Das besondere Foto

Das besondere Foto

Fotograf: Rolf Winkler

Wer versucht, einen Text zu finden, der die Stimmung des Fotos trifft? Ihr kennt das Spiel.

Petra Taubert

Ein Prost auf die Zauberwurzel

 

Sandkörner gebunden in Glas

und Holzwurzel wie verbunden

genießen den Spaß

der folgenden Stunden,

 

in denen wir über Sinn

und Zweck grübeln,

dabei legte sie so hin,

wer will es ihm verübeln,

 

der Fotograf für ein besonderes Foto.

Jetzt können wir über sein Bild staunen,

Gedichte und Gedanken hören wir so,

die uns die Musen zuraunen.

Sigrid Lindenblatt

Natur im Glas

 

Ungewöhnlich

aber apart

 

So mach ich mir Gedanken

was der Urheber

zum Ausdruck bringen will

 

Gedankenlos abgelegt

oder …

 

Ein Flugobjekt

gelandet …

 

Ich bin

entzückt …

 

Rolf Winkler

 

es brütet im herbst

lässt küken im schnee flattern

mein ichweißnichtwas

 

Christa Beau

Schatzfund

 

Menschen gehen oft achtlos durch Wald und Flur.

 

Der Alltag versperrt die Sicht auf Schönheiten der Natur.

 

Einer wanderte mit weitem Herzen und offenen Blick,

 

fand ein Stück Holz mit besonderem Schick,

 

gab ihm Licht, im Gefäß einen eigenen Platz.

 

Nun ist es in seinem Haus ein bewunderter Schatz.

 

Martina Müller

Falten

 

Natur will gestalten,

beschert allem Alten

die Falten.

 

Der Mensch urteilt keck

und voller Schreck:

Sowas muss weg!

 

Lediglich Holz

erträgt sie mit Stolz.

Was soll‘s…

Steffi Obieglo

Abgestürzt

 

Bruchlandung

in Glas

Ikarus

wird nicht schlau.

 

Christa Beau

Der alte Baum

 

Nach vielen Jahren des Grünens, der Kraft im Stamm und dem Blattwerk, hat das Alter den Baum entkräftet. Morsch und blattlos verging seine Zeit. Feuerholz für den Kamin – dafür schien er noch gut zu sein. Die Axt lag bereit.

Da gab es ein Kind von elf Jahren, das wollte ihn nicht hergeben. Es stand einst mit der Wiege in seinem Schatten, ein grünes Dach über sich, roch die saubere, frische Luft, erfreute sich am Wippen der Zweige und jauchzte mit der Ehrlichkeit eines Kleinkindes.

Nun, wo der Baum seine Schönheit verlor, ihn keiner mehr beachtete, goss ihn das Kind regelmäßig, lachte und sang dabei die Lieder, die es damals lernte.

Dann geschah das Wunder. Über Nacht hatte sich ein grüner Zweig ins Licht gereckt. Erst war er ganz klein, wurde jedoch von Tag zu Tag größer. Plötzlich wuchsen mehrere grüne Zweige der Sonne entgegen. Das Kind legte die Axt in den Keller. Es schmückte den Baum mit Schleifen und hing bunte Eier daran. Es war Ostern, der Tag der Auferstehung.

 

Marion Krüger

einladung

hey

du

so allein

komm

trink

ein Glas Wein

schaust aus

als würdest

du tanzen gehn

tanzen

oh ja

das wäre jetzt schön

und schon

wärst du

nicht mehr allein

theofine

nachzügler

 

ein trockner ast

treibt frisches grün

aus einem zarten trieb

der reckt sich kühn

 

ganz unbeschwert

voll zuversicht

wird er widerstehen

sucht etwas licht

 

verwurzelt tief

im alten holz

lebt er ungebrochen

selbstbewusst und stolz

 

was aus ihm wird

er weiß es nicht

jäh sein leben endet

wenn der ast wegbricht

 

 

Sigrid Lindenblatt

Hoffnung

 

Fast schon aufgegeben

ruhen lassen

und abwarten

 

Es einfach aushalten

Geduld aufbringen

Ausdauer ist gefragt

 

Wer die Hoffnung

nicht aufgibt

wird belohnt

 

Rolf Winkler

 

septemberabend

gespräche bei bier und wein

ein rotkehlchen singt

Christa Beau

Vom Schicksal eines Weinglases

 

ein Gläschen Wein

das war ein Muss

rot wie die Liebe

süß wie ein Kuss

so sollte ich sein

 

dann kam Sie

sehr lockig das Haar

viel röter der Mund

blaue Augen so klar

Rock überm Knie

 

da stehe ich nun

völlig vergessen

werd' lange hier weilen

was soll ich nur tun

auf Sie

ist Er versessen

Sigrid Lindenblatt

Altstadt-Lesenacht

Ein Bein

Ein Wein

wo wird das sein?

 

Eine laue Sommernacht

bei Kerzenschein

verzaubert durch

Literatur und Gesang

 

Begeistert

den Zuhörer

denn sieh doch

er vergisst sogar den Wein.

 

theofine

altstadtlese

 

ein roter wein

ein linker schuh

ein sommerfest

ein prosatext und ein haiku

 

viele augen

viele ohren

viele lieder

gedankenverloren

 

tauchen wir ein

in diese stunde

treiben dahin

mit lachendem munde

 

Petra Taubert

Hoffnungsschimmer

 

Frisches Grün

auf morschem Grund,

spendet Hoffnung

in schwerer Stund.

Die alten Äste tragen

den kleinen Zweig gut,

er wächst aus ihnen

und schöpft Mut.

Was aus der Luft kommt,

gibt der Ast auch dem Baum.

Er reckt sich zur Sonne

mit seinem wilden Traum.

Martina Müller

Lebenswillen

 

Grün ist das Hoffen, der Zauber des Neuen,

zeigt Farbe, die alle Sinne anspricht.

Grün steht für Jugend, ist tauglich zum Freuen,

wenn voller Kraft es sich schiebt bis ins Licht.

*

So ist das Leben, beherzt und geduldig,

bemessen zwar, jedoch rastlos und zäh,

keiner Herausforderung bleibt es was schuldig,

ist grün die Erneuerung ganz in der Näh.

*

Aus Altem wächst Junges, der Boden kann tragen

und fruchten für nächste Generation,

so grün ist die Hoffnung, es schweigen die Klagen.

Freude wächst daraus dem Leben als Lohn.

Rolf Winkler

Haiku

 

ein schimmer hoffnung

vereint gestern und morgen

leise tschilpt ein spatz

Petra Taubert

o.T.

 

Den Kadarka abgestellt.

Viel tiefer und

berauschender ist die Welt,

in die mich

meine Schuhe getragen,

an diesen musikdurchtränkten

Literaturtagen.

Steffi Obieglo

Solide Basis

 

Neugierig reckt sich

junger Spross

zum Licht

im Schutz

alter Äste und Zweige.

Hier kann ich

Behütet

Wachsen und Werden.

 

Martina I. Müller

Augenblick

Ein Glas roter Wein,

daneben: DEIN SCHUH...

Wer schenkte da ein?

Und wer bist DU?

 

Warum steht er dort,

nur nebenan,

als wollte er fort?

Was er nicht kann.

 

Noch glänzt er im Glas,

schmeckt sicherlich gut.

Bereit für den Spaß,

will er ins Blut.

 

Die Gelegenheit

schenkt gelegentlich

die Stimmung der Zeit

und begleitet DICH.

 

Dient dem Augenblick

als Beiwerk, es kann

ganz anderes Glück

anschieben dann.

Marion Krüger

unverwüstlich

 

einst ein Ast am Lebensbaum

heut alt gebrechlich

und

man glaubt es kaum

immer noch lebendig

theofine

sonntag

 

kaffeebraunes morgenauge

nachtschleier verblassen

versinken aufgelöst

benommen folge ich

bis zum grund

ehe ich die muster verlasse

 

Marion Krüger

 

Tasche, braun, wie Kaffee

Vor mir die Tasse, der Kaffee

und mir fällt ein, als ich´s so seh

1959 mit Oma in Berlin

kurz vor meinem Schulbeginn

durfte ich den Onkel rasieren

hinterher einen Groschen kassieren

dort bekam ich meinem ersten Milchkaffee

auf den ich heute noch so steh

dann fuhren wir mit Straßenbahn

zu Verwandten irgendwann

da fragt mich einer nach meinem Brüderchen aus

ich rufe nur, der liegt noch im Kindertreibhaus

die Menschen in der Bahn

fingen laut zu lachen an

als wir Tage später heimwärts fahren

darf ich stolz meine erste Schultasche tragen

sie hatte die Farbe wie der Kaffee hier

deshalb kam diese Erinnerung mir

 

Sigrid Lindenblatt

 

Spiel

 

Der Kaffee spielt mit der Milch

Ein Kampf beginnt

zwischen Trennung oder Vereinigung

 

Es ist ein Spiel der Gewalten

wenn noch ein Löffel

zum Einsatz kommt

 

Der Kenner

erfreut sich am

Ergebnis

 

Rolf Winkler

 

chaostheorie

milch zum kaffee und schauen

tassenwiedehopf

Annegret Winkel

 

achja

 

zum tänzchentee

gibt’s milchkaffee

für die mime-mene-mume,

keusch wie eine mauerblume.

 

die bluse trägt sie hochgeschlossen,

im gesicht blühn sommersprossen.

doch einem herren fiel sie auf,

er kommt, sie sieht zu ihm hinauf.

 

ob sie ihm schenkt den nächsten tanz,

sie strahle aus so viel brillianz.

schüchtern schaut sie nur nach unten

in ihre tasse, der kaffeeblümchenbunten.

 

Petra Taubert

 

Genuss

 

Du anregender

belebender Morgentrunk.

Da lasse ich mir

sogar etwas weißmachen,

wenn ich dich

in der Tasse sehe.

Schwarz wie die Nacht

schmeckst Du mir

ebenso und auch

am Nachmittag.

Ich setze die Tasse

an meinen Mund

und genieße.

Steffi Obieglo

Schwindel

 

Eine runde Sache

unsere Beziehung -

dachte ich

als mich der Strudel

bereits erfasst

und in den Abgrund

gezogen hat.

Marion Krüger

Omarezeptur

 

wohlige Wärme

spüre ich

 

sehe hier gern

das Tee-Honig-Gesicht

 

sanft fließt es

in meinen Schlund

 

schwuppdiwupp

ich bin gesund

Rolf Winkler

Absurd

Er und sie laufen über ein verschneites Feld.

„Guck mal“, ruft sie, „ein Iger.“

„Ein was?“

„Ein Schneeiger. Ein Schneeiger ist ......“, beginnt sie zu dozieren. „Fotografier ihn! Vorsicht, hat scharfe Zähne!“

Er legt sich auf den Bauch und schaut dem Schneeiger durch den Sucher seiner Kamera in die Augen.

Klick.

„Du bist ein Held“, jubelt sie.

theofine

rumtreiber

 

wir bauen eine hütte aus schnee

die bälle runden sich zu walzen

werden zu dicken wänden aufgeschichtet

mach weiter mahne ich den freund

der sich die hände warmhaucht

er hüpft bibbernd von einem fuß auf den anderen

es wird schon dunkel

lichtschein fällt aus den stuben

eimer klappern im stall

schweine füttern kühe melken

wir sind nicht da

unsere hütte ist gut getarnt

du sollst nach hause kommen

ruft der bruder in den abend

mein freund will nicht mehr bei mir wohnen

er lässt mich allein zurück

kein dach überm kopf

ich werfe mich der länge nach hin

rolle mich hinunter auf die wiese

werde eine schneewalze

sollen sie mich doch suchen

wer bist denn du fragt die nachbarin

eine raupe behaupte ich

sie stellt mich auf die beine nimmt meine hand

zieht mich hinter sich her

bei sich zu hause angekommen

schält sie mich aus den sachen

stellt sie vor die tür wie eine rüstung

jetzt bist du gleich ein schmetterling

sagt sie reibt mich ab bis mutter kommt

rumtreiber schimpft die

drückt mich an ihren warmen körper

 

Marion Krüger

nie hoffnungslos

hier hängt es nun

mein Leben

oft schon an

seidenen Fäden

verstärkt gehalten

durch gebündelte Kraft

aber nie

hoffnungslos

Steffi Obieglo

Verdreht

 

Sich winden,

um sich neu zu erfinden.

 

Wo will ich hin?

Was gibt mir Sinn?

 

Ich strebe zum Licht,

finde es nicht.

 

Ich zieh mich zurück,

such´ woanders mein Glück.

 

AnneWinkel-Schmelz

 

schatten aus konturen

erschaffen figuren.

sind es skulpturen

bereit für amouren?

aus ihren spuren

entstehen staturen.

werden zu miniaturen

in literaturen.

gedanken für t.

 

sind miteinander verwachsen

wie unsere lebensachsen.

 

aus einem stamm gemacht

geben wir aufeinander acht.

 

aus einem holz getrieben

bist du mir ins herz geschrieben.

 

verwurzelt, um uns zu erden.

zu bleiben, zu wachsen, zu werden.

 

Rolf Winkler

 

Eine Art den Knoten zu beschreiben

 

In seinem Kopf ein Gemälde von Núria Quevedo:

„Eine Art den Regen zu beschreiben – Für Hanns Eisler.“

 

Er nimmt eine Kiefernwurzel, hält das eine Ende fest mit der linken Hand und windet das andere Ende mit der rechten Hand um eine gedachte Achse.

 

Der Anfang des Knotens ist gemacht.

 

Marion Krüger

 

die Mitte finden

in mir

 

ein steter Spagat

im jetzt und hier

Rolf Winkler

 

 

 

Er steht am Fenster und schaut in die Nacht.

„Komm zu mir“, bittet sie.

„Ich kann nicht, draußen brennt die Welt.“

„Komm, bei mir findest du Ruhe.“

 

Petra Taubert

Einfall in der Wanne

 

Sonne hinterm Mond

gut versteckt,

habe ihr Leuchten

trotzdem entdeckt-

natürlich nicht ohne

Schutz für die Augen,

damit sie auch morgen

noch zum Sehen taugen.

Wer sie finden will,

muss sich sputen,

eine Sofi dauert meist

nur ein paar Minuten.

Marion Krüger

Gefühl -Erleben

Freude - Enttäuschung

im Wechsel

Hoffnung - Verzweiflung

gehören dazu

Wärme und Kälte

im Leben

Gefühle rauf – runter

mal ich und mal du

 

Steffi Obieglo

Flüchtig

 

Lichter fliegen vorbei

Momentaufnahmen

Umrisse

Rastlos versäume ich

Was nie wieder kehrt

Und kann doch nicht bleiben.

 

 

 

Sigrid Lindenblatt

Angst

Der Boden erzittert unter mir

Ich bin wie gelähmt

 

Wo soll ich hin

Was kann ich tun

 

Ich bin allein und

Bleibe hilflos zurück

 

Annegret Winkel-Schmelz

 

Verwunderung

 

viel klarsicht

möchte ich haben:

 

was da so alles

durch den abfluss geht

möchte ich manchmal

nicht wissen

und manchmal nicht missen

bleibt doch

stets noch

gehalten

im strudel

etwas hängen

im trudel

des alltags drängt es dahin

wo der weg nicht aufhören will

weg scheint weg zu sein

vom licht ins dunkel fließt

nur wasser ergießt

 

sich in diesem foto und es kommt

kein sekundenkleber danach

 

Rolf Winkler

10. Mai

 

1933.

Scheiterhaufen in Berlin und anderen deutschen Universitätsstädten.

Teutschtümelnde Studenten werfen Bücher in die Flammen:

Wider den undeutschen Geist.

 

2017.

Deutsche Leitkultur hoch im Kurs.

Petra Taubert

Gedanken

 

1.

 

Brennende Seele,

Schrei in der Nacht

oder ist es Tag,

verdunkelt durch

entfesselte Raserei-

ein Alptraum.

 

Nadelstiche in

meinem Kopf.

 

Gott steh uns bei

singt Adel Tawil

fassungslos wie ich

über Krieg und Terror.

 

2.

 

flimmern im Wald

die Zauberfee und ihre Elfen

tanzen auf der Lichtung

Annegret Winkel-Schmelz

innen und außen

 

habe mich in mir

eingehängt

nun baumelt meine seele

gehalten

lose und doch

fest im griff

bleibe

im mantel der leuchte

abgeschirmt

vom draußen

 

Sigrid Lindenblatt

Rätsel

 

Bilderrätsel

ist gelöst –

Dank euch

Textfindern.

 

Nun sehe auch ich

den Strudel.

Und fühle das Chaos

meiner Gedanken.

 

Halte das Bündel

fest

in meiner Hand.

 

Fürchte

den Tropfen

im Ozean.

 

Steffi Obieglo

Winterbild

 

Sturm greift ins Geäst,

bricht morsches Holz,

wirft alles um sich

und zieht weiter.

 

Unbeachtet

hüllt der Winter

die Reste vom Chaos

in einen Mantel aus Schnee.

 

Ein Ast lugt hervor.

So verkleidet

erschreckt er mich.

 

 

Petra Taubert

Was tun?

 

Einen SchlangenDrachen

sehe ich im Schnee lachen.

Er scheint freundlich zu sein.

Darauf fall ich nicht rein,

hoffe es wird nicht krachen.

 

Im Schnee eine Schlange.

Mir wird ganz bange.

Bleib ich stehen?

Soll ich weggehen?

Wüsste ich was ich anfange!

Sigrid Lindenblatt

Fantasie

 

Ich sehe einen Ausschnitt

Kann ihn aber nicht deuten

 

Gehörst du zu einer Blume

oder zu einem weiblichen Körper

 

Ach wenn ich doch nur wüsste

was der Fotograf

vor seinen Augen hatte

 

 

Annegret Winkel-Schmelz

 

Bange Frage

 

durch kälte kriecht knüppel

aus dem sack

 

im schnee von gestern

gefährlicher frost

 

schlängelt sich lächelnd

ohne ende

 

fühlend frage ich mich - was

kommt da auf mich zu

 

Petra Taubert

Lösung

 

Kunstvoll verknotet,

ursprünglich verwendet für

Kriegsgerät -

der gordische Knoten.

 

Werden gordische Knoten

unserer Zeit durchtrennt

wie einst von Alexander dem Großen?

 

Oder werden wir sie

anders lösen lernen?

 

Sigrid Lindenblatt

Seepferdchen

 

 

Zu oft aufgetaucht

und gekämpft

 

Nun bin ich flossenkrank

 

Muss mal abtauchen

und mich zurückziehen

 

Mit neuer Kraft

und ganz frisch

 

Werde ich bald wieder

oben schwimmen

 

Sigrid Lindenblatt

Zuversicht

 

Kann den Himmel sehen

Kann Luft atmen

Kann mich strecken

 

Muss mich nicht klein machen

Muss nicht unter Druck handeln

Muss nicht mehr der Pflicht gehorchen

 

Bin frei wie ein Vogel

 

Annegret Winkel-Schmelz

 

 

in flammennacht

werden bücher umgebracht

 

ich kann es

mir nicht

vorstellen

und blicke

dennoch durch

 

Rolf Winkler

(Ver)wirrungen

„Kommst Du?“, ruft sie von draußen.

Er steht am Spülbecken, starrt in den Schlund.

Er sieht sich in den Strudel springen, hinabtauchen bis zum Grund, dem König den goldenen Becher zu holen.......

Gleichzeitig sieht er sich mit seinem Boot gefangen im Mahlstrom, dem Kreisen des Wassers im Trichter folgen, immer tiefer, immer schneller...........

Ihr „Komm doch endlich!“ holt ihn zurück.

 

Gisela Langer

Fragezeichen

Ich bin traurig.

Finde im Traum nicht

aus dem Wald der Gefühle.

Plötzlich sehe ich

Licht am Horizont.

Ist dort die Traurigkeit vorbei?

 

Rolf Winkler

 

bögen begrenzen

flächen suchen einander

verwirrend das spiel

theofine

brandnacht

 

aus dem lichtermeer

steigen mir schatten

in den traum

durchgeistern

meinen frieden

 

Petra Taubert

Anregend

 

Fläche geordnet

scheinbare Symmetrie,

Bögen formen Ahnungen

im engen Raum.

 

Fantasie zeichnet

sie weiter,

sieht Körper

und Wellen.

Geheime Botschaften,

vielleicht aus dem All.

 

 

 

Petra Taubert

 

Strudel

 

1.

Als Kind war ich

fasziniert vom

fließenden Wasser.

Dieser schöne Strudel.

Verzaubert saß ich

vor dem Abfluss,

folgte dem Wirbel

mit Blicken

wünschte ein Tropfen zu sein,

um zu ergründen,

wohin die Reise geht.

 

 

2.

Meine Zähne im Strudel

aus der Hand gerutscht,

folgen dem Wasser.

Das wird Arbeit machen!

 

Marion Krüger

Winterfreude

 

kleiner Schneewurm

Grinsefee

kriecht freudig

durch den kalten Schnee

hui was für ein Spaß

strahlt aus dem Gesicht

Grinsefee der Kleine

fürchtet Kälte nicht

 

 

Gisela Langer

Fragen

 

Wer bin ich

Was bin ich

Bin ich ein Wurm

Ein Alien aus dem All

Ich weiß es nicht

Sigrid Lindenblatt

Winter - schlaf! …

 

Was guckt denn da

aus eisigem Schnee

 

Mir ist kalt

Sehne mich nach Wärme

 

Ich krieche zurück

und halte Winterschlaf

 

Petra Taubert

 

Milchglas

eingeschränkter Blick

auf meine Welt

 

Wetterwechsel

hinterm Schneeschleier

ahne ich Weite

 

Marion Krüger

Planänderung

mal klar mal trüb mein leben

ich plan das neue Knie

gerade eben

 

denkste

schreit die Hand erst komm ich

denn für das Knie

da brauchst du mich

Claudi Knoll

Abendgedanken

 

nicht nur

warm bin ich

nicht nur

klar

bin kalt und rauh

und dumpf –

fass mich nicht an!

ach was

bin doch

warm

bin helle

meistens

und so gern

bei dir

sag, klingt das rund?

 

Sigrid Lindenblatt

Trennung …

 

 

Das ist es, was mir als erstes in den Sinn kommt.

Trennung von links und rechts

Trennung von oben und unten

Trennung von Nähe und Weite

 

Oder

 

Zusammenführung von allem auf festen Boden

 

Ruhe zieht ein

Ausstrahlung von Stille am fernen Horizont

Verbindung und Zuflucht von allem was trennt

 

Rolf Winkler

 

dies- oder jenseits


erwartung gepaart mit furcht


die kugelwelt lockt

 

Sigrid Lindenblatt

 

KUGEL …

 

Das Leben

Rund wie eine Kugel

Sorgen und Leid prallen ab.

 

Das Glück strahlt

in der Sonne

 

Mein Leben

oft eckig und kantig.

 

So bin ich eben.

 

Reibung

erzeugt Spannung

Langeweile –

Was ist das?

 

 

Blick in den Morgen

 

Hell

treffen mich

die Sonnenstrahlen

machen mich glücklich

der Tag

wird gelingen

 

theofine

universum

 

die welt hat sich gebettet

erwartet still die nacht

an eisen festgekettet

nur ein auge wacht

 

unterm winterlid

runden sich die zeiten

wir sind was auch geschieht

gefangen in den weiten

 

Annegret Winkel-Schmelz

Im Januar 2017

 

eine kugel unserer erde gleich

geteilt in eine süd- und nordhalbkugel

links und rechts wissen, was zu tun,

sie bewahren, erhalten - mich erhellt

 

sonne auf der einen -

schnee auf der anderen seite

festgehalten im bild – magische sphären

unserer welt

 

raum in magie im foto

nussschalengleich spiegelt minierde

wohin ich auch schaue -

inmitten allem schützendes familienzelt

 

Annegret Winkel-Schmelz

im runden aufgehen

 

im kreis halten

in sicherheit wiegen

im raum spiegeln

im rahmen bleiben

im glück erkennen

im verlangen hoffen

im bild versinken

im sinn verstehen

 

allem vertrauen

 

Rolf Winkler

haiku

 

himmel und erde

miteinander verbunden

verloren die zeit

Steffi Obieglo

Klare Linie

 

Unendlich

schön

die Elemente.

Ich liebe

Himmel und Meer.

 

Mein Horizont

ist endlich.

 

Angewurzelt

stehe ich

wartend und wachsend

den Wettern trotzend

am Abgrund.

 

Dezember 2016

 

Petra Taubert

Ansichten

 

Es ist ein Buchrücken,

dachte ich zuerst.

Wo ist der Titel,

fragte ich mich,

bis ich erkannte,

dass hier ein Baum

Himmel und Meer

in mir vereint.

 

Marion Krüger

Ungewissheit

 

im Hier

Herbstende

im Jetzt

bereit zur Jahreswende

in naher Ferne

neues Jahr

 

ungewiss

 

wird's

wie das alte war

 

Dezember 2016

 

Steffi Obieglo

Beschwörung

 

Magische Kugel, wie wird das Jahr?

Was soll ich in dir sehen

und

wann wird was wahr?