Die Magdeburger

Dienstag, 13.08.2019

 

Treffen der Magdeburger Schreibrunde

 

Zusammenfassung

 

Heute war das Treffen der Magdeburger Schreibrunde für jeden, der da war, sehr inspirierend. Als erstes großes Thema wurde von Angelika Schirmer der Weltüberlastungstag und die damit verbundenen Gefühle wie Angst, Wut, Ohnmacht angesprochen. Auch wenn man weiß, man tut selber im eigenen Lebensalltag, was man kann, um die Umwelt zu schützen. Der Einzelne fühlt sich zu klein, zu unbedeutend, als dass er etwas Wesentliches verändern könne – so kamen wir alle nach dem Vorlesen ihres Textes überein.

 

Aber genau das macht die Mächtigen mächtig und die anderen ohnmächtig – wie ich einmal in einem Interview von Bruce Lipton, einem amerikanischen Biologen, hörte. Jeder Mensch – so Lipton – habe die gleiche Macht wie sein Mitmensch. Jedoch geben zu viele Menschen ihre Macht an andere ab, weil sie denken, sie seien nicht wichtig genug. So werden die Mächtigen mächtig und die große Masse fühlt sich ohnmächtig. Ich frage mich: Wird das so bleiben?

 

Wir befinden uns an einem Wendepunkt, nicht unähnlich dem Ende der DDR. Udo Rupp berichtete in einem wunderbaren, als sehr realistisch empfundenen Text über seine Befürchtungen, Wünsche, Hoffnungen und auch Enttäuschungen in der Wendezeit. Von seinem ersten „Westbesuch“ ist ihm in Erinnerung geblieben, dass er das Begrüßungsgeld von100 DM bekam und dass er es anstelle eines 169 DM teuren Rings – „der nicht echt sein kann, weil er so billig ist“ - sondern für Bananen, Schokolade, Orangen und damals noch unbekannte Kiwis ausgab.

 

Die Ängste von damals hatten zwar andere Hintergründe als die von heute. Jetzt sorgt man sich um die Enkelkinder und darum wie sie in Zukunft auf der Erde leben können. Damals wusste man nicht, was nach dem Rauswurf aus dem Volkseigenem Betrieb noch vom alten Leben übrig bleiben würde.

 

Es entbrannte eine Diskussion darum, was damals zur Wendezeit alles schief oder auch gut gelaufen ist. Dabei stellten wir alle fest, dass jeder von uns etwas zum Thema beizutragen hat. Also beschlossen wir aufgrund des 30 jährigen Jubiläums der Wende, dass jeder für sich in den nächsten Wochen das aufschreibt, was ihn zu Wendezeit bewegt hat.

 

Als Gruppe hatten wir dann Kurzweil an einem gereimten Text über die Enkelin von Waltraud Eichmann, deren Ehemann im Urlaub auf Kuba für Stunden verloren ging und sich auf kuriose Weise wieder einfand.

 

Antje Reinhold schloss die Runde mit einem sehr tief durchdachten Werk über das menschliche Miteinander. Ich möchte es nicht weiter kommentieren und stelle es zum Schluss dieser Zusammenfassung als ein Beispiel für eine Auseinandersetzung mit sich selbst und den anderen Mitmenschen Antjes Text ein.

  

 

 

Antje Reinhold

Zum Thema Schuld

 

Um nicht schuldig zu werden, braucht es neben Wissen und Gewissen oft sehr viel Mut.

Zum Grenzen setzen etwa.

 

Die eigenen Grenzen erkennen und akzeptieren,

um loszulassen und nicht Dinge zu erzwingen, die letztlich uns und anderen schaden und so Schuld über uns bringen.

 

Und den anderen Grenzen setzen, damit sie uns wegen eines Fehlers nicht in der Schuld gefangen halten können.

Angelika Schirmer

Juli 2019 – Erdüberlastungstag

 

 

Meldung den ganzen Tag:

Alle natürlichen, regenerierbaren Ressourcen der Erde sind für dieses Jahr verbraucht. Das sind Erde, Wasser, Holz, Sand, saubere Luft.

Die Menschheit bräuchte 1 ¾ Erden, um zu überleben. Wir Deutschen benötigten mit unserem Lebensstil drei Erden.

 

Ich weiß, so wie wir leben kann und wird es nicht weitergehen. Diese Prognose, diese Zahlen erschrecken mich trotzdem.

Rein intuitiv denke ich, dass ich einigermaßen umweltbewusst lebe.

Wenn ich Lebensmittel kaufe, achte ich darauf, dass es regionale Produkte mit kurzen Transportwegen sind. Mein Obst und Gemüse kaufe ich auf dem Markt bei den Gärtnern aus dem Umland.

Ich esse kaum Fleisch und Wurst, obwohl ich kein Vegetarier bin.

Meine Wege in der Stadt mache ich mit dem Fahrrad oder zu Fuß.

Trotzdem verzichte ich nicht auf mein Auto. Es gibt mir ein Stück Freiheit und erleichtert mir Reisen, die mit Zug oder Bus auf Grund meiner Körperbehinderung mit Gepäck sehr anstrengend sind.

Sehr selten kaufe ich im Internet ein, eigentlich nur, wenn ich für meinen PC etwas brauche.

Lebensmittel landen bei mir nicht in der Mülltonne, höchstens die letzte Scheibe Brot, die nach zwei Wochen im Kühlschrank dann doch einige Schimmelflecken hat.

Die Liste könnte ich noch eine Weile fortsetzen, aber sie beruhigt mich nicht.

Nun könnte ich mich lässig zurücklehnen in dem Wissen, dass meine Lebenszeit in zehn, fünfzehn Jahren abgelaufen sein wird und ich von den voraussehbaren Katastrophen weitgehend verschont bleiben werde.

Aber ich habe Kinder und Enkel. Meine Enkel sind noch klein und haben, so hoffe ich, viele Jahrzehnte vor sich.

Dank der Berufe und des Fleißes ihrer Eltern wachsen sie in Wohlstand auf. Es fehlt ihnen an nichts und viele Wünsche werden erfüllt. Ja, ich als Oma mache auch große Geschenke und freue mich, dass ich es kann.

Meinen Kindern konnte ich es nicht. Fast jede Mark, die wir verdienten, floss ins Haus, das wir bauten.

Es ist notwendig, den Kindern Bescheidenheit zu vermitteln.

Wo und wie beginnt man, wenn zur Zeit noch alles vorhanden ist?

Die Kinderzimmer quellen von Spielzeug über. Und immer kommt neues und aktuelles hinzu.

Die Kleidung wird ständig ergänzt mit T-Shirts und Accessoires der aktuellen Comicserien. Die Geschenktische biegen sich.

Ein Enkel hatte jetzt Schuleingang. Es war ein schöner Tag. Doch mit den Geschenken war der Kleine völlig überfordert. Der überladene Tisch interessierte ihn gar nicht.

 

Wenn meine Enkel in den Ferien bei mir sind, nutzen wir Angebote für Kinder.

Wir waren im Elbauenpark, wo sie unter Anleitung einen Biberdamm bauten.

Was brauchten sie? Nur Material aus der Natur – Zweige, Erde. Die Kinder waren mit Freude dabei.

Ich war mit ihnen auch im Museum. Das Thema hieß – Wir bauen eine Stadt.

Die Kinder erhielten eine Holzplatte, worauf sie ihr Haus errichten sollten.

Zur Verfügung standen Verpackungsdosen aus Plaste und Pappe, Eierpackungen, Buntpapierabfälle, Klebstoff und Farbe.

Es war herrlich anzusehen, wie emsig und kreativ sie ans Werk gingen. Ihr Haus durften sie mitnehmen.

Mit welcher Freude matschen Kinder im Sand. Sie brauchen nur eine Schaufel, einen Eimer und Wasser. Da interessiert das teure Spielzeug nicht mehr, welches neben dem Sandkasten liegt.

Meine Frage ist: Wie können wir trotz der rasanten technischen Entwicklung, trotz unseres Komforts und Wohlstandes zu einem naturbewussten Leben zurückfinden?

 

Es ist richtig, dass sich in unserem Land Gedanken über den Fortbestand unserer Erde gemacht und Maßnahmen ergriffen werden.

Einer muss anfangen und es in die Welt hinausschreien. Vielleicht kann man die Abholzung der Regenwälder verhindern, indem auch Deutschland das Soja, welches auf den gerodeten Flächen angebaut wird, nicht mehr importiert, um die Rinder in der Massentierhaltung zu füttern und die Tiere dann auf tausende Kilometer lange Transporte verfrachtet, nach Asien oder Nordafrika, wo nur noch ein Teil lebend und in schrecklichem Zustand ankommt. Schluss mit den Mülltransporten in Entwicklungsländer, wo der Müll auf riesigen Halden oder im Meer landet. Technisch ist es möglich, nur noch biologisch abbaubares Verpackungsmaterial herzustellen. Der Verpackungsmüll könnte radikal reduziert werden, wenn...  Da könnte ich eine Menge Möglichkeiten anführen. Ich nehme zum Einkauf immer Stoffbeutel mit, und, und und...

Auch um das ungebremsten Wachstum der Weltbevölkerung mache ich mir Sorgen.

Wenn nicht schnell etwas geschieht, ist bald der Erdüberlastungstag schon im Januar erreicht.