Forum - Kritik, Meinung, Einschätzung

Annegret Winkel-SchmelzHoffnung

 

zu Klaus D. Vogt „Sommerfest 2021“

 

Ich fühle mich derzeit, als würde ich in einem Horrorfilm mitspielen. Ich hasse Horrorfilme.

Ich bin nachts wieder aufgestanden, um diese beiden Zeilen festzuhalten. Morgen früh sind sie weg wie Nebelschwaden, die sich in der Morgensonne auflösen.

Weil ich im Beten nicht geübt bin, hole ich mir Zuversicht aus der Literatur.

Eines meiner Lieblingsgedichte heißt „Trost“ von Theodor Fontane: 
„Tröste dich, die Stunden eilen

und was all dich drücken mag.
Auch das Schlimmste kann nicht weilen

und es kommt ein andrer Tag.

In dem ew`gen Kommen, Schwinden

wie der Schmerz liegt auch das Glück,

und auch heitre Bilder finden

ihren Weg zu dir zurück.

Harre, hoffe, nicht vergebens

zählest du der Stunden Schlag:
Wechsel ist das Los des Lebens,

Und - es kommt ein andrer Tag.“

Der Text „Sommerfest 2021“ fängt mir solche Stimmung ebenso ein. Was mag in einem, in zwei, in drei Jahren sein? Träumen ist erlaubt, ja! Wer träumt, der lebt.

Dankbarkeit ist ein hohes Gut und ein großer Wert. Im Hier und Jetzt zu sein, macht momentan wenig Freude. Da darf ich nach vorn blicken. Es scheint einen Ausweg zu geben, etwas, dass sich zur Zeit noch wie ein Märchen anhört, das noch nicht geschrieben wurde: Einen Impfstoff gegen Covid 19.

Der eine bleibt gelassen und meint: Es geht immer weiter. Ein anderer denkt: Sieht so das Ende aus?

Wenn ich nah am Text bleibe, spüre ich die Hoffnung des Autors, mich zu erreichen. Der Text ist in meinem Herzen angekommen wie ein Sonnenstrahl im Dunkel des hohen Nordens. Er wärmt mich in einer Zeit, in der das Virus Kälte verbreitet. Ich fühle bei jeder Zahl der Verstorbenen mit. Jeden Tag erhöht sie sich, nicht nur weltweit sondern auch in Deutschland.

Indem die Menschen einen fiktiven Vornamen erhalten, wirken sie lebendig. Der Text wird persönlich, auch zu einer Laudatio. Eine neue Gemeinsamkeit, ein Zusammenrücken gesellschaftlich wird möglich. Das liest sich wie ein du auf du. 

Wir müssen mit dem Virus leben. Ich halte die Maßnahmen ein. Meine Hoffnungszeit liegt in den nächsten 14 Tagen. Dann wird neu beraten: Vorsichtige Lockerung der strengen Regeln.

Danken ist jetzt schon möglich:

Thea danke ich für die Einrichtung der neuen Rubriken auf unserer Page. So können wir den Gedankenflug nehmen und im Schreiben vereint bleiben.
Klaus D. Vogt danke ich für seinen Text, der mich nachdenklich, aber auch voll hoffender Freude zurück lässt: Ich fühle mich, als hätte ich einen Kredit an Lebenszeit aufgenommen, dessen Laufzeit sich bis weit ins nächste Jahr erstreckt. Die Raten sind in kleinen Beträgen zurück zu zahlen. Mit jedem beglichenen Betrag werde ich entlastet.

Jeder Tag zählt.

Christa Beau

Gedanken zum Sommerfest 2021 von Klaus D. Vogt

 

Eine Vorausschau – möge sie sich erfüllen!

 

Was sind das doch alles für engagierte Menschen, die vom Autor mit Namen und ihrer besonderen Leistung benannt werden! Es sind Menschen aus dem Jahr 2020, aus dem Jetzt.

Es sind solche, die Taten verbringen, die eigentlich nicht nur in Krisenzeiten vollbracht werden sollten. So wünsche ich mir das Land, in dem ich lebe: Fürsorge für den Schwächeren, Nachbarn helfen Nachbarn, ein menschliches Miteinander, Einsatz von Wissenschaft und Technik im Interesse des Menschen. Weg mit den Ellenbogen.

Solche engagierten Personen gab es übrigens schon vor der Coronakrise. Oft bleiben sie im Hintergrund und werden viel zu selten geehrt.

  

Gedanke zum Text „Zu schön, um wahr zu sein“ von Lutz Sehmisch

 

„Das Leben ist von hundert auf Null ausgebremst.“…… „Vor wenigen Tagen hätte ich mir das überhaupt nicht vorstellen können. Aber es geht! Ist das nicht irre?“

Ja, Lutz, es ist irre. Und all das, was es mit Dir macht, mit mir und vielen anderen Menschen.

 

Gedanken zu „Zwei Könige“ Märchen von Mechthild Börner

 

Ich bin z.Z. auch dabei, eine Sammlung von eigenen Märchen zu erstellen. Darum finde ich das Märchen interessant.

Hier geht es um Dumme und Kluge.

Oft höre ich: ‚Lass sein, der Klügere gibt nach.‘

Nach dem Lesen des Märchens fragte ich mich wieder einmal: ‚Stimmt es wirklich, dass der Klügere nachgeben soll?‘ Dann gewinnt ja der Dumme.

 


Klaus D. Vogt

zu Lutz Sehmisch

 

Ich kann die Gedanken von Lutz zu Entberungen vom bisher bekannten Alltag, von der Ehrfurcht vor dem Leben sowie den jetzt fehlenden körperlichen und emotionalen Bindungen gut nachvollziehen. Es ist schwer das seelische Gleichgewicht zu halten bzw. herzustellen.

Das Leben ist jetzt bedrohter, ruhiger und langsamer. "Keine Hektik, kein Druck, Zeit für die eigene Kreativität" schreibt Lutz. Ich möchte ergänzen: Mal wieder die Unterlagen sortieren und abheften, Keller aufräumen, ein Buch lesen. Mir fehlen das Treffen und Gespräch mit Freunden und Bekannten, der Besuch in der Familie, der Friseur, ein Kaffee in der Stadt. Wie sind die Eltern drauf, die jetzt im Homeoffice oder in der Kurzarbeit ihre Kinder beschulen sollen?

Jede Krise bringt auch neue Entwicklungen und Chancen. Das wird wohl die vermehrte Nutzung der Digitalisierung und des Onlinehandels sein. Aber Vorsicht: Mehr kann schnell zu viel sein. Die körperliche und emotionale Nähe darf uns nicht verloren gehen. Ich möchte das Leben erleben.

Rolf Winkler

Anmerkungen zu Annegret Schmelz-Winkel „Schicksal eines Kalenders“
(wider den Genderwahn)


Sprache ist nicht nur ein Träger von Informationen, Sprache hat auch eine ästhetische Funktion. Sie lebt durch ihren Fluss, ihren Rhythmus, ihren Klang, ihre Kontraste, ihre Widersprüchlichkeit. Die Sprache ist kein starres Gebilde, sie unterliegt ständigen Veränderungen, die sich herausbilden im aktiven Gebrauch. Eine durch eine Institution, welcher Art auch immer, vorgeschriebene Veränderung verfremdet eine Sprache.

Die Ungleichbehandlung von Mann und Frau lässt durch eine willkürlich eingeführte „gendergerechte“ Sprache nicht beseitigen. Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist ein gesellschaftliches Problem und kein sprachliches:

Dem Mann wird ein Platz in der oberen Etage der Gesellschaft, der Wirtschaft zugestanden, der Frau wird ein Gendersternchen angeboten, und schon haben wir die Gleichstellung der Geschlechter erreicht. Oder?

Liebe Anne, es tut mir leid. Ich reagiere allergisch auf Gendersternchen und dergleichen. Wenn ich beim Überfliegen eines Textes eine solche Konstruktion entdecke, lege ich ihn ungelesen zur Seite. Als Schreibende sollten wir uns auch um die Sprache mühen.

 

Anmerkungen zuMechthild Börner „Zwei Könige“


Ein kluger König mit einem dummen Minister und ein dummer König mit einem klugen Minister, eine gute Vorlage für ein Märchen!

Nur geschieht mir hier zu wenig. Ein Märchen lebt von der Handlung, von den Dialogen. Dass der eine König dumm ist und der andere klug wird mir, dem Leser, erzählt. Ich muss das glauben. Es erschließt sich mir nicht aus dem Text. Wenn doch der dumme König wenigstens mal einen Satz sagte, der dessen Dummheit offenbart!

Wie kann ein Minister dumm sein, wenn er doch gleichzeitig gerissen und hinterhältig ist. Und gibt es am Hofe nur den König und den Minister? Gibt es keine Königin, keine Prinzessin? Ein jeder König hat doch eine Tochter, für die er einen Prinzen sucht.

Der kluge Minister und der kluge König regierten das Land mit Weisheit und Gerechtigkeit. Ja wie denn, das möchte man gern wissen!

Was ist mit dem Volk? Sind das Bauern? Sind das Handwerker? Sind das Industriearbeiter? Vielleicht Revolutionäre, die den dummen König davonjagen?

Ein Ansatz ist da. Die Autorin sollte das Märchen noch einmal in die Hand nehmen.