Das besondere Foto

Das besondere Foto

Fotograf: Rolf Winkler

Wer versucht, einen Text zu finden, der die Stimmung des Fotos trifft? Ihr kennt das Spiel.

Auf dieser Seite beginnen wir nun erneut zu sammeln. Wie üblich beginnen wir mit dem Dezemberfoto.

Ich freue mich auf eure Texte und grüße herzlich!

Thea

Rolf Winkler

Ein Spiel

Man nehme ein Ahornblatt, lege es auf den mittleren Abschnitt des Elberadweges, lasse im Verlaufe von drei Monaten 5627 Räder darüber rollen, löse das Blatt sorgfältig vom Asphalt, färbe es rot und streiche es auf feines weißes Linnen.


Danach singe man mit klarer Stimme:

O Canada! Our home and native land!
True patriot love in all of us command...


oder auch:


Ô Canada! Terre de nos aïeux,
Ton front est ceint de fleurons glorieux!...

Petra Taubert

Das Blatt


Sturmgebeutelt

liegt es da,

müde und kraftlos,

noch nicht

vergangen.


Nicht weg geworfen,

sondern weit geflogen

im und gegen

den Sturm.


Sichtbar, wenn

auch mit Blessuren,

verrät dir die Form

von welchem Baum es stammt.



Kinderspiel


Ahornblatt auf Asphalt

fühlt sich einsam und kalt.

Ein Kind hebt es auf und pustet,

freut sich, wie's fliegt und prustet.



Mitbringsel


Ahornsirup lecker zum Tee

und auf Eis

als Mitfliegsel aus Kanada

nach dem Urlaub.

Eigenwillige Süße

aus dem Land mit

dem Hufeisenfall

am Niagara - Fluss,

lässt mich schwelgen

in Erinnerungen.

Und endlich finde ich Ruhe.

Nun folgen Gedanken,

den Flügen und der Fahrt

entlang der Ostküste der USA,

festgehalten mit Stift und Tastatur.

Petra Taubert

Seepferdchen-Tango

 

Im Seegras tanzt

das Hippocampus Paar

schwungvoll auf und ab,

immer wieder

neugierig aufeinander

wiegen sich diese Wunderwesen im Takt.

 

Die Männchen

werden trächtig nach dem

Balztanz der Weibchen.

Steffi Obieglo

 

 

Mit geschwollenem Kamm

lauernd

Wer wagt den ersten Schlag?

Steffi Obieglo

Am Fenster

 

Der vergangene Sommer,

trocken und heiß,

lässt Flora und mich

noch immer

nach Wasser lechzen.

 

Flüsse rinnen

auf Sparflamme,

geben Einsicht in ihren Grund

begierig darauf

die Geheimnisse ihres Bettes

wieder schamvoll zu bedecken.

 

Ich stehe am Fenster,

bestaune die rinnenden Tropfen,

die einmal zum Fluss werden sollen,

als sähe ich sie zum ersten Mal.

 

Es zieht mich nach draußen,

den Regen zu spüren.

Die nasse Dezember - Kälte lässt

mich schaudern

und treibt mich wieder ins Haus.

 

Elisa Schim

Durchblick

 

Da schau ich in die Welt hinaus,

wie sieht sie heut so magisch aus.

 

Und durch der Wassertropfen Schicht

erkenn ich was und manchmal nicht.

 

Doch diese Ungenauigkeiten

zeigen mir ganz andr’e Seiten.

 

Sie sagen mir: Was soll das nutzen?

Ach, ja, ich wollte Fenster putzen!

 

 

 

Rolf Winkler

Er und sie

oder

Seepferdchens Traum

 

Bei jeder Begegnung sträuben sich ihnen die Haare.

Sie verharren einander gegenüber einen ganzen Tag.

Doch dann, irgendwann des nachts

regt sich Neugierde in ihr.

Vorsichtig macht sie einen Annäherungsversuch.

Ihm, anscheinend unberührt,

hüpft das Herz im Leibe.

Sigrid Lindenblatt

Wilde Tänzer

 

Mit Eleganz und Geschick

drehen sie ihre Runden

 

Werfen ab

den Ballast vom alten Jahr

 

Mit kräftigen Sprüngen

beginnen sie Neues

Dorothea Iser

himmelswesen

 

raum und zeit verloren

halten sie aneinander fest

ohne sich zu erreichen

und können nicht voneinander lassen

Annegret Winkel-Schmelz

zwei beide

 

seid ihr zwillinge aus granteln

schwingt auf und nieder schwerelos

ähnlich wie in meiner fantasie mit tentakeln

wippt jeder virtuos

 

in oase gleichklang

das neue jahr anzutanzen

höre ich leisen gesang

um sichten einzupflanzen

Annegret Winkel-Schmelz

bin traurig

 

wie verwischte blätter hinter glas

fällt mein weinen

aus allen wolken

 

lebensmut ergibt sich

meiner liebe

im dasein mit dir

Sigrid Lindenblatt

Dezemberregen

 

Regen … brr … kein Wetter für mich.

Ich bin im Trocknem und fühle mich wohl.

Da kann draußen die Welt untergehen.

 

Weihnachten war trüb und nass.

Es glitzerten

nur die Lichter am Weihnachtsbaum

 

Wie immer, war ich auch in diesem Jahr allein.

Hatte Momente zum Ruhen und Besinnen.

Viel zu schnell verging die Zeit.

 

Heute scheint die Sonne.

Vor Morgen …

ist mir nicht bange!

 

dorothea iser

fensterbild

 

regenblind

sehe ich klar

was verschwimmt

glaub mir

ist wahr

 

hinterm fenster

bloß und nackt

ein bleicher leib

verschmilzt

im akt

 

Petra Taubert

Regenlied

 

Regen klopft

an mein Fenster.

Er trommelt

seinen Takt

zum Gedicht

und vertreibt

den Winterblues.

 

Ich summe

unbeirrt

meine Lieder

in den Sturm.

Dann wage ich

mich an einen

neuen Text.