Das besondere Foto

Das besondere Foto

Fotograf: Rolf Winkler

Wer versucht, einen Text zu finden, der die Stimmung des Fotos trifft? Ihr kennt das Spiel.

Petra Taubert

Steingesicht?

 

Ein Schneckenhausdach

lugt aus dem Stein mit Loch

wie ein Zwiebelturm.

 

Ist das Haus

noch bewohnt

oder wurde es gesammelt

an einem Urlaubsort?

 

Hat sich etwa die Schnecke

satt gefressen an Setzlingen

und ruht aus am Rand

vom Blumenbeet im Stein?

 

Oder ist es die neckische Idee

eines Kindes, das dachte:

Der Stein hat ein Ohr,

Nun fehlt ihm die Nase.

 

Augen und Mund,

finde ich auch hier

im Zaubergarten:

Fertig ist das Steingesicht.

 

Stefanie Obieglo

Fatale Botschaft

 

Mein Kind, ich ziehe einen Kreis um dich

zum Schutz.

Du darfst ihn nicht verlassen.

So bin ich stolz auf dich.

 

Als ich hinaus ins Leben ging,

blieb dieser Kreis

und ließ mich nicht

aus meinem Schatten treten.

 

 

Martina Müller

Fehlversuch

 

Es sind die Dinge

nie das, was sie scheinen,

denn wenn das ginge,

wären zu einen

Wort und sein Gehalt,

Bild mit Gestalt.

 

Das Rätsel zwingen

und darauf dringen

den Sinn zu erkennen,

um es zu benennen,

erzeugt Rederei

um heißen Brei.

Pia Monika Nittke

An den Brüsten dieser Erde

 

spiegelt sich so manches “Werde”.

Sonne brennt zum Steinerweichen,

kann den fernsten Stein erreichen.

Dieser wirkt absonderlich -

fragt versteinert: Wer bin ich?

Martina Müller

Ungenormt

 

Niemals an Formen gebunden,

flexibel und willig zugleich,

können die Hände ihn runden

und ihn kneten, den Teig.

 

So wie den Geist, den das Lernen

erst bringen kann zur Toleranz,

die Wege eröffnet zu Sternen

und zum gemeinsamen Tanz.

 

Sehen und staunend erkennen ,

anpassen und formbar sein -

für seine Aufgaben brennen,

und niemals werden zu Stein.

 

 

 

 

 

Martina Müller

Vergänglichkeit

 

Es war feindlich wohl der Ort,

Dürre, die sehr quälte -

schnell ist dieser Zweig verdorrt,

weil ihm Wasser fehlte.

 

Kleine Glöckchen, lebensfroh,

blühten in den Himmel -

aber ach, das Risiko

kostet ihr Gebimmel.

 

Ihres Daseins schnöd beraubt

mussten sie vergehen -

selbst wenn sie das nie geglaubt

und auch nicht verstehen.

 

Was von ihnen übrig blieb

ist nicht zu verwenden -

alter, trockner Hutzeltrieb,

so wirst du nun enden.

Sigrid Lindenblatt

ausgetanzt

 

Einst hast du

die Taille

einer Tänzerin

geziert.

 

Aus Leder

und mit zarten

Blumen

geschmückt.

 

Es ist still

geworden.

Sie tanzt

nicht mehr.

 

Bist ja nur

ein Gürtel

und hast wie deine Trägerin

ausgetanzt.

 

Unbeachtet

liegst du

nun da.

 

Marion Krüger

Ein Laib Leben

vom Leben geknetet

vom Leben gewalkt

Seele zerschunden

von Gewalt

hast auch Liebe empfangen

sie keimt in dir

gibt dir Halt

Petra Taubert

Symbolsprache

 

Verblüht

und doch

so schön

einzigartig

formen Stengel

und Köpfchen

ein Herz,

das Liebe beschreibt,

die auch im Herbst

wundervolle Momente

gelebter Zweisamkeit

findet und bewahrt,

einander verbundene

Seelenherzen

verschmelzen lässt

zu einem wir.

Crista Beau

Wandelbar

 

„Weißt Du noch?!

Damals als der Sommer sehr heiß war.

Wir beide träumten unter einer Sternenschar.

Korn duftete, das Feld die Reife gebar.

Deine Lippen schmeckten wunderbar.“

 

"Ich weiß Liebste!"

Runzlige Hände streichen über ihr graues Haar.

„Ja, wir machten unsere Träume wahr.

Die Blüten des Strauches dufteten rein und klar.

Sie sind wie wir – auch wandelbar."

 

Stefanie Obieglo

Alpha und Omega

 

Als Du geboren wurdest

Schien die Sonne

Für dich und für mich.

Wie das Wetter draußen war, weiß ich nicht mehr

Blumen blühten ringsum.

 

Viele Jahre sind vergangen.

Ich hielt die Blumen am Blühen

für dich und für mich.

Bis gestern, als der große Regen kam,

der in mir alles verdorren ließ, was ich retten wollte.

 

 

 

Annegret Winkel- Schmelz

 

junges paar

 

hochfliegend beide

frische jugend bindet sie

strauß zum hochzeitstanz

 

fünfzig jahre später:

 

miteinander alt

geworden sind sie noch da

auch der blumenkranz

Rolf Winkler und ein Janosch-Zitat

Reinheitsgebot:

 

Mehl, Wasser, Salz,

zwei kräftige Hände,

Zeit und viel Geduld

einen Ofen für die Kruste.

Frösche, Krebs und Fisch,

Kinder, kommt zu Tisch.

 

 

Thurid Winkler

Brotzeit

 

es ist sauer

dann teig

jetzt brot

es duftet

es ist alle

nun bin ich sauer

 

Rolf Winkler

Metarmorphose

 

Auch ohne Müllerstochter wandelt sich die Blüte in einen güldenen Reif mit schillernden Glöckchen für die Schöne.

 

Steffi Obieglo

Früher

 

Kuchenteig kneten –

Oma, warum nimmst du nicht den Mixer, geht doch viel schneller und leichter.

Ach lass mal.

Ich habe Angst vor der Technik. Mein Kuchen ist doch auch so immer prima geworden, oder?

 

Heute

Oma, ich habe dir ein neues Handy mitgebracht. Damit kannst du viel mehr…..

Ach lass mal.

Ich komme mit der Technik nicht klar. Ich will doch nur zur Sicherheit mal telefonieren können.

 

Morgen?

 

Petra Taubert

Zwei Hände voll Ton

 

Durchgeknetet und

ein paar Mal

auf den Tisch geworfen,

um ihn formbar zu machen,

den Tonklumpen,

dann weiter kneten,

bis er bereit ist

für den nächsten Schritt.

 

Ich sehe eine Vase

oder einen Krug,

vielleicht wird es

auch eine Schale.

Eine freie Skulptur

könnte ich erschaffen

aus dieser Gabe der Erde

und meiner Fantasie.

 

Peter Hoffmann

 

Da entsteht etwas

Wir sind noch ohne Ahnung

Und es wächst und wächst

Martina Müller

Im Wellengang

 

Grün wie die Algen, wie Schlick in der See,

gekämmt von den Wellen durch gütige Fee,

beschwingt und gewunden steckt Leben darin.

Wo ist der Frosch? Wo sprang er hin?

 

In jedem Bild, das man ansieht, wohnen

die vielen Assoziationen,

die sich im Kopf dem Betrachter erschließen

und dann bei Licht auf Papier sich ergießen.

 

Jeder pflegt anders und eigen zu sehen,

doch es ist alles - erklärt - zu verstehen,

mein Frosch hat gedrängelt, ich sah ihn genau.

Doch nun ist er weg ... sprang aus Grün bis ins Blau.

Annegret Winkel-Schmelz

Backrezept

 

ich back mir einen mann

von stattlicher statur.

was er alles kann

zeigt er in natur.

 

muskeln prall ganz ohne fett,

ohne bauch und tadel.

ist er doch nicht ganz komplett

fehlt ihm noch sein adel.

 

den form ich zum guten schluss

schieb in den ofen ihn hinein,

denn braungebacken ist ein muss.

ich beiss ihn an, nun ist er mein.

 

Sigrid Lindenblatt

Warmes Brot

 

Das warme Brot,

das ich als Kind

so liebte

es roch schon von weitem

aus des Bäckers Backstube.

 

Dunkel und knusprig

musste

die Rinde sein,

dann biss ich

mit Freude hinein.

 

Auch heute mag ich

das knusprige Brot

am liebsten mit Schmalz.

Hoffentlich kann ich

noch lange gut zubeißen.

 

Christa Beau

Unvergesslich

 

Ich sehe Mutters Hände Teig kneten. Stollenteig für sieben Kinder. Die Zinkbadewanne, in der wir sonst am Wochenende badeten, blinkt wie nie zuvor. Mehl haftet an Mutters Händen bis fast zu den Ellenbogen. Sie stöhnt als ihre Finger immer und immer wieder den Teig wenden. Es duftet nach den verschiedenen Backzutaten und heimlich nasche ich von dem Teig, der da gehen muss. Dann darf ich die Stollen mit Mutter zum Bäcker tragen. Ich bin ja die Große.

Nur einmal im Jahr kneteten Mutters Hände Teig.

Annegret Winkel-Schmelz

 

sonne im grünglas

hoffe auf frühling

in mir tanzt vorfreude

 

 

Petra Taubert

Grünes Licht

 

Nervenzellen

in einem Gehirn,

das immer wieder neu

verblüffend verknüpft

und erfindet.

Steffi Obieglo

Säfte sprießen

 

Mit jedem Sonnenstrahl

schießt grünes Blut

durch alle Adern.

 

Reckt euch!

Zeigt euch in allen Farben

Die Frühlingssinfonie beginnt.

 

Sigrid Lindenblatt

Frühlingserahnen

 

Schnee und Eis weichen

Sonne wärmt die Erde

Das erste Grün zeigt sich

 

Kann Stiefel und Mantel

in den Schrank verbannen

und fühle mich wieder frei

 

Mein Tulpenstrauß

auf dem Tisch

lässt den Frühling erahnen

 

Marion Krüger

 

grün


wie herrlich


Sehnsucht nach Frühling


entsteht



 

grün


wie wohlig


spür zartes Erwachen


allen Lebens

 

Rolf Winkler

Das Labyrinth

 

Er tritt ein, geht zum ersten Knoten, wendet sich nach rechts oder nach links, geht weiter zum nächsten.

Sie wartet am Eingang. Drei Jahre. Dann bemerkt sie: er hatte ihren Faden vergessen.

 

Martina Müller

Dekoration

 

Ohne Inhalt ist leer die Hülle,

ohne den Ton bleibt gläsern die Stille,

ohne Gesicht nur bizarres Sein,

ohne Gewicht scheint der blanke Schein.

*

Ein Jedes ist an Ergänzung gekoppelt,

auch wenn der Spiegel das Abbild verdoppelt,

bleibt leer die Gestalt ohne Leben darin,

ist Überbleibsel befreit vom Sinn.

Steffi Obieglo

 

Er waren einst zwei Typen, sehr auf ihr Aussehen bedacht, lebten sie in einem Spiegelhaus.

Jeder wollte der schönste sein. Im Streit darüber fragten sie einen Dritten, doch der lachte nur laut.

Warum? Die Typen waren Zwillinge – eineiig.

 

Petra Tauberts

Genüsse

 

I

Nusslich und Nusseline

betrachten sich im Spiegel

sind zwei und doch eins

Ein schönes Nusspaar

sind wir, sagt sie.

Komm lass uns tanzen!

Darf ich bitten, sagt er.

Anmutig schweben sie

über den glatten Boden

der ihre Bewegungen doppelt.

 

II

Knacks, sagte die Nuss,

mit dem Verschlossensein

ist jetzt Schluss.

 

III

Es ist wie verhext.

Ich lieg auf dem Spiegel

und du schreibst einen Spiegeltext.

Peter Hoffmann

 

 

Sie schrei'n nach Liebe,

sind zu zweit und doch allein:

Schalen ohne Kern.

Marion Krüger

 

 

Grinsend schaut mich

das Böse an

Fratzen verziehn

ihr Gesicht

Du liegst leidend

neben mir

nur helfen kann ich

Dir nicht

Thurid Winkler

Der Chor

 

„Reißt die Mäuler nicht so weit, sonst wird’s nicht die Ewigkeit!“

Ach, wie hat sich doch der Bürgermeister van Bett mit seiner Gemeinde abgemüht, den Zaren würdig zu empfangen.

Und jetzt habe ich diese kleinen schreienden Kerle vor mir. Jede Mühe der Stimmbildung ist bei ihnen vergeblich. Sie lachen mich an, als wüssten sie alles besser. Gebe ich ihnen das „a“, fängt jeder mit einem anderen Ton an. So wird nie Musik daraus. Ich gebe auf.

 

Rolf Winkler

Schreihälse

 

Zwei Tenöre im Rampenlicht

mühen sich um’s hohe C.

 

“Bravo!“, ruft es im Publikum,

übertönt vom lauten „Buh!“.

 

Annegret Winkel-Schmelz

in geisterstunde

 

 

im spiegelkabinett

sind nüsschen

im munde

 

als delikatesse

gibts schalenküsschen

blanke rafinesse

 

lachendes bankett

am buffett

in tafelrunde

 

theofine

gruppendynamik

 

auf dem tablett serviert

sind die beiden

schon zu viert

und leiden

 

oder singen sie froh

aus voller brust

frag ich so

hätts gern gewusst

 

nichts ist wie es scheint

hier wird krakeelt

weil vereint

oft inhalt fehlt

 

Christa Beau

 

 

singen Zwei im Duett

sie sind dabei kokett

ich finde das sehr nett

ruft die schöne Bernadett

schreibt ein Triolett

und spielt auf dem Spinett

nun sind sie ein Terzett

Sigrid Lindenblatt

Fasching

 

Erinnerungen

an Ausgrabungen.

 

Makabere Süßigkeiten

in Masken.

 

Ein Spaß

im ernsten Leben.

 

Christa Beau

 

Im Laternenlicht

zwei Lippenpaare flüstern

in die Nacht

Annegret Winkel-Schmelz

Januar

 

Gleißendes Nachtlicht macht Verwobenes sichtbar.

Ich habe mich durchzukämpfen dieses Jahr vom Dunkel zum Licht – eine denkbare Botschaft.

Dort, wo Dunkel ist, findet sich auch Licht – so eine mögliche andere.

Der Scheinheiligen Schein jedoch ist nicht verjährt.

Wünsche mir den Geist der Weihnacht zurück.

 

Was ist das, fragt sie und zeigt auf das Bild.

Ich weiß es nicht.

Aber du hast es doch fotografiert.

Was ich fotografiert habe, das weiß ich. Danach hast Du aber nicht gefragt. Was auf dem Bild ist, das weiß ich nicht; noch nicht. Wenn ich es herausgefunden habe, vielleicht morgen oder in drei Jahren, sag ich es Dir, vielleicht mit einem Haiku. Oder auch nicht.

 

Rolf Winkler

 

glühwürmchen tanzen

mitten im sommerwinter

blühen drei veilchen

 

Sigrid Lindenblatt

Abendstimmung

 

Ein Licht

am Abend

hilft mir

den Weg

zu finden

 

Aber

 

Ich gehe und gehe

komme nicht an

Mein Tag ertrinkt

in der Nacht

 

theofine

verführung

 

die nacht wirft ihr netz aus

mit offenen armen

und wehendem haar

leuchtet die wächterin

verheißungsvoll

trunkenen faltern

 

Steffi Obieglo

Rau-Nächte-Traum

 

Hinter Laternenschein

baut sich Verwobenes

gespenstisch

mit breiten Armen auf.

 

Der Anblick ängstigt mich.

Ich versuche zu fliehn,

bis der Morgen

mich erlöst.

 

 

 

 

Peter Hoffmann

 

Vor der Kaserne ...

Nur neu ist die Laterne.

Haben nichts gelernt.

Petra Taubert

 

Hoffnung

 

Laternenlichtkegel

im Geheimniswald,

der ist dicht wie eine Hecke.

Nicht mit Gewalt,

sondern mit

freundlichem Denken

können die Waldwesen

helfen, einen Weg zu finden

aus der Tiefe

dieses dunklen Ortes auftauchen zum Licht.

Gisela Langer

Spinnengewebe

zart und fein

tanzen froh

im Lichterschein

Martina Müller

Sichtweise

 

Das Licht, das in der Dunkelheit

den Weg vor mir erhellt,

lässt mir ein Fenster in der Zeit,

ein kleines Stück der Welt.

 

Das Licht, das mild hernieder scheint,

mir sicher macht das Gehn,

ist ein Moment, der Nacht verneint,

denn in ihm kann ich sehn.

 

Bald blasst die Nacht zum Tagbeginn,

es dämmert Morgenlicht,

dann zieht es mich zur Sonne hin

und Dunkelheit zerbricht...

Marion Krüger

Finsternis besiegt das Licht

Dunkelheit ich seh mich nicht

von vielen Fäden eng umwoben

Trauer und Schmerz in mir toben

Gedanken kreisen

wie Motten ums Licht

wo führt das noch hin

ich weiß es nicht

 

 

Martina Müller

Ausgeliefert

 

Das letzte Blatt, es gibt sich preis

dem Wind, den Elementen,

am Ende wird das Leben leis,

liegt nicht in eignen Händen.

 

Dem Los gilt noch sein Widerstand

und schwaches Aufbegehren,

bald reißt es ab, fliegt übers Land

und kann sich nicht mehr wehren.

 

Das Leben währt nie ewig lang,

begrenzt wird es bemessen,

es endet jeder Überschwang

und mündet ins Vergessen.

Rolf Winkler

der achtziger

 

ich weiß

ein sommer macht noch keine schwalbe

aber

das letzte blatt verliert den herbst

und

mein müder kopf jubiliert

 

Sigrid Lindenblatt

kraftvoll

 

ich trotze

den stürmen

meines lebens

 

halte mich fest

solange

die kraft

bleibt

 

gehe

mutig meinen

weg – kraftvoll

 

Christa Beau

Lebenswille

 

Der Herbst will meinen Garten verlassen. Stürme fegten das Bunt von den Bäumen. Auch in mir wird es bald Winter. Der Körper setzt seine Zeichen. Noch habe ich die Kraft zu widerstehen. So, wie das letzte Blatt am Baum.

 

Herbststurm

über meinem Herzen

die Gammakamera

 

Peter Hoffmann

 

Dem Sturmwind getrotzt

hat ein gewöhnliches Blatt.

Einsame Hoffnung.

Petra Taubert

Der besondere Blick

 

Wie ein Edelstein

leuchtet im Geäst

ein Blatt, dass sich

nicht verwehen lässt.

 

Sturmgeheul und Regen

konnten ihm nichts anhaben.

Noch hängt es am Zweig

als sicheres Glücksguthaben

 

dank unseres Fotografen

mit dem besonderen Blick.

Aufmerksam nahm er's wahr

und seine Kamera machte klick.

 

Thurid Winkler

Novembersteine

 

Strandwanderung bei Sonnenschein, Rumpf- und Kniebeugen.

Hier ein Feuerstein mit einer tiefen Mulde, dort ein kleiner Hühnergott. Der Gelbe kommt auf eine gelbe Orchidee. Dieser da sieht aus wie ein Seelöwe.

Die Jacke wird immer schwerer.

„Suchen sie Bernstein?“ fragt eine alte Dame.

„Suchen? Das kann man ja immer. Mit dem Finden ist es so eine Sache.“

Sie lacht und wünscht mir viel Erfolg.

Im Wasser funkelt ein schwarzer Stein, faustgroß. Der muss auch noch mit. Ein Obsidian – das ist schon was. Nur einen Bernstein habe ich noch nicht.

Aber da ist er ja, hoch oben zwischen den Zweigen. Die Sonne bringt ihn zum Leuchten.

 

Stefanie Obieglo

Das letzte Blatt

 

Ich habe gelebt,

aus dem Vollen geschöpft,

Frühling und Sommer erfahren,

den Herbst genossen.

Jetzt steht der Winter

vor der Tür.

 

Die anderen sind schon gegangen.

Ich will

noch ein bisschen träumen,

bis der Sturm

mich

zum letzten Tanz holt.