Workshop Kreise ziehen


Workshop des Pelikan e.V. im Senioren- und Familienzentrum Steingrube 8 in Wernigerode


Kreise ziehen

 

Aus Gommern, Schermen, Niegripp, Wernigerode, Magdeburg und Halle begegneten sich Autoren zum herbstlichen literarischen  Workshop in Wernigerode.

Nach der Vorstellungsrunde bat uns Rolf Winkler zum Gruppenfoto ins Treppenhaus der wunderschönen Villa, die als Senioren- und Familienzentrum genutzt wird.

Die Leiterin Karola Stockmann begrüßte uns herzlich.

Im Anschluss begannen wir mit dem Programm.

Renate Sattler bekam zunächst Beifall zu ihrer Wiederwahl als Vorsitzende des Schriftstellerverbandes. Sie verriet uns in ihrem Vortrag, wie die Gedichte zu ihr kommen.

Da spielen Quellen, Recherche, Wortschöpfungen eine Rolle. Reime zwingen manchmal zu Worten, die nicht ganz passen. Darum wählt sie gern freie Rhythmen.

In ihren Gedichten schöpft sie aus dem Reichtum von Mythen indigener Völker. Sie stellte das Gedicht eines Maya zum Thema Zeit vor.

 

Humberto AK' Abal

 

Der Greis

 

Was ist das für ein Lärm?

Eine Uhr.

Wozu taugt sie?

Zum Messen der Zeit.

Wem ist so was bloß

eingefallen?

Die Zeit hat kein Maß.

 

Die Worte müssen fließen, sind nicht austauschbar.

„Mit den Augen trinken", das Bild gefiel mir besonders. Sie arbeitet auch mit Kontrasten. In ihr lyrisches Bild vom Weinberg dringt der Lärm der Welt.  Fluchtbilder von Aleppo fließen ein. Manche Gedichte fliegen der Autorin zu, an anderen arbeitet sie zwei oder drei Jahre lang. Im Magdeburger Dichterkreis Pegasus liest sie, wie andere Autoren auch, ihre Texte vor, um zu erfahren, wie die Kollegen darüber denken.


Nach einer Pause sprach Peter Hoffmann darüber, wie er seine Geschichten findet.

Verschiedene Ansichten und Blickwinkel in seinen Autorengruppen bereichern sein Schreiben und Denken.

"Man schreibt, um dahinterzukommen" brachte es Peter auf den Punkt. Schreiben hat auch einen therapeutischen Aspekt.

Für ihn ist Schreiben Lebenshilfe. Im Elternhaus gab es Gewalt und Alkohol.

Nach seinem Studium am Literaturinstitut Leipzig plagte ihn zunächst eine Schreibblockade. Er glaubte, den literarischen Ansprüchen nicht genügen zu können.


Nach der Mittagspause begann Rolf Winkler seine Texte vorzustellen, die er auf die Rückseite seiner großen Fotos geklebt hatte.

Thurid Winkler las uns ihr Märchen über Nüsschen vor, einen kleinen Burschen, den verarmte Leute in einer Nussschale gefunden hatten. Es wurde heftig über die einzelnen Figuren und über die Handlung diskutiert.

Brigitte Petzold hatte eine heitere Geschichte über eine Doppelgängerin mitgebracht. Sie bekam Hinweise, wie der Text zu straffen ist.

Gerhard Hardis trug seine Verse über einen Holzwurm und einen Hahn vor. Er brachte uns zum Lachen.

Jutta Bartling erzählte etwas zu ihren Bildern, die sie trotz Erkrankung malte. Anfangs hatte sie ihre Pinselhand festhalten müssen wegen des starken Tremors durch Parkinson.

Christa Beau ließ uns in ihrer Geschichte mit einem Ehepaar an einer besonderen Hamburg- Reise teilnehmen. Ihr Hotel befand sich auf der Reeperbahn.

Annegret Winkel-Schmelz hatte ihre Erinnerungen an Knackbeeren mitgebracht und was sie an Bildern aus der Kindheit in ihr auslösten.

Friedhold Tauts Geschichte über einen alleinstehenden Mann namens Jochen berührte alle. Eine leiser Text, aber genau beobachtet.

Dieter Lumme betrachtete in seiner Geschichte die Krümmung eines bestimmten Haares durch die Friseuse Adele. Eine Geschichte über absurde Angebote, die trotzdem ein Publikum finden.

Petra Taubert las ein Gedicht, das sie für ihr Patenkind geschrieben hatte, und sang ein altes Friedenslied mit einem eigenen Text. Im Gespräch wurde der Hintergrund der Aussage erfragt, um ihr gezielte Hinweise geben zu können.

Eva Haun las einen satirischen Sündenfall vor. Auch sie bekam konkrete Hinweise.

Christine Schulz, Ellen Schauerhammer und Hannelore Schulz versorgten die Teilnehmer.

Es war ein vielseitiger, lehrreicher und wunderschöner Workshoptag in Wernigerode, der allen Beteiligten unvergessliche Augenblicke ins Herz schrieb. Dafür danken wir den Helfern, dem Familien- und Seniorenhaus Steingrube und der Stadt Wernigerode.

Petra Taubert