Gräser und vieles mehr

Thoralf Winkler

Ausstellung "Gräser und mehr"

 

Gräser in unterschiedlichen künstlerischen Formen sind in einer Ausstellung in der Galerie Süd der Feuerwache Magdeburgzu sehen. Anne Facius, Andrea Markus und Rolf Winkler haben sich auf unterschiedliche Art den Gräsern gewidmet.









 






















Nadja Gröschner, Anne Facius, Karin Tietz,

Rolf Winkler und Andrea Markus (von links).

 

Nadja Gröschner vom Magdeburger Kulturzentrum Feuerwache übergab nach einer kurzen Begrüßung die Moderation an Karin Tietz, die die drei Künstler interviewte und zu ihren künstlerischen Ansätzen befragte. Alle trugen dabei Mützen bzw. Kappen aus Gräsern, die auf den ersten Blick wie Pelz aussahen.

 

"Wir haben hier drei Künstlerinnen und Künstler, die sich mit Natur beschäftigen", stellte Karin Tietz zu Beginn fest und fragte in die Runde "Wie habt Ihr Euch denn kennengelernt?" Aus den Antworten war indirekt auch die Bedeutung von Ausstellungen herauszuhören, die eben nicht nur den Besuchern Kunst zeigen, sondern auch Künstler miteinander in Kontakt bringen. Denn letztlich hatten alle Antworten etwas mit Ausstellungen zu tun, die man besuchte und neues fand – was zugleich zeigt, dass die Kunst- und Kulturszene in Sachsen-Anhalt dann doch nicht so klein ist, dass jeder schon jeden kennt.

 

Die Textilgestalterin und Weberin Anne Facius wurde danach gefragt, wie sie zu ihren Ideen kam, Gräser zu verwenden. "Immer wenn ich sah, wie sich Gräser sanft im Wind wiegten, dachte ich 'da muss man doch etwas daraus machen können'". Zunächst waren es gewebte Stoffe. In der Galerie hängen einige Wandteppiche aus Gräsern, die zeigen, wie unterschiedlich sowohl das Material, die Grashalme und Rispen sein können als auch die daraus entstehenden Strukturen. Das macht Lust darauf, diese auch anzufassen. Anne Facius bittet aber darum, das nicht zu tun, jedenfalls nicht gegen den Strich zu streifen, weil sonst die Halme brechen können. "Die Mäntel aus Gräsern wollte erst keiner tragen, weil sie zu fest waren", erklärt sie, "da kam ich dann auf die Idee, Kappen und Kragen aus Gräsern zu fertigen". Durchbruch für die Gras-Kunst war dann die BUGA 2015 in Premnitz, als sie gemeinsam mit anderen in ihren künstlerisch gestalteten Gras-Kappen über das BUGA-Gelände flanierte. Bald kam das Interesse der Mode-Branche (sicher auch unter dem Blick auf die Diskussion über Pelze und Pelztierhaltung), es folgten Auftritte auf dem Laufsteg. Mit ihrer Bemerkung "... wo sonst nur die jungen und schlanken auftreten – und so jung und schlank sind wir alle nicht mehr" hatte Anne Facius die Lacher des Publikums auf ihrer Seite.

 

Über Andrea Markus sagte die Moderatorin, "sie verwandelt die Natur in 'Poesie in Farbe'". Ihre naturalistischen Bilder sehen beinahe plastisch aus, wenn sie Bäume malt, die beieinander stehen. Viele der Bilder sind mit der Technik der Enkaustik gemalt, bei der Farben mit heißem Wachs überzogen werden. Neben den Bildern stehen Vitrinen mit Schmuck aus Papier und Farbe. Filigrane Blätter oder Kügelchen aus Papier, bunt bemalt und gleichfalls mit Wachs überzogen werden zu Anhängern, Ketten oder Ansteckern. Bunte Leichtigkeit, die die Besucher staunen lässt.

 

Rolf Winkler hat diesmal Fotos mitgebracht, in denen Gräser, manchmal nur einzelne Halme zusehen sind. Auf die Frage nach dem Besonderen in seinen Fotografien antwortet er: "Für mich liegt das Besondere im Gewöhnlichen. So wie es heißt 'Schläft ein Lied in allen Dingen', so entdecken meine Augen etwas, die Kamera setzt das dann ins Bild und der Betrachter sieht darin vielleicht etwas ganz anderes. Was er dann aber sieht, das ist dann schon nicht mehr meine Sache, ich bin da schon raus."

 

Am Beginn der Vernissage standen Harfenklänge, gespielt von Samuel Winkler. Ein Stück minimal music von Philipp Glass, methamorphosis 1. In diesem ursprünglich für Klavier komponierten Stück perlten die Töne in sich wiederholenden, nur leicht veränderten Tonfolgen dahin. Um bei den Gräsern zu bleiben: so als ob der Wind über ein Getreidefeld streicht, dessen Halme sich im Wind wiegen. Später gab es noch Musik von Bernard Andres, Stücke aus einer nach Gewürzen benannten Kompositionsfolge. Zu hören waren Vanille und Pistache.

 

Am Schluss blieb es Nadja Gröschner noch vorbehalten, auf die Finissage hinzuweisen, verbunden mit einer Einladung zur Magdeburger Kulturnacht am 21. September, in die auch das Ende der Ausstellung eingebunden ist – dann mit einer Modenschau der Grasgestalterin (19, 20 und 21 Uhr). "Für nur zehn Euro können Sie alle 'Kulturinseln' in Magdeburg besuchen, und wenn Sie in Buckau sind, kommen Sie  auch bei uns vorbei!".