieder raus

uns voraus

 

wir zwei

ohne raserei

 

Petra Taubert

Hilfe, nicht losfahren

 

Meine Großmutter und mein Onkel waren mit meinen Eltern in den Achtzigern in den Urlaub nach Glindow gereist. Sie hatten dort ein Bungalow gemietet. Natürlich fuhren sie mit dem Zug dorthin. Von beiden bekamen wir auch sonst oft Besuch. Meist genossen Mutter, Vater, Onkel und Großmutter das Leben am See oder wanderten in der näheren Umgebung.

Manchmal unternahmen alle gemeinsam Ausflüge in der näheren Umgebung, auch nach Potsdam, mit der Eisenbahn. Meine Großmutter war sehr klein. An einem solchen Ausflugstag rutschte Grußmutter beim Aussteigen zwischen Zug und Bahnsteig, weil die Lücke so groß war. Meine Mutter schrie laut und deutete auf den Unglücksort.  Die Zugbegleiterin hatte schon die Kelle gehoben, da der Zug weiter fahren sollte. Endlich bekam sie es mit und gab dem Lokführer Bescheid. Mit vereinter Kraft zogen und hoben meine Eltern Großmutter nach oben. Sie hatte nur ein paar Schürfwunden und ihre Strumpfhosen waren kaputt. Sonst ging es ihr gut. Mein Onkel regte sich über diesen Unfall ganz schön auf. Nicht auszudenken, wenn keiner die Schreie meiner Mutter ernst genommen hätte. Meine Großmutter wurde Zweiundneunzigeinhalb Jahre alt.

Steffi Obieglo

Nach Oben


Alles Leben reckt sich,

wendet das Gesicht zum Licht

nach langem grauen Winter.

 

Stilisiert


aus Edelstahl

die Halme

Der Rosen – Pavillon

wird bald schon

seine Arme öffnen

zum Verweilen

und Genießen,

was der Frühling

uns

an Farbenpracht und Licht

zu schenken weiß.

Theodor Schauerhammer

Ein Fußballspiel


Was ist da passiert? Ich weiß es.

Wenn man gewinnen will, muß man Tore schießen. Eigentlich soll der Torwart den Ball halten. Aber wo ist der Torwart? Hat der Angst gekriegt, als ein scharfer Schuss kam und ist in Deckung gegangen? Nun ist das Netz im Tor kaputt. Kriegt jetzt der Torwart Ärger?

 

Das schöne Bild


Ein schönes Bild. Da ist ein kleines Kunstwerk drauf. Wenn man da richtig hinguckt, dann sieht man, dass da kleine Stöckchen drauf sind. Da hat jemand im Park kleine Holzstöckchen gesucht, dann hat er sie sortiert und hat ein Muster damit gelegt. Richtig schön sieht das aus. Das versuche ich auch mal. Vielleicht hilft Oma mir dabei.

Lutz Sehmisch


kein Halten

schutzlos falle ich

ins Endlose




Rolf Winkler



nach rechts nach links
nur entweder oder
kein sowohl als auch
vielleicht weder noch

Christa Beau

Wege


muss man gehen

seine eigene Welt bestehen

Risse auf den Pfaden

in die Haut sich graben

den Wegesrand beschauen

und der eignen Kraft vertrauen

 

annehmen das bunte Leben

Träume in den Himmel weben

dorothea iser

partnersuche

 

der weg lädt ein

öffnet mir seine flügel

ich muss mich entscheiden

für den linken oder rechten

wohin ich auch will

fliegen kann ich nur mit beiden

Sigrid Lindenblatt

Weggabelung


Ein neues Jahr beginnt

Zeigt mir zwei Wege auf 


Gehe ich rechts oder links

Was wird es mir bringen 


Stress wie alle Jahre

Oder Achtsamkeit 


Nehme ich die Mitte

Werde ich vielleicht ausgebremst

Petra Taubert

Entwicklung

(zum 10 jährigen Abstinenzjubiläum)

 

Gefangen

im Konsum

berauscht

beherrscht

getarnt.

 

Absturz hieß

frei im Fall

aufschlagen

ausweglos

überleben.

 

Hilfe zulassen

erkennen

erfahren

erlernen

erheben.

 

Käfig verlassen

fliegen und landen

im Rausch der Freude

ohne Mittel

das abhängig macht.

Rolf Winkler

Von der Schönheit

Ein Blick nach oben
lässt mich vergessen,
dass ich gefangen bin
in einem Käfig.

 


 

Thurid Winkler

Sag mir, wo die Rosen sind

 

In meinem Rosengarten

halten Felsgestein und Kiesel

das Rankengitter fest.

 

Wo sind die Rosen hin

die Bienen, die Schmetterlinge, die Vögel?

Sag mir, wo die Menschen sind.

 

Christa Beau

Gesprengt


Gesprengt

die Fesseln

einer langen Nacht.

Klirrend abgefallen,

was einst quälte.

Hebe nun die Stirn ins Licht,

in die Weite des Himmels.

Ruhig rauscht längst in den Adern

das warme Lied

der Liebe und Versöhnung.

dorothea iser

freiheit

 

ich finde

die lösung meiner probleme

in der öffnung

sie befreit aus der enge

nimmt mir meinen schutz

das ist der preis

Annegret Winkel-Schmelz

basketball

 

spieler:
dribbelt, wirft – hinein ins netz

punkte

 

gegenspieler:

dribbelt, wirft – hinein ins netz

wieder punkte

 

beide mannschaften:

kämpfen, um ball in korb zu bringen

hin und her

her und hin

auf dem spielfeld

 

endspiel

spielende

Sigrid Lindenblatt  

Aufbruch

 

Aufgebrochen sind

die Zwänge

der alten Technik

 

Einfühlsam

nähere ich mich

dem Unbekannten

 

Bin glücklich

wenn meine Befürchtungen

ausbleiben

 

Theodor Schauerhammer

Im Park

 

Das ist eine ganz alte Treppe. Die ist bestimmt in einem Park, sie führt den Berg hoch. Da oben ist ein Springbrunnen und plätschert.

Ich höre das richtig!

Schade, dass man den Brunnen nicht sehen kann, aber vielleicht ist er auf dem nächsten Foto. Das würde mir gefallen!

Ulrich Nockur

Gedanken zum Januarfoto


Eine Straße gabelt sich, die rechte Seite ist durch einen Riss im Asphalt beschädigt. Ich erinnere mich, In der Bibel lesen wir: Der Weg der ins Verderben führt ist breit und bequem.

Die Pforte ist eng und der Weg ist schlecht, der zur eigenen Freude führt. Ich glaube, es lohnt sich diesen Weg zu gehen und Mühen auf sich zu nehmen um am Ende die eigene Freude zu erfahren!

Petra Taubert

Wegfragen

 

Welcher Weg ist der richtige?

Ich denke nach.

Laufe ich zurück

und gehe nochmal los?

Folge ich dem Pfeil in der Mitte,

den die sacht begrünten Spitzen weisen?

 

Führt der eine oder der andere

Weg links oder rechts davon

mich zum Ziel?

Ich weiß es nicht.

Erfahren werde ich

die Antwort nur beim Gehen.

 

Du hast es nur noch nicht probiert,

klingt in mir von Gerhard Schöne.

So beschwingt laufe ich los,

probiere einen Weg,

für den der Rahmen des Bildes

zu klein ist.

Annegret Winkel-Schmelz

willkommen

 

du musst dich nicht entscheiden

ob links oder rechts entlang

deine füße haben dich

 

zu uns geführt

 

in unserer mitte

kannst du

deine sprossen erklimmen

Kristin Rös

Januar

 

wie ein boot liegst du mir da:

asphalt!

mit rissen

und ach

aufgelaufen.

Rolf Winkler

Das Leben ein Traum

Ich träume von einem weißen Raum.
Auf einer Bank lauscht ein Mann
dem Klang der Orgel.

Erwacht aus dem Traum
sitze ich auf der Bank in dem weißen Raum,
lausche dem Klang der Orgel.

Petra Taubert

Versunken im Gebet


Leer ist die Kirche

Ich bete innig

und denke an dich.

Musik umspült mich

und meine Gedanken,

bis ich fliegen kann

und Engel mir

begegnen

auf meinem Weg

zu dir.



Haiku- Versuch

 

Zauberer im Raum

Eintauchen in die Tiefe

virtuoser Klangwelt


Sigrid Lindenblatt

Schneeweiße Kirche 


Weiß wie Schnee und so steril

Da wo ich mich eingeladen fühlen sollte,

spüre ich Kälte 


Unwirklich 


Mir fehlt Wärme und

Zuwendung



Klarheit 


Klare Linien

und Strukturen  


Schlicht und

bescheiden 


Anspruchslose Gestaltung

wirkt stimmig



 

Stefanie Obieglo

Andacht


Auf leeren Bänken ertrinke ich

suche nach Verlorenem

in der Weihnachtszeit.

 


Christa Beau

Haiku


Orgelkonzert
zwischen Hören und Sehen
das Spiel der Finger


dorothea iser

moderne

 

unerbittlich weiß

ist der raum

ohne glanz in den augen

keine falte im gesicht

nur streng

ein wenig selbstgerecht

und menschenleer