Die Buchbesprechung

"Das dritte Ufer"

Zeitreise von Damals zum Heute

Annegret Winkel-Schmelz

 

Sofort, nachdem ich das Buch erhalten hatte, habe ich es gelesen.

Dem Vorwort von Prof. Dr. Margrit Pawloff habe ich nichts hinzuzufügen. So schreibt sie: „... Den Reichtum dieses Buches sehe ich in den ganz unterschiedlichen Handschriften und Macharten und in der Vielfalt der Themen. Und gemeinsam ist allen Beiträgen die Authentizität und die Bereitschaft, tiefliegendes Inneres Anderen schnörkellos mitzuteilen. Balance von Schwere und Leichtigkeit....“

Die Titelgeschichte „Das dritte Ufer“ von Klaus Krupa hätte ich gern noch weiter gelesen. Jedoch sticht sie den anderen, teils recht kurzen Texten gegenüber, heraus. Sie steht symptomatisch für alle Texte im Buch: Den Bogen stammen vom Damals in den Vierziger Jahren zum Heute. Ganz besonders eindringlich und nachdrücklich sind mir die Geschichten über Krieg, Flucht, und Ängste im Gedächtnis geblieben.

Elfriede Baldermann bringt eine besondere Sichtweise zum Klingen. Ja, natürlich gab es auch die Liebe in den Jahren, auch die komplizierte, die von einem eine Entscheidung fordert für oder gegen den Geliebten, obwohl einem anderen Treue geschworen. Da wird das Buch für mich sehr gegenwärtig.

Auch in den Texten über Gesundheit, Liebe und Alltag bekomme ich die Spannung in die Jetztzeit. Und das macht möglicherweise die größte Stärke des Buches aus: Es verbindet das Leben von vor knapp 75 Jahren mit dem Leben der Menschen heute.  Dies auf eine Art und Weise, die nicht aufdringlich appelliert und mit erhobenen Zeigefinger kommt, sondern im Flüsterton aufzeigt: So war es und das wollen wir nie wieder erleben. Ein stilles Mahnen und Erinnern an Flucht und Vertreibung, an Unglück und dennoch an Mitmenschlichkeit, gegenseitige Hilfe und Solidarität in den Wirren und Dramen des Krieges. Geschrieben von Zeitzeugen.

Besonders weise ich da auf die Texte von Horst Quillitsch „Fliegeralarm“, „Kriegsnacht 1945“ von Ursula Frotscher und „Mut“ von Peter Hoffmann hin. Gerade letztere Geschichte, die ich schon von anderen Veröffentlichungen her kannte, ist notwendig, auch in diesem Buch gelesen zu werden. Wie lebendig eine Vergegenwärtigung sein muss, macht Petra Taubert in ihrem kurzen, aussagefähigen Text „Brandgefahr“ deutlich.

Die jüngste Autorin Adina Heidenreich schreibt über eine verpasste, alltägliche Gelegenheit und spielt mit ihrem Text das was – wäre - wenn durch. Bis zum Ende hoffe ich als Leserin auf einen positiven Ausgang. Doch den kann es nicht geben. Deshalb bleibe ich in den Gedanken zurück:

Es ist immer noch am besten, sich auf sich selbst zu verlassen. Einfach zu machen, und um es mit Erich Kästner zu sagen: „Es gibt nichts Gutes außer man tut es.“ Der Spruch „Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum.“ kommt mir ebenso in den Sinn.
Insgesamt eine Anthologie, auf die Peter Hoffmann als Herausgeber sehr viel Fingerspitzengefühl verwendet hat, einen bunten Strauß der Facetten des Lebens, Liebens, des Mutes und der dazugehörenden Ängste und Träume vor mir auszubreiten. Möge das Buch viele Leser finden. Es hat sie verdient, vor allem, weil auch Lesevergnügen trotz des Teils schweren Inhalts nicht zu kurz kommt. Abwechslungsreich, kurzweilig sind besonders die Texte am Ende des Buches.

Die sensiblen Fotos des Fotografen Rolf Winkler ergänzen die Texte nicht nur, sondern begleiten die Texte in kunstvoller Form. Sie stehen für Eindringlickeit, vor allem, wenn man weiß, dass Rolf Winkler selbst voriges Jahr sein 80. Jahrgangs-Jubiläum feiern durfte. Auch hier kommen also die ganz persönlichen, zeitgeschichtlichen Sichtweisen des Fotografen im Verhältnis zu den Texten zum Tragen.


Glückwunsch zu diesem Buch, Peter.

 

„Das dritte Ufer“, Anthologie, Hrsg. von Peter Hoffmann, mit Fotos von Rolf Winkler, Edition Winterwork, 2019, ISBN: 9783960145837; 9,90 Euro