Forum, Kritik, Diskussion 3

Annegret Winkel-Schmelz

zu Christa Beau „Dodel“

 

Christa Beau taucht ein in die Tiefen des Meeres. Fische sind ihre Protagonisten. Da findet der Kreislauf des Lebens statt: Geboren werden, Aufwachsen und Erwachsen werden.

Ausgangspunkt sind zwei „Königsfische“, die viele Nachkommen haben. Nur ein Fisch fällt aus der Art, er sieht anders aus, er verhält sich anders. Haben alle anderen Kinder liebliche Namen, finden die Eltern für diesen einen Fisch den stigmatisierenden Namen „Dodel“. Er wird von seinen Geschwistern kaum beachtet, und wenn, dann sind nur Spott und Häme für ihn übrig.

Doch gerade dieses Fischkind wird in der Geschichte zum Retter des gesamten Schwarms.

 

Ein Märchen, das konzentriert und spannend geschrieben ist. Die in sich geschlossene Handlung wird schlüssig erzählt und findet ihr Ende märchenhaft im Guten.

 

Themen wie Umweltverschmutzung der Meere, Anderssein und Mobbing und der Wert der Bildung werden kindgerecht aufbereitet. Welten, in denen sich Kinder, vielleicht größere, wiederfinden können. In diesem Sprachraum findet ihre Gegenwart statt. Das ist für Kinder nachvollziehbar. Die Hoffnung der Geschichte liegt im Ausweichen in ein anderes, neues Meer. Wir jedoch haben nur diese eine Erde. Darin findet sich ein menschlicher Konflikt, den ich gut herauslesen kann.

 

„Dodel“ wird als großherzig beschrieben: Er hilft, ohne zu fragen, wer ihm früher Übles tat. Weitere Werte wie Verzeihen können, Dankbarkeit und Glück finden ebenso ihren Platz wie den, unseren Lebensraum zu erhalten.

 

Dem Text wünsche ich, die Füllwörter wie: Sehr, noch, auch, schon und nun herauszunehmen. Dadurch wird die Geschichte gestrafft, verliert aber nicht an ihrer Glaubwürdigkeit. Sätze, die überflüssig scheinen und der Geschichte nicht helfen, wie z.B. „Ihr Leben war nie langweilig.“ kann man weglassen.

Um den Text lebendiger wirken zu lassen, empfehle ich, die wörtliche Rede stärker einzubeziehen. Besonders in den Schlüsselszenen des Textes machen sie das Märchen flüssiger. Zum Beispiel:

-   um den Gegensatz von den jungen Fischen und Dodel herauszuarbeiten

-   Das Lernen Dodels vom Professor kann tiefer beleuchtet werden.

-   „Er versprach, sie in ein saubereres Gewässer zu führen.“ = Dodel sprechen lassen

-   „Das Königspaar, das ihm das Leben verdankte, schämte sich.“ = Was sagt das Königspaar?

-   „Auch eine Frau hat Dodel gefunden.“ = dort den Satz beenden

 

Dieses Märchen ist mir im Gedächtnis geblieben. Ein Text, den ich meinen Enkelkindern vorlesen würde.

 

Annegret Winkel-Schmelz

Zu Petra Taubert: Anfang April 2020


Dieses Gedicht in drei Strophen, lese ich gern. Wohltuend die Thematik:

Interaktion zwischen dem hochbetagten Vater und seiner wissbegierigen, längst erwachsenen Tochter.

Er zeigt ihr den Vollmond wie einem kleinen Kind.

Ich denke an meine eigenen Kindheit als Achtjährige, als mir mein Vater im Sommerurlaub die Sterne erklärte. Ich dufte dafür länger auf bleiben.

Das habe ich nicht vergessen.

Petra Taubert ist es zu danken, solche wertvollen Lebensmomente

festgehalten zu haben.

Ich fand die Mondfotografie in meinem Briefkasten. Kurzzeitig glaubte ich, den Mann, der dort wohnen soll, zu erkennen.