Neue Lyrik

Sigrid Lindenblatt

Adventzeit

 

Advent …

das Jahr geht zu Ende.

Kalt ist es und es wird früh dunkel.

Die erste Kerze erwärmt mein Herz.

Bei Kaffee und Kuchen komme ich zur Ruhe.

Horche in mich hinein und spüre

die Sehnsucht der Weihnachtszeit.

 

 

Schon wieder ist ein Ende in Sicht

 

Ich liebe die Adventszeit

Ich wollte mich besinnen

Ich wollte zur Ruhe kommen

 

Nun ist sie zu Ende

Nun bin ich nicht zur Besinnung gekommen

Nun ist die Ruhe ausgeblieben

 

Bin wieder von Termin zu Termin geeilt

Bin den Stress nicht losgeworden

Bin nicht zum Rasten gekommen

 

Habe trotzdem etwas Zeit gefunden

Habe Kaffee getrunken bei Kerzenschein

Habe gelesen und geschrieben

 

Nun steht das Weihnachtsfest vor der Tür

Nun werde ich ausruhen und mich besinnen

 

Und …

ich werde mich von diesem Jahr verabschieden

Erinnere mich an schöne Erlebnisse und nehme mir vor

mit weniger Gepäck ins neue Jahr zu starten…

Annegret Winkel-Schmelz

hochzeitslied

 

du hast mich gesucht und gefunden.

in unsrer liebe sind wir verbunden.

 

geh nicht mehr allein im kreis,

weiß doch nur, was ich nicht weiß.

 

wege binden sich zum kranz

für diesen einen tanz.

 

kann wieder meine augen schließen,

auch tränen mal vergießen.

 

in deiner zauberhand

liegt mein lebensland.

 

gehe gern mit dir darin,

weil ich bei mir selber bin.

Petra Taubert

Gespräch


Sterben ist einfacher,

als so zu leben,

sagt er.

Es stirbt sich

nicht so leicht,

sagt sie.

Ich liebe dich.

Doch zaubern

kann ich nicht,

nur lindern.


Lass uns

gemeinsam

Wege und

Brücken finden.

Petra Taubert

Unser Baum

 

Gehegt und gepflegt

haben wir seit Weihnachten

den kleinen Nadelbaum

zuerst im Topf

in der Wohnung

dann auf dem Balkon.

 

Zum Frühlingsanfang

schenkten wir ihm

einen Platz an einem Ort

den wir oft aufsuchten

in unserer Jugend.

 

Er soll wachsen und gedeihen

an diesem Sonnenort

beschützt von zwei

älteren Bäumen in der Nähe

die ihm genug Platz lassen.

 

Nach einem halben

Jahrhundert endlich

pflanzen wir gemeinsam

einen Baum in die Erde

der Neustadt

in der wir uns

kennen lernten.

 

Der erste Höhepunkt

in diesem Frühling

am Wochenende

bei einem Ausflug zu

den Bäumen am Rand

der Stadt schenkte uns

glückliche Momente.

Lutz Sehmisch

Winter

 

kahle Zweige

weites Schweigen

klare Luft

über frischem Schnee

 

darunter neues Leben

Träume

still verborgen

eine Welt voll Sonne

 

Petra Taubert

 

Sterne aus Eis

Schneeflockentanz

vorm Fenster

 


Winterlied

Singvogel begrüßt

das milde Wetter


 

Freier Wohnungsmarkt

Verlierer bettet sich

zur Nacht auf Asphalt

 

 

Angelika Schirmer

Weihnachten 2018


Heilig Abend – und ich bin allein.

Ich fühl mich leicht und froh.

Ich bereite mir selbst ein Geschenk,

nämlich keinem böse zu sein.

Alle Welt singt heute von Frieden.

Ja, ich singe mit, denn ich habe ihn.

Äußerer Friede, welch ein Geschenk,

schon so lange ich lebe.

Doch der innere Friede ist mit

keinem Gold der Welt aufzuwiegen.

Ich habe keinen Stress.

Es gibt kein Geschrei, keinen Zank.

Ich muss nicht zwanghaft

eine freundliche Miene aufsetzen,

auch wenn ich heulen könnte,

nur weil Weihnachten ist.

Ja, mir fehlen

die leuchtenden Augen meiner Enkel.

Ja, ein Weihnachtsessen am Familientisch

würde mir gefallen.

Mein Weihnachtsessen steht auf dem Herd -

Suppe.

Sie wird mir statt der Gans

gut schmecken.

Ich mache, was ich will

und mir gefällt.

Zur Christvesper gehe ich in den Dom.

Dann höre ich das Weihnachtsoratorium

von Bach mit dem Dresdner Kreuzchor.

Das könnte ich sonst nicht.

Ja, mir geht es gut.

Die Gedanken sind bei meinen Lieben.