Forum, Kritik, Meinung 4

Annegret Winkel- Schmelz

Zu Petra Taubert „Gedanken“           

 

Petra Taubert hat sich Gedanken gemacht. Den Einstieg findet sie mit einer Aussage eines französischen Philosophen aus dem 17. Jahrhundert.

Der Text erinnert mich an einen Essay. Im Internet auf der Seite „text-schreiben.com finde ich dazu:
„Ein Essay ist eine journalistische Form des Schreibens, eine Abhandlung, die vor allem durch den persönlichen Schreibstil eines Autors gekennzeichnet ist. Im engeren Sinn kann man den Essay als ein Gedankenexperiment verstehen … Von großer Bedeutung ist, dass die Abhandlung über eine präzise Argumentationstruktur verfügt …, da der Essay das Ziel verfolgt, den Leser zu überzeugen...“

Die Autorin arbeitet durchgängig mit Fragesätzen, die den Leser zu einer eigenen Meinung führen können. Die Ich-Botschaften lassen die Haltung von Petra Taubert erkennen und prägen den Text.

Sie setzt sich mit Verschwörungstheorien auseinander. Spätestens seitdem der Autor Erich von Däniken in seinen Büchern diesen Nahrung gibt, wissen wir Folgendes: Wenn Menschen sich etwas nicht mit mehr mit gesundem Verstand erklären können, blühen die Phatasien.
„Gehts noch bekloppter?“, fragt Petra Taubert. An dieser Stelle würde ich die Alltagssprache herausnehmen: „Gehts noch? Ja, es geht.“ - Das reicht. Weiterhin kann der Text auf Allgemeinsätze hin überprüft werden, z.B. „Wünschenswert wäre, dass die Menschen, nicht nur aus dieser Krise, lernen.“

Lese ich den Satz: „Dann würde ich den Flacherdlern – schöne Worterfindung - raten, sich an den Rand der Erdscheibe zu stellen, damit sie das Raumschiff mit den Aliens auch findet.“, erkenne ich den Humor der Autorin. Damit versucht sie, den Theorien der Verschwörungen den Boden zu entziehen. Die in Klammern gesetzte Wortgruppe kann gestrichen werden.

Wie Petra Taubert selbst mit dem Dilemma der Kontaktsperre umgeht, beschreibt sie eindringlich und wohltuend nicht belehrend.

Beim Satz: „Money makes the world go … wie ging das nochmal weiter???“, frage ich mich: Ist das ein Zitat aus einem Liedtext? Dann sollte der Halbsatz in Anführungszeichen gesetzt werden. Ich weiß nicht, wie der Satz weiter geht. Deshalb wünsche ich mir hier nicht nur die Wortgruppe.

Der Text lebt davon, einige Themen und Fakten zusammen zu tragen. Es ist empfehlenswert, aus Schachtelsätzen mehrere kürzere entstehen zu lassen. Das strafft den Essay und bringt ihm eine dynamische Sprache.

Eine zündende Pointe lässt sich aus dem letzten Satz bauen. Ich finde darin mehrere Gedanken, die das möglich machen.

Der Wunsch Vieler, „echte Solidarität und Menschlichkeit bleiben länger bestehen“ bringt Hoffnung, kann den Text versöhnlich schließen und den Bogen zu einer veränderten Überschrift in „Meine Gedanken“ bringen.

 

Petra Taubert

Lieber Lutz,

 

am stärksten ist dein Text "Zu schön um wahr zu sein" in den Passagen, in denen du über dich selbst erzählst. Ich kann allerdings manchmal ebenso nichts mehr davon hören, obwohl ich mich anfangs täglich informierte, allerdings nur kurz, wesentlich oder regional (TV Halle).

In deinem Text, ich empfinde das Wort, wie das Virus heißt, gar nicht als so ein Ungetüm. Es erklärt sich ja so auch ein wenig. So ein ähnliches Krankheitsgeschehen gab es schon mal. Doch da reiste das Virus noch nicht um die Welt.

Es schlug hauptsächlich in Asien zu. Da war es für die Forschung nicht lohnenswert genug. Nun hat sich das rasant verändert.

Unsere Begegnungen bei Lesungen können längere Zeit nicht stattfinden, das stimmt und schmerzt. Umarmungen sollen nicht sein, dabei tun sie gut und nicht erst seit Forscher herausfanden, dass es so ist. Wie schön, dass du gelernt hast, Umarmungen zuzulassen und zu genießen. Im Moment muss es die Erinnerung oder Vorstellung tun.

Doch, ich hätte mir drastische Verbote vorstellen können..., hoff(t)e immer wieder, dass es nicht passiert, allerdings ganz anders, leider, und das nicht erst seit dem 9. Oktober 2019.

Ich gestaltete kurz vor der Wende Holzschnitte mit dem Spruch "Umkehr führt weiter", auf dem Menschen auf einem Ast sitzend zu sehen waren, die an demselben sägten, in einem anderen Bildteil verbanden sie den Ast. Das war noch vor '89, hat es jemanden interessiert, davor oder danach? Kaum. VG Ich schrieb 1984 ein Gedicht zum Thema Umweltzerstörung. Meine Mutter fand es gut mit dem Grundton: Aufwachen.

Ein Auto habe ich selbst nie besessen und auch nicht fahren gelernt bisher. In der Stadt kommt man auch so von A nach B, per pedes, Fahrrad oder Bahn.

Allerdings fehlte damit die Entscheidungsfreiheit, mal eben zu Ereignissen zu fahren, bei denen ich gern dabei gewesen wäre. Fahrten nach Jerichow z. B. zur Schreibrunde oder Premieren bedeuteten zweimal umsteigen, in Genthin lange auf den Bus warten und in Jerichow übernachten müssen, da am selben Tag zurückzufahren von den Verbindungen her nicht ging.

Oft nutzte ich die Hotel- oder die Krankenhauszimmer, später durfte ich bei einer Krankenschwester und ihrer Familie übernachten. Jedenfalls war es sehr aufwändig. Dennoch habe ich es gern getan, bis ich mir die Fahrten nicht mehr leisten konnte.

Durch meine Erkrankung war ich schon länger gezwungen, zu akzeptieren, dass ich nicht so viel und so schnell, eben anders etwas leisten kann, nach meinem Rhythmus und auf meine Weise. Und ich fühle mich dabei nicht als Schmarotzer, wie ich teils von weiter entfernten Verwandten gesagt kriegte. Schließlich gebe ich auf meine Weise in meinem engsten Kreis an von mir geliebte Menschen ganz viel zurück, bin also im kleinen Kreis meines Umfeldes vielleicht auch ein bisschen systemrelevant eben in dieser kleinen Welt, vor allem werde ich gebraucht.

Ich staune auch, wie viel auf einmal digital geht und obwohl viel mehr Leute gucken, streamen, chatten oder online arbeiten, Staaten lenken, das Internet bricht gefühlt seltener zusammen als "früher".

 

Ich finde es sind etliche anregende, interessante Aspekte in deinem Text, in dem du uns an deinem Versuch der Ordnung deiner Gedanken zum aktuellen Geschehen teilhaben lässt. Du wechselst im Text vom ich zum wir, wen meinst du mit dem Wir genau?

 

Mitmachen um jeden Preis möchte ich bei gar nichts. Computer sind rechentechnisch anfangs Nullen und Einsen gewesen. Algorithmen beschleunigen nicht zwangsläufig unser Leben, die Möglichkeiten der Digitalisierung könnten gerade zum Gegenteil, den Aufbau einer achtsamen Gesellschaft führen.

 

 

Liebe Sigrid,

 

Wir sehen uns wieder

 

Natürlich... Ist es wirklich so sicher? Ich wünsche mir jedes Mal, Menschen, die ich mag, wiederzusehen, doch sicher bin ich nie, ob das gelingt. Auch deswegen habe ich gelernt, so gut es geht, im Augenblick zu leben, mir nicht so viel aufzuhalsen und was ich zusage mit allen Fasern meines Seins und hundertprozentig zu tun. Damit fiel das "muss" etwas weg und ich gewann dadurch mehr Kraft, etwas zu tun oder schaffen und hatte bzw. habe viel mehr Freude dabei.

 

Empfindest du es beim Abschied so, wie du es andeutest? Wen meinst du? Denkst du an Schreibfreunde oder deine Tochter?

 

Zeit als Freundin oder Feindin?...

Die Zeit rast, finde ich.

Es ist schon fast Mai, nur unsere Schreibrunden- Aktivitäten ruhen mehr als sonst.

Die Zeit trennt uns nicht, die Termine, die Pläne, die Verpflichtungen, die eingegangen oder für wichtig erachtet werden und jetzt gerade eben das Aussetzen derselben, trennt uns. Die Zeit vergeht, egal ob und wie wir sie nutzen.

 

Was passiert in der Zeit, in der wir (wer genau?) nicht zusammensein können?

Da steht nur es passiert so viel... Ich wüsste gern, was.

 

Aha am Ende erfahre ich, es geht um Freunde, die du vermisst, bzw. die Begegnung mit ihnen. 

 

Der Text müsste, glaube ich, neu überdacht und sortiert werden. Vielleicht nicht die Gedichtform wählen. Oder den Hinweis auf einen bestimmten Zeittakt als Aufhänger nehmen. Sekunden, Minuten, Tage.

 

Zeit als Freundin könnte sein:

Wir verbringen Gedanken und Gefühle an unsere Freunde in der Zeit.... Ich denke eher, wir erinnern uns an geteilte Gefühle, gemeinsam verbrachte Zeit oder die ausgetauschten Gedanken.

 

Zeit und Freundschaft und die heutigen Bedingungen, ein Denkansatz für eigenen Umgang damit und Gefühle, vielleicht versuche ich es selbst einmal, mir dazu Gedanken zu machen.

 

Zu Hause

 

In diesem Text kann ich besser einstiegen

Die ersten beiden Strophen könnten gerafft werden..

 

Ich ziehe die Gardine weg

und öffne das Fenster.

Draußen ist es so still.

 

Alles andere sieht auch der Leser, mit Licht und Luft zum Beispiel.

In der vorletzten Strophe würde ich, ‚es tut mir gut’ streichen

und mit endlich kann ich ohne schlechtes Gewissen... ansetzen.

Da kann sich der Leser seine Gedanken machen...

Ansonsten kann ich den Text gut nachvollziehen.

 

 

Liebe Gisela,

 

Corona hätte ich nicht als Überschrift genommen eher ‚was wäre wenn’ oder ähnliches oder ganz anders.

 

Der erste Satz mit dem im Kopf eingebrannten Wort Corona reicht als Einstieg. Den zweiten Satz mit den umherschwirrenden Gedanken, würde ich streichen und gleich zu deinem Gedanken mit dem freigesetzten Virus übergehen. Es ist erst einmal nur ein Gedankenspiel. Deine Gedankenstrom folgt aber einem bestimmten Aufhänger und schwirrt meines Empfindens nach nicht umher. Und diesem Gedanken, wenn das einer mutwillig getan hat, folgst du zunächst.

Die Welt weint eher nicht, denke ich, sondern die Menschen, die ihre Lieben verlieren. Manchen ist es auch egal, die sagen, die wären sowieso gestorben in einem Jahr. Was wäre, wenn... du die letzten Sätze mehr ausbaust und hinschreibst, woraus genau deine Hoffnung besteht, was die Menschen gelernt haben sollen oder was du gelernt haben willst.

 

Vielleicht müsste die Hoffnung auch ein extra Text werden, also der Gedanke, was wäre, wenn ein Mensch das frei gesetzt hätte (ganz abwegig ist das nicht- siehe Anthax- Anschläge in New York nach dem 18.9.2001 die Täter wollten allerdings gezielt Menschen töten damit, fünf Menschen starben auch soweit ich weiß)

Und die Hoffnung, dass was Gutes dabei rauskommen kann....

 

 

Liebe Marion 

Ich bin noch da


Schön, dass du da bist und noch da bist, wie du betonst...im Text

 

Erschüttert habe ich die Zeilen gelesen und... kann erahnen, wie schwer es dir gefallen sein muss, darüber zu sprechen und es dann auch noch so knapp in dieser Form aufzuschreiben.

Allerdings finde ich gerade diese Form für derart viele emotionale Verletzungen sehr gewagt. Die Reime nehmen nicht die Schärfe der Geschehnisse, die dir das Leben bzw. deine Mutter zumutete.

Deine Oma, zu der du, wie rauszulesen ist, einen besonderen Draht hast, kommt in dem Text nur kurz vor. Ich denke, sie stärkte deine Widerstandskraft/ Resilienz. Schlimm finde ich, was dir geschah und toll, was du alles geschafft hast:

Dein eigenes Buch, den Limmericksband und seit einiger Zeit die Leitung der Schreibrunde in Jerichow gemeinsam mit Lutz. Gern denke ich an etliche Lesungen, die auch du mit deinen Texten gestaltet hast.

Mich interessiert vor allem auch, wie du es geschafft hast, dazubleiben und dein Leben zu gestalten. Vielleicht war es aber genau dieser Trotz: Ich bin noch da und gebe nicht auf, der dir das Überstehen dieser furchtbaren und zerstörerischen Phasen in deiner Kindheit ermöglichte.

Dein Text regte mich jedenfalls viel zum Nachdenken an über Selbsterlebtes und Erfahrungen, die mir zuflogen. Ich habe allerdings schon bittere Erfahrungen mit solchen Öffnungen erleben müssen, wenn es ungewollt bei Menschen triggert.

Ich wünsche dir von Herzen, dass dir das mit deiner Öffnung in diesem und anderen Texten nicht passiert.

Nach wie vor bin ich Dorothea Iser sehr dankbar, dass sie diesen damals Anfang der 2000er teils so gelobten, teils extrem scharf angegriffenen Text "Aufgefangen" in "Herz über Kopf" veröffentlichte neben anderen Texten, die sich mehr oder weniger um diese Erfahrungen und das Leben damit drehten.

Für mich war es wie die literarische "Anklage" einerseits und das - seht her, er kann mir nichts mehr tun, wohl hin und wieder schlechte Gefühle verursachen, aber mir nicht mehr meinen Tag und schon gar nicht mein Leben versauen- Gefühl.

Mit der Zeit ließ dieses Wiederaufleben der Taten nach. Um diesen Text herum, auch noch ein paar Jahre danach, brach ich in unregelmäßigen Abständen zusammen, meist in der Küche, krümmte mich, rollte meinen Körper zusammen wie eine Katze und spürte Schmerzen, als sei es gerade erst geschehen. Die Bilder fielen über mich her.

Meist folgten darauf Selbstverletzungen. Nach langer Zeit schaffte ich es, mich nach dem Zusammenbrechen nicht mehr zu verletzen. Irgendwann hörte es dann ganz auf. Ich glaube, ohne das Schreiben und die Auseinandersetzung damit wäre das so niemals passiert. Heute bin ich sehr froh darüber, dass mein inneres Kind, auch und gerade durch das Schreiben ein wenig Hilfe und Heilung fand.

 

 

Lieber Klaus D. 

 

Ostern 2020

 

Es ist ein ganz persönlicher Text, wie sich die wegen des Virus aufgestellten Regeln auf dein Leben auswirken und wo sie dich empfindlich treffen. Schön, dass du und deine Freundin einen Weg gefunden habt, euch zu begegnen.

Da hätte ich gern weiter gelesen über eure Gefühle, gemeinsame Beobachtungen im Stadtpark, Beschreibung eines Spaziergangs. Überhaupt wie ihr euch fühlt und wie ihr die Beziehung gestaltet.

Der spezielle Ostereinkauf fängt das positive Ummünzen der durch Corona diktierten Situation mit deiner speziellen Einkaufsfahrt und der besonderen Überraschung der Nachbarin ein.

Deine Geschichte lässt mich teilweise schmunzeln am Schluss. Natürlich stimmt sie auch nachdenklich am Anfang. Ich finde es ist teils ein kreativer Umgang mit seltsamen Regeln, die hoffentlich wirklich zu unserem Schutz aufgestellt werden. 

 

Corona als Begründung

 

empfinde ich als Gedankensammlung.

Kurzarbeit

wenig Geld

Möbelkauf wäre theoretisch möglich im Internet, nur nicht im Möbelhaus.

Gibt es keine Möglichkeit des Sports zu Hause? Übungen mit einem Stuhl, "Fahrradfahren" im Bett etc.

Die Kinder und die Eltern kommen nur in der Aufzählung vor, das hört man so ähnlich auch fast täglich.

 

Lieber Klaus D.,

 

Nimm doch vielleicht einige Gedanken raus und vertiefe sie oder geht es eher um den Zweifel an den Maßnahmen, die jetzt alle mit Corona begründet werden. Dann verfolge diesen Gedanken.

Ich habe Thea Isers Hinweis, das Thema, das innere oder äußere Bild, über das ich schreiben möchte, stringent zu verfolgen und es mit all seinen Facetten zu beleuchten, nicht alles mögliche drum herum zu erzählen, sondern im Bild zu bleiben oder in der Figur und diese mit Leben zu füllen, mir sehr gut gemerkt.

Mich interessiert: Wie fühlen sich alle Beteiligten damit, einander nicht sehen zu können? Für was möchtest du demonstrieren? Zu zweit kann man wohl auch unter den derzeitigen Bedingungen "demonstrieren", also wenn Abstand gehalten wird und jeder nur Transparent trägt. Die Pegida- Demo in Dresden wurde von der Stadt erlaubt, wohl auch Gegendemonstranten geduldet.

Bist du denn vorher oft zu Demos gegangen? Ich möchte mehr über dich als Mensch erfahren, was du denkst, fühlst.

 

Und die neue Nachbarschaftshilfe gestaltest du doch mit, erlebst sie nicht nur.

 

Stürzende Aktienkurse... Naja, ich war nie in der Lage, überhaupt irgendetwas anzulegen. Gewinne nützen nichts, wenn der Anleger nichts mehr davon hat aufgrund der Gesundheit usw. Das wirklich Wichtige kann man sich für Geld nicht kaufen. Für mich ist es ein notwendiges Übel zum Überleben, mehr nicht.

Meine Eltern legten einmal etwas an, mit der ach so sicheren Technik- Aktie inklusive.

Sie sanken fast unter den eingezahlten Wert. Irgendwann erholte es sich etwas, nach dem Tod meiner Mutter zog Vater diese Aktienanteile zurück bzw. wandelte alles wieder in fest Angelegtes um.

Zum Glück. Kurz danach stürzten die Kurse wieder. Viel vom Gesparten meiner Eltern wäre weg gewesen. So hatten sie wenigstens das wieder, was sie einst einzahlten.

Aktien sind, glaube ich, nichts für kleine Leute, da die meist kein Spielgeld zum Verzocken haben. Man sollte, so Tipps von Anlegern nur Geld nehmen, auf das man verzichten kann. Wer kann das schon? Auch wenn im TV bei diversen Talkrunden immer wieder beklagt wird, die Deutschen wären zu wenig risikofreundlich. Sie sollten doch mehr mit Aktien spekulieren und ihr Geld nicht in den Banken/Sparkassen horten.

Da möchte ich in den Fernseher rufen: Von welchem Geld denn bitteschön? Das fragen sicher ebenso viele Aufstocker, die zwar arbeiten, aber davon nicht leben können. Ach, bin ich froh, dass ich nichts gespart habe, wovon auch, was dann seinen Wert verliert. Bitter für die, die sich etwas zurückgelegt haben und es dahinschmelzen sehen oder im schlimmsten Fall es ganz verlieren, wie du es jetzt erlebst.

 

 

Lieber Friedhold

In Corona- Zeiten auf dem Dorf

 

Dein Text nimmt mich mit in dein Dorf und strahlt mit den ersten Sätzen Dankbarkeit aus, dass ihr nicht in dieser oder jener Situation seid. Dass es um Corona geht, merkt man sofort, doch es fällt nicht so über einen her, außer in der Überschrift. Es muss da nicht unbedingt hin. So ähnlich wie ihr gehen auch Ralf und ich mit der Nachrichtenflut um.

Mich interessiert euer Tag. Mit gefallen auch die Rückblenden beim Spaziergang am Nachmittag. Ob das "man" unbedingt da stehen muss oder du aus deinen eigenen Erinnerungen erzählst und dann auch „ich“ schreiben könntest, erschließt sich mir nicht ganz.

Selbst das mit dem komischen Schild kommt nicht aufdringlich daher. Ich darf mit euch spazieren, eure Begegnungen und Beobachtungen teilen und mir meine Gedanken dazu machen.

Durch dich als Erzähler lerne ich auch ein wenig das Dorfleben bei euch kennen und erfahren etwas von deinem Umgang mit Vorurteilen.

Am Schluss der Bogen zum Auftakt, das finde ich knuffig. Interesse wurde geweckt bei dem Jungen, das auf ein Gespräch hoffen lässt. Eine angenehme Art miteinander zu kommunizieren.

 

 

Liebe Anne,

Mein Hinterhof- Frieden

 

Mich nimmt der Text mit auf deinen Balkon und beschreibt Pflanzen, Tiere, Menschen sowie ihr Tun. Ich sehe dich bildlich lesen auf dem Balkon und kann in diese Idylle gut eintauchen, selbst die Rollizieher stören nicht. Ich habe es so ähnlich auch beobachtet, jetzt allerdings weniger, vorher war es mehr.

 

 

Liebe Gudrune Fabiola 

Zwei mutige Momente voller Glück

 

Nur ein Schritt in den Augenblick

 

Tage, die sich auftürmen

ein wirklich seltsames Bild, so fühlte es sich zunächst an. Gedankenchaos, der Drang zu schreiben, das sich setzen der Gedanken danach. Ich kann das gut nachvollziehen. Wie oft ging es mir so, nicht nur, wenn ich krank war und im Schreiben Rettung fand.

Nach LEERE reicht ein einfaches Nein.

Das mit der Sehnsucht nach Aktivität ging mir öfter so, und dem Versinken, dann doch nichts tun. Nach dem Satz mit dem warmen Bad dieser Satz: "Ich mir selbst auch" kann weg...Eigentlich muntert dich das Bad auf. Das in Gang kommen ist toll beschrieben mit allen Schwierigkeiten, die schmerzende Gelenke bereiten. Es ist nicht so ausgeprägt bei mir, doch je nach Tagesform schon spürbar. Bei der Textpassage mit dem Hopsen muss ich schmunzeln. Ich bin wie ich bin, sich nicht scheren was andere sagen. Ein Lernprozess, wenn man wie ich mit genau solchen Sätzen aufgewachsen ist, was sagen die anderen Leute.

 

Die Passage mit den Farben würde nicht nach Außen richten, du weißt ja nicht, welche Farben deine Leser kennen. Den Kontrast kannst du für dich selber schreiben also in etwa " Es gibt auch Farben, die schreien so, dass die Augen weh tun...“

 

Über Lichtspiele hopsen und sich freuen wie ein Kind... Auch der Bezug zu Kästner gefällt mir: Verweile doch. Du bist so schön- dieser Bezug zu Faust stört mich etwas.

 

erfreue mich an diesem Augenblick

Die Sonnenstrahlen werden noch lange dem Vergessen widerstehen... Das wirkt viel stimmiger auch auf die Stimmung bezogen.

 

Zur Überschrift hatte ich schon gesagt, dass es mir zu lang vorkommt: 'Nur ein Schritt' würde reichen

 

Der zweite Text Glücklicher Augenblick beschäftigt sich mit einer Erinnerung ans Baden und wieder aus dem Wasser kommen, sinnbildlich vielleicht für sich mal treiben, gehen lassen und dann wieder überwinden, kurze unangenehme Empfindungen auszuhalten und dann mit Wärme belohnt zu werden.

Die Zeile Sehnsucht auf SOMMER

im Zusammenhang mit Sehnsucht eher die Sehnsucht nach Sommer,

Lust, Vorfreude auf Sommer.

 

 

Lieber Rolf,

 

Albtraum


Was für Gruselgestalten, natürlich könnte man es auflösen, es ist doch... Nein, das will ich nicht. Schrecklich fühlten sich diese Monster an, die wie weggeworfene Bananenschalen aussahen und von überall her auf mich zukrochen. Ich weiß nicht, wie oft mich dieser immer gleiche Alptraum quälte. Er spielte im Geburtshaus meiner Mutter und ihrer Geschwister. Dort fanden die Grenzübertritte, die ich in "Verrückt nach Leben" mit "Stinkende Hände" das erste Mal heraus schrie, statt. Die kleinen Monster krochen von überall auf mich zu, bedeckten meinen Körper, besonders an bestimmten Stellen. Ich wollte schreien, konnte nicht. Schweiß gebadet wachte ich jedes Mal auf. Danke für dieses Bild und deinen Text, lieber Rolf. Ja, es erinnerte mich an den Albtraum, doch es erinnert mich auch an die Fahrt zum 80. meiner Tante im Herbst 2019. Es war ein schöner Geburtstag. Ich übernachtete in ihrem Haus, stand an den früheren Tatorten und stellte erfreut fest, dass es nicht mehr triggert. Ich habe es nicht vergessen, doch das Stehen an den Orten dieser Kindheitsbilder riss nichts auf, mich nicht um, stürzte mich nicht in eine Depression, was für eine Entwicklung, die ich nicht zuletzt dem Schreiben verdanke. Ich lernte schreien. Beide Verben unterscheidet nur ein Buchstabe....

  

Neues aus Absurdistan

 

Das Spielen mit den gesehenen Figuren gefällt mir und die Wendung, dass sie sich berühren, obwohl sie doch beide so anders sind. Dein Blick in die Tiefsee lässt eigene Bilder entstehen neben deinem Foto. Das ist anregend. Vielleicht wird's ein Text. Das ist wie verhext.

  

In diesen Zeiten


Deine Kugelbilder, lieber Rolf...

Nun spiegelt sie, die Kugel, euer Grundstück, euer zu Hause, die kleine Welt eben. In der Kugel wirkt eure kleine Welt riesig, wie Ländereien...trotz der Klammern denke ich nicht an Eingesperrtsein.

Innerhalb dieser Welt weitet ihr euren Horizont nach außen und innen. Eure kleine Welt könnte wie eine Einladung sein, wäre da nicht das sichtbar gemachte Unsichtbare, das für Einschränkungen sorgt, diese eure kleine Welt zu verlassen oder zu betreten.

 

 

Christa Beau


Dodel habe ich noch nicht geschafft.  Zum diesem Märchen möchte ich etwas schreiben. Es löst etliche Bilder aus.