Neue Texte Folge 4

Stefanie Obieglo

Reisen

Materialsammlung


Als Kind habe ich immer von fremden Ländern geträumt. Wenn wir auf Rügen waren und im Saßnitzer Hafen die Fähre nach Trelleborg ablegte, wäre ich gern mitgefahren, nur um zu sehen wie es in Schweden aussieht.


Manchmal, wenn ich abends am Strand war und die Wolken am Horizont Grimassen schnitten, dachte ich, etwas auf der anderen Seite sehen zu können. Zuweilen waren es Schiffe, die zuerst mit ihrem Bug und dann als winzige Schiffe wahrnehmbar waren. Über die Erdkrümmung dachte ich damals noch nicht nach.


Als ich 16 war, machten meine Eltern das erste Mal Urlaub im Ausland. Ungarn - 3 Wochen Balaton. Geld war knapp, weil es einen Umtauschkurs gab. Mein Vater dachte immer wenn wir beim Einkaufen 100 Forint bezahlen mussten, dass es 100 Mark waren und wir mit dem Geld für die 3 Wochen nicht klarkommen würden. Aber wir kamen.


Wenn wir Ausflüge mit dem Zug machten nach Siofok oder Budapest, behaupteten wir immer, man hätte und in unserer Heimat gesagt, die Fahrkarte gelte universell. Meist sind wir damit durchgekommen, nur einmal nicht. Da kamen wir von Budapest zurück. Der Schaffner redete mit mir Englisch und nach der 3. Erklärung bat ich meine Mutter die Fahrkarten zu bezahlen – ohne Strafgebühr, weil ich mich nicht mehr länger dumm stellen konnte und natürlich längst alles verstanden hatte, was er mir zu sagen versuchte.


Zu meinem Abitur schenkte mir meine Oma eine Reise nach Prag. Das war toll! Ich das erste Mal allein auf Tour und dann im Ausland.


Im Studium gab es die Möglichkeit nach Kiew mit Aufenthalt in Moskau und Leningrad. Ich bewarb mich und es klappte. Mein Russisch war nicht so gut, aber irgendwie sind wir klargekommen. Wir hatten ja unseren Pawel, der uns mit anderen Studenten abwechselnd betreute. Für die Kiewer Studenten war Prüfungszeit. Trotzdem war immer jemand für uns da und wir hatten Bildungsprogramm en gross. 


Einmal sollten wir in irgendein Museum, aber das war geschlossen. Unser Pawel, der sonst im weißen Hemd und Anzug die Korrektheit in Person verkörperte, machte einen Luftsprung, deutete uns an eine halbe Stunde hier zu warten. Als er zurück kam, erkannten wir ihn kaum wieder. Mit buntem Hemd, Kniehose, Tschapka und Sandalen sah er aus, als wolle er Angeln gehen. Wir verbrachten einen wunderschönen Tag am Dnjepr.


Jahre später, ich war schon Lehrerin in Gerwisch, hatte ich Gelegenheit mit einer Studentengruppe nach Bzenec zu fahren, einer kleinen Stadt in der CSSR -  2 Wochen arbeiten, 1 Woche touristische Unternehmungen.


Natürlich gab es auch abends manchmal Programm. Wir besuchten einen Weinkeller. Meinen Sohn hatte ich mitgenommen. Hinter meinem Rücken gaben die Studenten ihm auch den Wein zum Probieren. Draußen waren 30 Grad und als wir den Weinkeller verließen, kicherte er über alles Mögliche. Da war mir klar, was passiert war.


Unser Dirk, einziger Mann in der Studententruppe, hatte so viel Wein probiert, dass er auf dem Rückweg ins Studentenwohnheim eine Abkürzung nehmen wollte.


Am anderen Morgen um 5.00 Uhr klingelte er am Wohnheim völlig verdreckt. Pünktlich um 6 stand er aber an der Maschine. Die Frauen im Werk hatten Mitleid mit ihm und haben seine Arbeit mitgemacht. Auf ein paar Säcken hinter den Maschinen konnte er seinen Restrausch ausschlafen.

Mittags war er dann wieder zu gebrauchen.


Meine erste Ostseetour nach der Grenzöffnung nutzte ich, endlich nach Trelleborg zu kommen.


In Saßnitz auf die Fähre und dann über die Ostsee nach Trelleborg, die Erfüllung meiner Kinderträume.


Mehrere Stunden wandelte ich durch Trelleborg, ging in ein Café und bestellte. Was ich nicht wusste war, dass nur der erste Kaffee zu bezahlen war und man sich dann den Kaffee selbst, der dort auf einer Heizplatte stand, nehmen konnte.


Trelleborg gefiel mir, klein und gemütlich – zumindest das, was ich mir in der Kürze der Zeit ansehen konnte.

Die Rücktour mit der Fähre wurde problematisch. Ein Sturm war aufgekommen und Fähren wurden gestrichen, auch die mit der ich zurückfahren sollte. Irgendwann gegen 22 Uhr wagte eine Fähre dann doch noch die Überfahrt. Es schunkelte ganz schön auf dem Kahn. Das Tragflächenboot mit dem es eigentlich zurückgehen sollte, konnte bei dem Sturm nicht in See stechen.

Weit nach Mitternacht erreichten wir Saßnitz wieder.


Jahre später habe ich die Tour noch einmal gemacht, und Trelleborg war der Globalisierung zum Opfer gefallen. Das hübsche kleine Kaffee geschlossen und viele andere Örtlichkeiten verwaist.


Das Reisefieber hat mich nie losgelassen, ob mit Zug, Bus oder Flugzeug - Frankreich, Dänemark, Niederlande, Belgien, England,  Mallorca, Slowakei, viele Male Prag, Ägypten, Israel, Griechenland, Island, Senegal und Namibia habe ich gesehen.


Noch immer bin ich des Reisens nicht müde. Manches auf dieser Welt zwischen Euphrat und Tigris hätte ich gern gesehen, was heute in Schutt und Asche liegt.


Im Februar noch konnte ich noch einmal Israel von den Golanhöhen bis nach Eilat durchqueren, Griechenland war für den Herbst geplant und im August steht der obligatorische Rügen-Enkelkinder-Urlaub auf der Agenda.


Wer weiß, was damit wird.


Ab Montag gehe ich in Kurzarbeit.

 



Friedhold Taut

In CORONA-Zeiten auf dem Dorf

 

Wir leben auf dem Land. Gehören zur Risikogruppe der Alten, sind aber privilegiert:

Wir werden nicht auf Teilzeit gesetzt und müssen nicht als Busfahrer, Pfleger,

Verkäuferin oder Postbote systemrelevant arbeiten und uns der Gefahr der An-

steckung aussetzen. Immer mal denken wir an das schöne BLÜMsche Wort von der Sicherheit der deutschen Renten. Wahrscheinlich muss nicht einmal die jetzt bevor-

stehende nächste Erhöhung gestrichen werden. Ja, im Vergleich zu vielen anderen Menschen sind wir gut dran.

 

Mit der täglichen Zeitung und ein paar Nachrichtensendungen fühlen wir uns ausreichend informiert. Wir brauchen nicht die um Aufmerksamkeit buhlenden Schlaumeier aus den Tiefen des Internets und der sozialen Medien. Das hängt auch damit zusammen, dass wir nur über medizinisches Alltagswissen verfügen. Unser Leben steht wegen CORONA nicht auf dem Kopf. Zumindest nicht bis zum heutigen dritten Osterfeiertag.

 

Gegen sieben stehen wir auf. Falls das einen Leser interessiert. Um halb fünf muss ich nicht das Schlafzimmerfenster schließen, weil kein Berufstätiger das Auto startet und zur Arbeit fährt. Das Dorf ist ruhiger geworden.

 

Wir lassen uns Zeit, den Springbrunnen aus dem Winterschlaf zu wecken und den Garten auf Vordermann zu bringen. Das müssten wir auch ohne CORONA. Leute gehen mit und ohne Kinder vorbei. Nicht eilig, um einen Bus oder Zug zu erreichen.

Nein, sie sind zu Hause, vielleicht im HOMEOFFICE, und sie achten auf PHYSICAL DISTANCING. Wir lernen gerade, diese Anglizismen zu buchstabieren.

 

Oft geht um zehn herum das Tor des Nachbarn auf und die beiden Kinder spielen Fußball in der Einfahrt. Sie können ja nicht ewig am PC sitzen und den Online-Anweisungen ihrer Lehrer nachkommen. Der Zwölfjährige ist geschickt. Er jongliert mit dem Ball, hält ihn mit Füßen, Oberschenkeln, Brust und Kopf lange in der Luft und knallt ihn auch mal heftig auf das Hoftor.

 

„Das machst du gut“, rufe ich ihm zu, „beinahe wie früher Peter Ducke oder Franz

Beckenbauer.“ „Wer ist Peter Ducke?“, kommt es zurück. „Der war Mittelstürmer der DDR-Auswahl. Stammt aus Schönebeck und hat bei Carl-Zeiß-Jena eine große

Karriere gemacht. Im Gegensatz zu Beckenbauer ist er aber nicht Millionär geworden.“  Das war ihm offenbar Auskunft genug.

 

Ehe ich mich vom Zaun wegdrehe und wieder meiner Beschäftigung zuwende, sage ich noch: „Wenn du morgen wieder aus dem Tor kommst und über den Zaun GUTEN MORGEN zu mir sagst, bist du mir noch sympathischer.“

 

Mittags oder nach dem Nachmittagskaffee starten wir zu einem Rundgang durch das Dorf. Dazu müssen wir uns nicht mühsam aufraffen. Das fast sommerliche Wetter lädt zu diesem Vergnügen ein. Privilegiert eben.

 

Zuerst kommen wir am Bahnhof vorbei. Jahrzehntelang hieß unsere Verbindung KUPFER-EXPRESS, heute fährt man mit ABELLIO. Wenn früher ein Zug nicht pünktlich kam, ging oben ein Fensterchen auf und Frau Leni Herold, die treue Seele, rief den Wartenden zu, wie lange es noch dauern wird. Heute geht kein Fenster auf, die Bahnmitarbeiter sind Fremde. Aber die elektronische Leuchtschrift am Bahnsteig empfiehlt, sich vor Reisebeginn im Netz zu erkundigen, wann ein Regionalzug nach Eisleben oder Halle fährt. Da ist aufgeschmissen, wer nur ein einfaches Handy hat.

 

In jungen Jahren ist man zum Frühzug gehastet, vielleicht noch mit dem Brötchen in der Faust. Und nachmittags zurück, weil der Rasen zu mähen war oder die Schwiegereltern ein paar Dörfer weiter ein Problem hatten. Heute bleiben wir gern einmal stehen, unterhalten uns mit den Leuten, die aus dem Fenster schauen oder im Vorgarten sind. Das tut gut. In CORONA-Zeiten sowieso.

 

Wir kommen an hundertjährigen Siedlungshäusern vorbei, die nach der politischen Wende fast durchweg saniert und modernisiert wurden. Manche haben eine zweite Etage bekommen. Auch bei den Bewohnern hat sich in den letzten Jahren viel verändert. Manche alte Eigentümer sind gestorben oder mussten ins Pflegeheim. Junge Familien kauften oder traten das Erbe an. Jetzt beim Spazierengehen sieht man manchmal die Neuen. Das GUTEN TAG ist bei beiden Seiten auf den Lippen, auch wenn man sich noch nicht kennt.

 

Nach weiteren zehn Minuten sind wir an der Stelle im Osten, wo das Dorf zu Ende war.

In den neunziger Jahren hat sich das schnell und unübersehbar geändert. Felder und Wiesen wurden Bauland und in Richtung Neustadt entstand eine große Neubausiedlung mit über hundert Häusern, mit Straßen und Plätzen. Wie Pilze schossen die

Einfamilien- und Doppelhäuser aus dem Boden. Darunter tatsächliche Prachtbauten mit Wintergarten, Pool und drei Garagen. Eine für den schweren SJV, eine für

Sohnemanns oberen Mittelklassewagen und eine für Muttis roten Einkaufsflitzer. Eine meterhohe Hecke. Die Bauherren kamen wahrscheinlich mehrheitlich aus der nahen Stadt, wo ihnen die Mietwohnungen und das Umfeld auf die Dauer nicht zusagten und die sich nun den Traum vom Eigenheim erfüllen konnten.

 

An einem Grundstück lesen wir ein Schild: Wir kaufen nichts – Wir verkaufen nichts – Wir ändern nicht unsere Religion – Klingeln also zwecklos – Das weiß auch unser Hund. Ein wenig eingeschüchtert und nachdenklich gehen wir weiter.

 

Die Leute des alten Dorfes verfolgten damals natürlich das Baugeschehen in der Nachbarschaft und beäugten die Neuen. An den Stammtischen der beiden Gaststätten wurde die herablassende Bezeichnung SCHULDENBERG für das neue Viertel geboren. Unzutreffend und despektierlich. Natürlich wurde weitgehend mit Krediten gebaut. Die Banken verdienten damals sehr gut. Aber die meisten der neuen Mitbürger standen im besten Lebenssaft und verfügten über ein überdurchschnittliches Einkommen. Da wird in überschaubarer Zeit aus einem aufgenommenen Kredit ein getilgter Kredit.

 

Jahrzehntelang war ich der Wahlleiter unseres Dorfes und immer auf der Suche nach zuverlässigen Wahlhelfern und Wahlvorstandsmitgliedern. Auch unsere ALTEN HERREN des Fußballvereins profitierten von den Zugezogenen im neuen Dorf. Auf diese Weise lernte ich sympathische Menschen kennen, mit denen ich teilweise per Du bin und denen wir bei unseren Spaziergängen manchmal begegnen. Ich denke an den tüchtigen Maurer, der sein Haus zur Hälfte allein gebaut hat, an die freundliche Fußpflegerin, die Lehrerin, die meinen Enkel in der Klasse hatte, an die Verwaltungsbeamtin im höheren Dienst, an den Elektromeister mit eigener Firma, an die zwei emeritierten Professoren, den Dramaturgen am Halleschen Theater, den längst pensionierten General und den patenten Handelsvertreter für Honig, der die ganze Woche bundesweit unterwegs ist.

 

Wir schlagen noch einen Haken nach Norden, durchqueren die Bauernsiedlung und sind wieder im alten Dorf. Nach einer dreiviertel Stunde schließt sich der Kreis. Wir nähern uns unserem Grundstück von der anderen Seite. An der Pforte hängt ein Zettel. Meine Gabriele liest vor: „Lieber Nachbar, ich habe gegoogelt. Der Peter Ducke

hatte noch einen Bruder, den Roland. Der soll technisch sogar noch cooler als Peter gewesen sein!“

 

Wir lächeln. Beim Gespräch morgen Vormittag über den Gartenzaun wird es nicht so sehr um CORONA gehen.

 

 

 

 

 

Annegret Winkel-Schmelz

mein hinterhof-frieden

 

in der morgenkälte grünen bäume, gewachsen wie in der baumschule.

in der mittagssonne blühen sie auf, bienen summen im geäst wie ein musikalisches stakkato.

im abendschein werfen sie schatten als hätte die sonne ihnen ein extra kleid genäht.

 

zwei kinder spielen fußball, toben umher wie losgelassen von allen regeln.

ein auto im anliegerverkehr lässt motor aufheulen wie einen hungrigen schakal im wald,

menschen ziehen einkauf auf rollen, als gäbe es in den nächsten wochen nichts.

 

zwei tauben flattern miteinander, zanken sich wie ein ehepaar, das kurz vor der scheidung steht.

früh hoppeln drei hasen zum futtersuchen, sorglos, als würden sie die waffe des jägers nicht kennen.

eine katze streunt lautlos umher auf samtpfoten wie ein schmetterling im vorbeiflug.

 

ich sitze auf balkon, lese, konzentriere mich auf zeilen, um nichts vom text zu verpassen.

genieße ruhe und stille, ab und zu schaue ich hoch – ein geräusch?

bin drin, fühle trotzdem frische luft .

 

Fabiola Gudrune Hartmann

Zwei mutige Momente voller Glück


I.

Nur einen Schritt in den Augenblick


Die Tage häufen sich. Seltsames Bild. 

Immer mehr Gedanken verwirbeln sich 

in mir so stark, 

dass es mir zu laut wird 

und ich beschließe zu schreiben. 

Danach ist es still. Ich spüre eine Art Tiefpunkt. 

LEERE? 

Nein, doch nicht. 

Wenn ich völlig leer wäre, würde es wohl nicht mehr weh tun.

Ein körperlicher SCHMERZ schreit, jault auf. 

Warum tut es weh?

Ist es die Sehnsucht nach Bewegung und Aktivität, 

nach anderen Menschen, kurz gesagt nach LAUTEM, obwohl ich vielleicht Stille bräuchte? 

Es folgen in der Reihenfolge: Selbstmitleid. Essen. Schlafen. 

Ein warmes Bad stimmt mich wieder gnädig. 

Ich mir selbst auch? 


Ich gehe (wirklich!) nach Draußen. 

Etwas humplig und rumplig 

komme ich anfangs voran. 

Die Gelenke quietschen. Bin eben eingerostet. 

Ein Schritt 

setze ich

vor den anderen 

ganz langsam. 

Ohne Hast. 

Ohne darauf zu schauen, 

was die Anderen von mir denken könnten. 

Ohne darüber nachzudenken, 

wie ich auf Andere wirke. 


ICH BIN, WIE ICH BIN. 


Das darf ich nicht vergessen. Muss ich es mir aufschreiben? 

NEIN! 

Ich darf so sein, wie ich bin. 

Aber WIE bin ich?

Auf alle Fälle

bin ich endlich in Gang gekommen. 

Vermag nach Außen schauen.

SEHE

Farben, 

die ich vorher noch nie so kräftig und schillernd wahr genommen habe. 


Farben sind zum Glück ruhig, zumindest meistens. 

(Habt ihr noch nie was von grellen Farben gehört?)


Lichtspiele kreuzen meinen Weg. 

Sollte ich drüber hüpfen? 

Nun schaue ich mich doch um, ob keiner guckt. 


Dann sage ich mir: 

EGAL. 

DU machst es einfach. 

Ich hopse,

indem ich jeweils ein Knie

im Wechsel hoch hebe und 

mich dabei vorwärts bewege.


Hops - hops -hops


WANN habe ich so etwas zum letzten Mal gemacht? 


Schon nach wenigen Metern muss ich verschnaufen. 

Ja, morgen sind es zwei, drei Meter mehr, die ich schaffe. 

Ich lehne mich an eine Hauswand an einer Stelle, 

wo es die tief stehende Sonne gerade noch schafft, mit einer so großen Intensität zu scheinen, 

dass ich meine Mütze abnehmen kann. 


Ich schließe die Augen und...

JA, 

ich sauge geradezu die Sonnenwärme auf. 


Mir kommt ein Spruch von Kästner in den Sinn: 

Es gibt nicht Gutes, außer man tut es. 

JA! ICH TU ES !!!

Ich genieße, 

verharre noch eine ganze Weile, 

lache und freue mich über Kästner, 

erfreue mich 

an diesem Augenblick. 


Verweile doch: 

DU BIST SO SCHÖN. 


Die Sonnenstrahlen 

werden 

noch lange 

dem Vergessen 


wider stehn.


II.

Glücklicher Augenblick


Eine Erinnerung

an den vergangenen Sommer, 

die sich einen Weg in mein Gedächtnis, 

meine Empfindungen von damals sucht. 

Ich sehne mich nach Wärme, denn

inzwischen ist der wärmende Lichtstreifen 

weiter gewandert. 

Aber die Erinnerungen wollen nicht mit ihm weichen.

Sehnsucht auf SOMMER. 

Freude auf das kühle Nass 

der Seen

und der Saale. 

Der Stolz, 

wenn ich es geschafft habe, 

ins kalte Wasser zu kommen, 

die Kälte und das Frösteln meines Körpers, 

dann das schöne Gefühl,

wenn er sich im Wasser langsam erwärmt 

durch Schwimmbewegungen.

Dann ist es so weit. 

Und ich muss mir die alles entscheidende Frage stellen:

Wie schaffe ich es, mich zu überwinden

UND 

aus dem Wasser zu gehen? 

Die Luft draußen erscheint mir wesentlich kälter als im Wasser. 


Ich bleibe - längs auf den Bauch gestreckt - 

so lange wie möglich im Wasser.

Meine Hände stützen sich auf dem Grund des Sees ab. 

Ich laufe quasi horizontal auf den Händen, 

und es geht federleicht. 

Dann ist ein großer Teil meines Rückens schon an der Luft. 

Kleine zittrige Wellen hüpfen fröstelnd in mir.

Dann noch einmal flink ins Wasser tauchen. 

ÜBERWINDEN!

Hurtig komme ich auf die Füße, 

ignoriere, 

so weit es geht, 

die spitzen Steine:

dann schnell 

zum Handtuch gelaufen. 

Das Abrubbeln tut so gut. 

Schnell wird mir warm.  

Mir geht es gut. 

Ich hatte den Mut, 

ins kühle Nass zu springen. 

Das erfüllt mich mit Stolz. 

Es kribbelt durch den ganzen Körper ein wohlig warmes Gefühl 

und parallel 

in mein Herz 

eine tiefe Freude, 

die wiederum in mir ein leichtes Zittern auslöst

und dann sofort folgend ein großes Glücksgefühl.

Nicht aufhören. 


BITTE!