Neue Prosa

Rolf Winkler

*er und sie*

Ihr gleichmäßiges Atmen zeigt ihm, dass sie fest schläft. Er schleicht sich hinaus, setzt sich an den PC. Keine Nachricht. Enttäuscht geht er zurück ins Bett.

„Du warst aber lange draußen“, empfängt sie ihn.



*ping-pong*

„ich“
„ich auch“

 „ich und du“
„ach ja du und ich“


„wir müssten mal“
„ja ja aber nicht heute“

 „kann es sein“
„natürlich“


„meistens sind wir einer meinung“
„ja wenn es deine ist“


„ich glaube“
„ich weiß“

Rolf Winkler

Er und sie

 

„Kann es sein...“, fragt sie

„Natürlich, immer kann etwas sein.“

„Kann es sein, dass in der Dose mit der Schokolade etwas fehlt?“

„Ach die“, antwortet er, “die war runter gefallen.“

 

 

„Wir kommen in ein Alter...“

„Kommen?“, unterbricht sie ihn, „wir sind.“

„Nun gut, wir sind“, nimmt er ihren Faden auf, „in einem Alter, in dem wir darüber nachdenken sollten, wie wir ohne uns.“

 

Sie setzen sich. Auf dem kleinen runden Tisch zwischen ihnen liegt ein Stapel Karten. Sie spielen miteinander.

Nach vier Runden dankt sie ihm dafür, dass er sie habe gewinnen lassen.

„Ich habe dich nicht gewinnen lassen. Ich habe einfach nur verloren.“

„Eben.“


„Musste es ein runder Tisch sein?“, fragt sie, nachdem sie seinen Text gelesen hat.

„Musste, ein runder hat keine Seiten und keine Ecken, er ist überall gleich.“

„Und warum ein kleiner runder Tisch?“

„Damit sie einander näher sind“, lächelt er und lässt seine Hand zu ihr gleiten.

Unser Badezimmer

Sigrid Lindenblatt

 

Mein Vater hatte nach dem Krieg eine kleine Kate durch die Bodenreform zugesprochen bekommen.

Es war ein Haus, in dem früher auch Tiere lebten. Um es bewohnbar zu machen, hatte er viel zu tun.

Das Wasserklosett, das durch einen Kessel im Keller betrieben wurde, war für damalige Verhältnisse schon etwas Besonderes.

Zu diesem Raum sagten wir Badezimmer, da ja vorgesehen war, auch mal eine Badewanne zu installieren.

Aber dann ging der Wasserkessel im Keller kaputt und damit war das Vorhaben in weite Ferne gerückt.

Nun musste bei jedem Toilettengang mit einem Eimer Wasser nachgespült werden.

Der Begriff Badezimmer blieb in unserem Sprachgebrauch.

Der Raum, in dem unsere Toilette stand, wurde immer mehr zur Abstellkammer.

Eine Wanne wurde nie rein gestellt.

Das Baden wöchentlich fand in einer Zinkbadewanne statt, die zu diesem Zweck in die Küche gestellt wurde.

In einem großen Topf wurde Wasser auf dem Herd warm gemacht, was sehr beschwerlich war.

Die Leute, die zu uns kamen, hatten natürlich immer gehört, wenn meine Eltern vom Badezimmer sprachen.

Und so nach und nach zog ja auch in die Dörfer der Fortschritt ein. Alle renovierten ihre Häuser außen und innen.

Nur bei uns tat sich nichts, weil meine Eltern nie das Geld dafür hatten.

Ich träumte ein Leben lang von einem Badezimmer.

Heute habe ich eine schöne Wohnung und ein Badezimmer mit Badewanne.

Ich genieße das jeden Sonntag.